ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2015EU-Projekt: System zur häuslichen Pflege von Leberkranken

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EU-Projekt: System zur häuslichen Pflege von Leberkranken

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Das europäische Forschungsprojekt „D-LIVER“ zielt darauf ab, die Lebensqualität von Patienten mit chronischen Lebererkrankungen zu verbessern, indem diese zu Hause durch ein telemedizinisches Betreuungssystem überwacht werden (www.d-liver.eu). Circa 29 Millionen Europäer leiden an einer chronischen Lebererkrankung. Sie ist eine der häufigsten Todesursachen in der EU.

Das Projekt soll Patienten mit fortgeschrittener Lebererkrankung, von denen viele auf eine Transplantation warten, die anstrengenden regelmäßigen Fahrten ins Krankenhaus für Tests und Beratungstermine ersparen. Hierzu entwickeln die Forscher ein IT-gestütztes ferngesteuertes Monitoringsystem, mit dem die Patienten eine Vielzahl von wichtigen biochemischen und physikalischen Parametern testen können, die in Echtzeit Auskunft über ihren Gesundheitszustand geben.

Hierfür legt der Patient einen drei mal drei Zentimeter großen Kunststoffchip in ein Messinstrument ein. Dann sticht er sich in einen Finger und erzeugt einen Tropfen Blut, der bei Berührung der Kartuschenöffnung sofort in das System gesaugt wird. Die Tests werden automatisiert durchgeführt, und die Ergebnisse für die verschiedenen Parameter (Natrium, Kalium, Kreatinin, Bilirubin, Albumin und Gerinnungszeit) sind innerhalb weniger Minuten verfügbar.

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Zusätzlich wurde auch ein tragbares Gerät entwickelt, das eine kontinuierliche Überwachung der physiologischen Parameter, etwa von Herzfrequenz, Temperatur, Aktivität und Blutdruck, ermöglicht. Zudem umfasst es einen kognitiven Test auf einem Tablet-Computer, mit dem Konzentration und Funktion des Gehirns gemessen werden können, da eine hohe Lebertoxizität oft zu einer Enzephalopathie führt.

Die Tests können beliebig oft durchgeführt werden, täglich oder wöchentlich. Die Ergebnisse stehen nicht nur dem Patienten zu Hause, sondern auch dem betreuenden Arzt im Krankenhaus zur Verfügung. Die Plattform ist generisch – sobald die technologische Entwicklung abgeschlossen ist, könnte sie auch für andere Krankheiten genutzt werden, wie Herz-Kreislauf-, Nieren-, neurologische und entzündliche Erkrankungen. Die Experten gehen davon aus, dass so jährlich mehrere Tausend Euro je Patient an Kosten für den stationären Aufenthalt eingespart werden können.

In der verbleibenden Zeit bis zum Projektende im September 2015 bereiten sich die Teilnehmer auf einen multizentrischen klinischen Testbetrieb des Systems vor, der im Jahr 2016 stattfinden soll. Bis zu 150 Patienten in Newcastle, Berlin und Mailand sollen daran teilnehmen. Das Projekt, an dem sich 14 Partner aus sieben Ländern beteiligen, wird mit knapp elf Millionen Euro gefördert. EB

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