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Herr Dr. Wolter bemängelt, dass Maßnahmen zur Herausfilterung von Patienten, bei denen der Einsatz von opioidhaltigen Analgetika aufgrund eines vorbestehenden Suchtproblems kontraindiziert ist beziehungsweise besondere Vorsichtsmaßnahmen erfordert, in den Schlüsselempfehlungen der Leitlinie nicht ausreichend berücksichtigt sind.

In der Langversion der Leitlinie wird die Durchführung einer psychosozialen Anamnese (inklusive Suchtanamnese) und die partizipative Entscheidungsfindung bei der Indikationsstellung empfohlen (1). Das Absetzen des opioidhaltigen Analgetikums bei Nichterreichen der Behandlungsziele sowie die schrittweise Beendigung der Therapie mit opioidhaltigen Analgetika, wenn der Patient die rezeptierten opiodhaltigen Analgetika trotz Mitbehandlung durch einen Suchtspezialisten missbräuchlich verwendet, sind Schlüsselempfehlungen der Leitlinie. Weiterhin enthält die Langversion der Leitlinie eine Empfehlung zum Management von Patienten mit aktueller Substanzabhängigkeit und zum Opioidentzug (1). Die suchtmedizinischen Aspekte sind somit aus Sicht der Leitlinienautoren ausreichend berücksichtigt.

Es gibt keine Hinweise auf eine „Opioidepidemie“ in Deutschland. In den USA sind die Opioidverordnungen von 2000–2010 um 400 % gestiegen, parallel dazu die Anzahl der opioidassoziierten stationären Krankenhausaufnahmen und Todesfälle (2). Der Anstieg der Langzeitverschreibungen von opioidhaltigen Analgetika bei nichttumorbedingten Schmerzen in Deutschland liegt in diesem Zeitraum bei 23 % (1). Eine von der Bundesregierung eingesetzte Expertengruppe fand bei Nutzung verschiedener Datenquellen (Befragung von Apothekern und Suchtkliniken, Analysen von Krankenkassendaten, Informationen des Bundeskriminalamtes) keine Hinweise auf einen zahlenmäßig bedeutsamen Missbrauch von Tilidin und Tramadol (3).

Fallserien deutscher Schmerzzentren zeigten keine Hinweise auf ein problematisches Einnahmeverhalten von Patienten unter Langzeitopioidtherapie (1). Es gibt somit keinen Beleg, dass ein Drittel der deutschen „LONTS-Patienten“ an einer „opioid use disorder“ leiden.

Im Sinne Herrn Dr. Wolters sollen die Leitlinienempfehlungen dazu beitragen, einer „Opioidepidemie“ in Deutschland vorzubeugen.

DOI: 10.3238/arztebl.2015.0251b

PD Dr. med. Winfried Häuser

Innere Medizin I

Klinikum Saarbrücken gGmbH, Saarbrücken

whaeuser@klinikum-saarbruecken.de

Interessenkonflikt

PD Dr. Häuser besitzt Aktienfonds, die Aktien von pharmazeutischen Firmen enthalten können. Er wurde honoriert für Beratertätigkeit (Advisory Board) von der Firma Daiichi Sankyo. Vortragshonorare bekam er von den Firmen Abbott, Janssen-Cilag, MSD, Sharp & Dohme und Pfizer.

1.
Häuser W, Bock F, Hege-Scheuing G, et al.: Empfehlungen der aktualisierten Leitlinie LONTS – Langzeitanwendung von Opioiden bei nicht-tumorbedingten Schmerzen. Schmerz 2015; DOI 10.1007/
s00482-014-1463-x CrossRef MEDLINE
2.
Sullivan MD, Howe CQ: Opioid therapy for chronic pain in the United States: Promises and perils. Pain 2013; 154: 94–100 CrossRef MEDLINE PubMed Central
3.
Radbruch L, Glaeske G, Grond S, et al.: Topical review on the abuse and misuse potential of tramadol and tilidine in Germany. Subst Abus 2013; 34: 313–20 CrossRef MEDLINE
4.
Häuser W, Bock F, Engeser P, Tölle T, Willweber-Strumpf A, Petzke F: Clinical practice guideline: Long-term opioid use in non-cancer pain. Dtsch Arztebl Int 2014; 111: 732–40 VOLLTEXT
1.Häuser W, Bock F, Hege-Scheuing G, et al.: Empfehlungen der aktualisierten Leitlinie LONTS – Langzeitanwendung von Opioiden bei nicht-tumorbedingten Schmerzen. Schmerz 2015; DOI 10.1007/
s00482-014-1463-x CrossRef MEDLINE
2.Sullivan MD, Howe CQ: Opioid therapy for chronic pain in the United States: Promises and perils. Pain 2013; 154: 94–100 CrossRef MEDLINE PubMed Central
3.Radbruch L, Glaeske G, Grond S, et al.: Topical review on the abuse and misuse potential of tramadol and tilidine in Germany. Subst Abus 2013; 34: 313–20 CrossRef MEDLINE
4.Häuser W, Bock F, Engeser P, Tölle T, Willweber-Strumpf A, Petzke F: Clinical practice guideline: Long-term opioid use in non-cancer pain. Dtsch Arztebl Int 2014; 111: 732–40 VOLLTEXT

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