ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2015Neonatologie: Apgar-Score bleibt relevant für das Mortalitätsrisiko

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Neonatologie: Apgar-Score bleibt relevant für das Mortalitätsrisiko

Dtsch Arztebl 2015; 112(13): A-585 / B-499 / C-487

Leinmüller, Renate

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Ein niedriger Apgar-Score nach fünf Minuten bei reifen und frühgeborenen Neugeborenen ist auch 60 Jahre nach der Erstbeschreibung ein schneller Marker für ein erhöhtes Mortalitätsrisiko. Fortschritte in der neonatologischen Therapie, auch in der Intensivbehandlung, und ein massiver Rückgang der Säuglingssterblichkeit haben schottische Wissenschaftler veranlasst, die Relevanz dieses weltweit verwendeten Index zu überprüfen (1). Erstmals wurde dabei auf bekannte Einflussfaktoren wie Gestationsalter und Gewicht bei Geburt des Kindes und soziale Schicht, Rauchen und neonatale Todesfälle in der Anamnese bei der Mutter adjustiert. Basis waren vier schottische Datenbanken. Ausgewertet wurden mehr als eine Million lebendgeborene Einlinge der Jahre 1992 bis 2010. Todesfälle aufgrund kongenitaler Anomalien oder Isoimmunisierung wurden ausgeschlossen.

Relatives Risiko mit 95-%-Konfidenzintervallen der neonatalen Mortalität im Verhältnis zum Apgar-Score 5 Minuten nach der Geburt
Relatives Risiko mit 95-%-Konfidenzintervallen der neonatalen Mortalität im Verhältnis zum Apgar-Score 5 Minuten nach der Geburt
Grafik
Relatives Risiko mit 95-%-Konfidenzintervallen der neonatalen Mortalität im Verhältnis zum Apgar-Score 5 Minuten nach der Geburt

Ein niedriger Apgar-Score nach fünf Minuten (0–3 Scorepunkte) war mit einem erhöhten relativen Risiko (RR) für Todesfälle bei Neugeborenen und Säuglingen assoziiert. Im Vergleich zu normalen Apgar-Werten (7–10 Scorepunkte) berechnete sich ein stark erhöhtes RR (359,4; 95-%-Konfidenzintervall [KI]: 277,3–465,9) für einen frühen neonatalen Tod (erste 7 Lebenstage). Signifikant erhöht blieb das Risiko auch für Todesfälle vom 7. bis 28. Lebenstag (RR 30,5; 95-%-KI: 18,0–51,6), für neonatale Todesfälle bis 4 Wochen nach Geburt und Kindstod im 1. Lebensjahr (RR 50,2; 95-%-KI: 42,8–59). Ähnliche Zusammenhänge, allerdings quantitativ weniger ausgeprägt, fanden sich beim Vergleich von mittleren (4–6 Scorepunkte) mit normalen Apgar-Werten nach fünf Minuten.

Die stärksten Assoziationen ergaben sich für Anoxie-Todesfälle und niedrigem Apgar bei termingerecht und frühgeborenen Säuglingen (RR 961,7 und 141,7). Bei keinem Gestationsalter gab es eine Assoziation zwischen dem Apgar-Score und dem Risiko für einen plötzlichen Kindstod.

Fazit: Der Nutzen des Apgar-Scores zur Abschätzung des Mortalitätsrisikos bestätigt sich für die klinische Praxis, so das Fazit der Autoren aus den Studienergebnissen. Im Editorial (2) wird darauf hingewiesen, dass niedrige Apgar-Werte bei Neugeborenen selten seien. Es sei wichtig, den Nutzen der therapeutischen Hypothermie für diese Gruppe zu belegen. Dr. rer. nat. Renate Leinmüller

  1. Iliodromiti S, Mackay DF, Smith GCS, et al.: Apgar score and the risk of cause-specific infant mortality: a population-based cohort study. Lancet 2014; 384: 1749–55.
  2. Laptook A: Neonatal and infant death: the Apgar score reassessed, Lancet 2014; 384: 1727–8.
Relatives Risiko mit 95-%-Konfidenzintervallen der neonatalen Mortalität im Verhältnis zum Apgar-Score 5 Minuten nach der Geburt
Relatives Risiko mit 95-%-Konfidenzintervallen der neonatalen Mortalität im Verhältnis zum Apgar-Score 5 Minuten nach der Geburt
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