ArchivDeutsches Ärzteblatt4/1996KBV-Dokumentation zur Mutterschaftsvorsorge: Weiterer Rückgang der perinatalen Mortalität

POLITIK: Aktuell

KBV-Dokumentation zur Mutterschaftsvorsorge: Weiterer Rückgang der perinatalen Mortalität

Glöser, Sabine

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LNSLNSLNSLNS Seit 1984 reduzierte sich die perinatale Mortalität in der Bundesrepublik Deutschland um 30 Prozent. Das 1991 erreichte Niveau von 5,6 Todesfällen pro tausend Geburten schien noch vor zehn Jahren ein kaum erreichbares Ziel. Ein ähnlich steiler Abfall läßt sich bei der Säuglingssterblichkeit feststellen, die von 9,6 pro tausend im Jahr 1984 auf 6,7 pro tausend im Jahr 1991 abfiel. Im Vergleich mit den Staaten der Europäischen Gemeinschaft weist die Bundesrepublik damit erneut die geringste perinatale Mortalität auf. Hinsichtlich der Säuglingssterblichkeit liegt sie hinter den Niederlanden an zweiter Stelle.


Zuverlässigere Daten
Dies sind die Ergebnisse einer von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) in Auftrag gegebenen Dokumentation. Sie läßt Rückschlüsse über die Mutterschaftsvorsorge nach den Richtlinien des Bundes­aus­schusses der Ärzte und Krankenkassen sowie über die ärztliche Betreuung während der Schwangerschaft und nach der Entbindung zu. Während in den vergangenen Jahren lediglich Fallzählungen (Mutterschaftsvorsorgefälle) aus der Abrechnungsstatistik der KBV zur Verfügung standen, konnte nun erstmals zuverlässigeres Datenmaterial verwendet werden. So wurden sowohl die auf Landesebene erstellten Perinatalerhebungen der Ärztekammern als auch Daten des Statistischen Bundesamtes und der Europäischen Gemeinschaft für die Auswertung genutzt. Dabei bezieht sich das Zahlenmaterial auf die Gesamtzahl der Geburten in den alten Bundesländern.
Die Dokumentation, die von der KBV erstmals für das Jahr 1989 herausgegeben wurde, ermöglicht nun hinsichtlich der Jahresergebnisse für 1991 weit detailliertere Aussagen: Die Geburtenzahl nahm mit 733 352 gegenüber 1990 nur um 0,5 Prozent zu. Davon kamen 2 390 Totgeborene zur Welt, 1 822 Lebendgeborene verstarben während der ersten sieben Tage, 4 931 während des ersten Lebensjahres. Im Zusammenhang mit der Geburt verstarben 62 Frauen, was einer Müttersterblichkeit von rund 7 pro 100 000 entspricht. Im Jahr 1975 lag diese Zahl etwa sechsmal so hoch. Der Trend, den Beginn der Schwangerenüberwachung vorzuverlegen und die Anzahl der Vorsorgeuntersuchungen zu vergrößern, setzte sich von 1990 auf 1991 fort. So erfolgte bei 82 Prozent aller Schwangeren die Erstuntersuchung vor der 13. Schwangerschaftswoche, und bei 74 Prozent wurden mindestens zehn Vorsorgeuntersuchungen durchgeführt. Der Anteil an Risikoschwangerschaften, der seit Jahren zunimmt, lag bei 65 Prozent. Laut Mutterschaftsrichtlinien sollte der betreuende Arzt jede Risikoschwangere spätestens vier Wochen vor der zu erwartenden Geburt in der Entbindungsklinik vorstellen, was jedoch nur bei 56 Prozent der Fall war. Etwa jede fünfte Schwangere wurde während der Schwangerschaft mindestens einmal stationär aufgenommen. Antepartale Kardiotokogramme (CTG) wurden bei 86 Prozent aller Schwangerschaften geschrieben, womit sich deren Anzahl von 1990 auf 1991 um rund 3 Prozent erhöhte. Bei der Entbindung von Einlingen wurden 94 Prozent aller Geburten kardiotokographisch überwacht. Dies zeigt, daß die CTG-Überwachung unter der Geburt inzwischen geburtshilflicher Standard ist. Geburtsrisiken traten bei 62 Prozent der Schwangeren auf, und die seit Jahren ansteigende Sectio-Rate erhöhte sich gegenüber dem Vorjahr leicht auf 16 Prozent. Dr. Sabine Glöser

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