ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2015Hepatitis B bei Krebspatienten: Entecavir verhindert Reaktivierung durch Immunsuppression

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Hepatitis B bei Krebspatienten: Entecavir verhindert Reaktivierung durch Immunsuppression

Warpakowski, Andrea

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Die Reaktivierung der Hepatitis B (HBV) unter Chemotherapeutika kann schwerwiegende Komplikationen bis zu einem lebensbedrohenden fulminanten Leberversagen zur Folge haben. HBsAg-positive Patienten und solche mit durchgemachter Hepatitis B (HBsAk-positive oder auch nur Anti-HBcAk-positive, die wegen eines Lymphoms eine Rituximab-basierte Chemotherapie erhalten, haben ein deutlich erhöhtes Risiko für eine HBV-Reaktivierung und sollten deshalb vor einer geplanten Rituximab-Therapie auf HBV getestet werden.

Ereignisse bei Patienten mit durchgemachter HBV und Prophylaxe durch Entecavir oder Lamivudin
Tabelle
Ereignisse bei Patienten mit durchgemachter HBV und Prophylaxe durch Entecavir oder Lamivudin

Bei einer Reaktivierungsprophylaxe mit Lamivudin entwickeln sich teilweise rasch Resistenzen. In einer Phase-III-Studie ist nun die Wirksamkeit des potenteren Nukleosidanalogons Entecavir im Vergleich zu Lamivudin untersucht worden. HBsAg-positive Patienten mit einem diffusen großzelligen B-Zell-Lymphom, die Rituximab, Cyclophosphamid, Doxorubicin, Vincristin und Prednison (R-CHOP) alle zwei oder drei Wochen erhalten sollten (n = 534), wurden im Rahmen einer Substudie randomisiert zusätzlich mit einmal täglich 0,5 mg Entecavir (n = 61) oder 100 mg Lamivudin (n = 60) behandelt. Die Patienten hatten zuvor keine antiretroviralen Medikamente erhalten, hatten eine normale Leberfunktion und die HBV-DNA lag unter 10Kopien/mL. Die Therapie begann eine Woche vor dem ersten R-CHOP-Zyklus und endete sechs Monate nach dem letzten.

Eine HBV-assoziierte Hepatitis (3-facher Normwert oder Erhöhung auf 100 > ALT U/L; primärer Endpunkt) wurde bei keinem Patienten unter Entecavir und bei 13,3 % Patienten unter Lamivudin nachgewiesen. Eine Reaktivierung der HBV (10-fache Erhöhung oder Erhöhung auf 10HBV-DNA-Kopien/mL; sekundärer Endpunkt) trat bei 6,6 % der Patienten unter Entecavir und 30,0 % unter Lamivudin auf. Die Chemotherapie musste deswegen bei 1,6 % vs. 30,0 % der Patienten unterbrochen werden. Bei 37,5 % der Patienten in der Lamivudin-Gruppe mit HBV-assoziierter Hepatitis kam es nach Ende der antiviralen Therapie zu einer BHV-Reaktivierung B. Unter Entecavir gab es keine späte Reaktivierung.

Fazit: „Mit Entecavir kann bei den meisten Lymphompatienten unter R-CHOP eine HBV-Reaktivierung verhindert werden“, kommentiert Prof. Dr. med. Jörg Petersen, ärztlicher Leiter des Leberzentrums Hamburg am ifi-Institut für interdisziplinäre Medizin das Studienergebnis. „Es zeigt sich aber auch, dass alle Patienten vor einer immunsuppressiven Therapie jeglicher Art auf Hepatitis B getestet werden sollten: zum einen auf HBs-Antigen als Zeichen einer Hepatitis-B-Infektion, zum anderen auf Anti-HBc-Antikörper, als Zeichen einer durchgemachten HBV-Infektion, bei der nach wie vor virales Erbgut in den Hepatozyten vorliegt. Eine durchgemachte Hepatitis B kann nicht alleine durch Anti-HBs-Antikörper diagnostiziert werden. Bei Anti-HBsAg-positiven Patienten sollte vor Immunsuppression Entecavir eingesetzt werden, bei Patienten, die nur Anti-HBc-positiv sind, könnte Lamivudin ausreichen.“ Andrea Warpakowski

Huang He, et al.: Entevacir vs Lamivudin for prevention of Hepatitis B virus reactivation among patients with untreated diffuse large B-cell lymphoma receiving R-CHOP chemotherapy. A randomized clinical trial. JAMA 2014; 312: 2521–30.

Ereignisse bei Patienten mit durchgemachter HBV und Prophylaxe durch Entecavir oder Lamivudin
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Ereignisse bei Patienten mit durchgemachter HBV und Prophylaxe durch Entecavir oder Lamivudin

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