ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2015Medizinstudium: Orientierungsstudium
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. . . Woher stammt eigentlich die Erkenntnis, dass die Schulabgänger mit einer „eins“ im Abitur später auch die besten Ärzte sein werden. Und auch, ob sie die besten Wissenschaftler sein werden, ist nicht einmal gesagt. Als ich 1959 mit dem Studium anfing, gab es keine Einschränkungen. Jeder konnte das Fach studieren, für das er Neigungen zu haben meinte. Das Wort „NC-Fach“ war uns völlig unbekannt. Später habe ich als Hochschullehrer über Jahre auch an den sogenannten Aufnahmegesprächen teilgenommen. Was ist aus den zugelassenen Bewerbern eigentlich geworden? Ich weiß nicht, ob wir immer richtig lagen. Andererseits haben wir mit unseren Empfehlungen in den Lebenslauf der jungen Menschen „eingegriffen“. Mit meiner eigenen Durchschnittsnote von 2,6 im Abitur hätte ich heute wohl keine Chance für eine Zulassung zum Medizinstudium. Und dennoch hat es später zum Institutsdirektor gereicht, aber auch zum Dekan und schließlich auch zum Vizepräsidenten der Universität. Wenn ich dies meinem Enkel (15 Jahre) erzähle, kann er das kaum fassen . . . Die vielen Verbesserungsvorschläge beim Zulassungsverfahren in der Vergangenheit sind meines Erachtens nur Stückwerk. Wo bleibt der große Wurf, auch im Hinblick auf den prognostizierten Ärztemangel in Deutschland in den nächsten Jahren? Vielleicht könnte man von der Technischen Universität Berlin lernen. Dort gibt es seit Kurzem das sogenannte Orientierungsstudium (zwei Semester). Es wird von den Studierenden gut angenommen. Manch einer (Erstsemester) ist ja noch nicht einmal 18 Jahre alt. Wie soll er da schon Bescheid wissen über das, was ihn an der Universität erwartet. Das hieße aber, dass man zunächst erst einmal jeden Bewerber/jede Bewerberin zum (Orientierungs-)Studium zulässt . . .

Das Verfahren wäre aber gerechter, auf die Fakultäten käme natürlich mehr Arbeit zu. Diese sollte es uns aber wert sein im Hinblick auf die jungen Menschen, die ein Medizinstudium anstreben und für die wir uns verantwortlich fühlen . . .

Univ.-Prof. Dr. med. Dres. h. c. Volkmar Schneider,
12307 Berlin

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