ArchivDeutsches Ärzteblatt17/1999Homöopathie an deutschsprachigen Universitäten

SPEKTRUM: Bücher

Homöopathie an deutschsprachigen Universitäten

Dtsch Arztebl 1999; 96(17): A-1098 / B-932 / C-875

Lucae, Christian

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Homöopathie
Geschichte des Scheiterns


Christian Lucae: Homöopathie an deutschsprachigen Universitäten. Die Bestrebungen zu ihrer Institutionalisierung von 1812 bis 1945 (Quellen und Studien zur Homöopathiegeschichte, Band 4), Karl F. Haug Verlag, Hüthig Fachverlage, Heidelberg 1998, 288 Seiten, gebunden, 98 DM
Der Anläufe waren viele, gescheitert sind sie letztlich alle: Seit beinahe 200 Jahren bemühen sich homöopathische Ärzte und homöopathische Laien, ihre Heilweise an deutschen Universitäten zu etablieren. Doch die medizinischen Fakultäten haben sich stets hartnäckig und erfolgreich gewehrt, einen Lehrstuhl für Homöopathie einzurichten.
Christian Lucae hat diese Geschichte des Scheiterns nun in seiner Dissertation nachgezeichnet. Lehrstühle für Homöopathie gab es im deutschsprachigen Raum überhaupt nur zwei, und beide befanden sich nicht auf deutschem Boden: Franz Hausmann und Theodor von Bakody haben in den Jahren zwischen 1871 und 1904 an der Universität Budapest Vorlesungen über Homöopathie gehalten. Daneben gab es 20 weitere Honorarprofessoren und Dozenten, die sich seit Anfang des 19. Jahrhunderts an verschiedenen deutschen Universitäten für die Homöopathie eingesetzt haben. Der erste war der Begründer der Homöopathie selbst: Samuel Hahnemann hat zwischen 1812 und 1821 in Leipzig Medizinstudenten in der Homöopathie ausgebildet.
Die Argumente, die die Homöopathen und die Vertreter der Fakultäten austauschten, blieben sich über 200 Jahre hinweg fast immer gleich. Die Homöopathen hielten einen Lehrstuhl für gerechtfertigt, weil sich ihre Heilmethode in der Bevölkerung großer Beliebtheit erfreue und deshalb endlich eine wissenschaftliche Entsprechung an der Universität benötige. Außerdem pochten die Anhänger der Homöopathie stets auf die "Freiheit der Wissenschaft". Die Schulmediziner an den Fakultäten sahen dagegen in der Homöopathie eine "Irrlehre". Christian Lucae hat die Geschichte der mißglückten Institutionalisierung detailliert erforscht. Er stellt alle Lehrstühle und Lehraufträge dar und beschreibt zudem die zahlreichen fehlgeschlagenen Eingaben von homöopathischen Ärzten und Laienvereinen an deutsche Parlamente. Hinzu kommen Exkurse über die Situation im angloamerikanischen Raum. Allerdings ist Lucae das Thema etwas zu deskriptiv angegangen. Er referiert lediglich in chronologischer Folge die Diskussionen um jeden einzelnen Lehrauftrag und um jede parlamentarische Eingabe. Eine systematische Zusammenschau der Motive, Argumentationen und Strategien folgt zwar am Ende der Arbeit, umfaßt aber lediglich 14 Seiten. So bleiben viele Fragen offen. Thomas Faltin, Oberriexingen

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Anzeige