ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2015Kunstherz: Miniaturisierung bietet mehr Therapieoptionen

TECHNIK

Kunstherz: Miniaturisierung bietet mehr Therapieoptionen

Dtsch Arztebl 2015; 112(13): A-590 / B-504 / C-492

Spiliopoulos, Sotirios; Körfer, Reiner; Tenderich, Gero

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In der Behandlung der terminalen Herzinsuffizienz eignet sich das miniaturisierte SynCardia-Kunstherz potenziell auch für Jugendliche und Frauen.

Die „SynCardia Total Artificial Heart“- Polyurethankammer; links: 70 ml; rechts: 50 ml. Foto: SynCardia Corp.
Die „SynCardia Total Artificial Heart“- Polyurethankammer; links: 70 ml; rechts: 50 ml. Foto: SynCardia Corp.

Die Kunstherztherapie ist eine etablierte Option für die Behandlung der terminalen, biventrikulären Herzinsuffizienz als Folge einer akuten, massiven Myokardischämie oder einer chronischen dilatativen beziehungsweise restriktiven Kardiomyopathie (1). Der Einsatz eines Kunstherzens dient derzeit der Überbrückung bis zur Herztransplantation (Bridge to Transplant; BTT) (2). In Anbetracht der rückläufigen Transplantationszahlen und der demografischen Entwicklung wird inzwischen, sowohl experimentell als auch klinisch, an dem Einsatz eines Kunstherzens als Alternative zur Herztransplantation (Destination Therapy; DT) gearbeitet (35).

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Das einzige System, das aktuell für den klinischen Einsatz sowohl von der FDA (Federal Drug Administration) als auch von der Europäischen Union zugelassen ist, ist das SynCardia – Total Artificial Heart (SynCardia Corp. Tucson, USA). Es handelt sich um ein teilimplantierbares, pneumatisch angetriebenes System. Dieses besteht aus zwei semirigiden Polyurethankammern, die die Funktion der nativen Ventrikeln übernehmen und dabei in Abhängigkeit von der Betriebsfrequenz und von ihrem Füllvolumen ein Herzzeitvolumen von bis zu 10 l/min generieren. Die Polyurethankammern werden über zwei Dacron-beschichtete und drahtverstärkte Antriebsstränge an die externe Antriebseinheit angeschlossen. Die aktuell verfügbare tragbare Antriebseinheit wiegt 6 kg und wird von zwei Lithium-Ionen-Batterien angetrieben. Sie erlaubt eine maximale Patientenmobilität und, trotz der noch beträchtlichen Lautstärke des Antriebes, eine gute Lebensqualität.

Kleineres Volumen der Polyurethankammern

Bis dato wurde das System weltweit nur in 1 400 Fällen eingesetzt. Ein wichtiger Grund ist die Größe der Polyurethankammern: Bei einem Kammervolumen von 70 ml wird eine Körperoberfläche von mindestens 1,7 qm benötigt, um eine problemlose intrathorakale Implantation des Systems ohne Kompressionsphänomene zu gewährleisten. In den meisten Fällen wurden somit Jugendliche und weibliche Patienten von einer Kunstherzimplantation ausgeschlossen.

Um diese Einschränkung zu überwinden, wurde nun das Volumen der Polyurethankammern auf 50 ml reduziert (Foto). Vorausgesetzt, dass die Thoraxgröße ausreichend ist, kann das neue System nun problemlos bei einer Körperoberfläche von weniger als 1,7 qm implantiert werden. Das maximal erreichbare Herzzeitvolumen liegt, wieder in Abhängigkeit von der Betriebsfrequenz und dem Füllungsvolumen der Kammern, bei 7 l/min. Alle weiteren Systemkomponenten, einschließlich der Antriebseinheit, wurden unverändert beibehalten.

Der erste weltweit erfolgreiche Einsatz des neuen Systems fand in unserem Zentrum Ende Dezember 2014 statt. Dabei zeigte sich, dass weder eine Umstellung der chirurgischen Implantationstechnik noch eine Änderung der Systemkonfiguration (Betriebsfrequenz, Vakuumeinstellung, Druckeinstellung der rechten und der linken Herzkammer) notwendig sind. Unter der Voraussetzung, dass sich das neue System in der jetzt anstehenden multizentrischen Studie bewährt, wird das beträchtliche Implikationen für die Therapie der terminalen Herzinsuffizienz haben.

Dr. med. Sotirios Spiliopoulos,
Prof. Dr. med. Dr. h. c. Reiner Körfer,
Prof. Dr. med. Gero Tenderich

Herz- und Gefäßzentrum Duisburg, Abteilung für die Chirurgische Therapie der terminalen Herzinsuffizienz und Kunstherzversorgung,
sotirios.spiliopolos@ejk.de

1.
Slepian MJ, Copeland JG: The total artificial heart in refractory cardiogenic schock: saving the patient versus saving the heart. Nature Clinical Practice Cardiovascular Medicine 2008; 5(2): 64–5. CrossRef MEDLINE
2.
Copeland JG, Smith RG, Arabia FA, et al.: Cardiac replacement with a total artificial heart as a bridge to transplantation. New England Journal of Medicine 2004; 351 (9): 859–67.CrossRef
3.
Koerfer R, Spiliopoulos S, Finnochiaro T, et al.: Paving the Way for Destination Therapy of End-Stage Biventricular Heart Failure: The ReinHeart - Total Artificial Heart Concept. Eur J Cardiothorac Surg 2014; 46(6): 935–6. CrossRef MEDLINE
4.
Mohacsi P, Leprince P: The CARMAT total artificial heart. Eur J Cardiothorac Surg 2014; 46(6): 933–4. CrossRef MEDLINE
5.
Spiliopoulos S, Koerfer R, Tenderich G: A first step beyond traditional boundaries: Destination Therapy with the SynCardia Total Artificial Heart. Interact Cardiovasc Thorac Surg 2014; 18(6): 855–6. CrossRef MEDLINE
1. Slepian MJ, Copeland JG: The total artificial heart in refractory cardiogenic schock: saving the patient versus saving the heart. Nature Clinical Practice Cardiovascular Medicine 2008; 5(2): 64–5. CrossRef MEDLINE
2. Copeland JG, Smith RG, Arabia FA, et al.: Cardiac replacement with a total artificial heart as a bridge to transplantation. New England Journal of Medicine 2004; 351 (9): 859–67.CrossRef
3. Koerfer R, Spiliopoulos S, Finnochiaro T, et al.: Paving the Way for Destination Therapy of End-Stage Biventricular Heart Failure: The ReinHeart - Total Artificial Heart Concept. Eur J Cardiothorac Surg 2014; 46(6): 935–6. CrossRef MEDLINE
4. Mohacsi P, Leprince P: The CARMAT total artificial heart. Eur J Cardiothorac Surg 2014; 46(6): 933–4. CrossRef MEDLINE
5. Spiliopoulos S, Koerfer R, Tenderich G: A first step beyond traditional boundaries: Destination Therapy with the SynCardia Total Artificial Heart. Interact Cardiovasc Thorac Surg 2014; 18(6): 855–6. CrossRef MEDLINE

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