ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2015Herzinsuffizienz und Betablocker: Bei Vorhofflimmern keine Verbesserung der Prognose

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Herzinsuffizienz und Betablocker: Bei Vorhofflimmern keine Verbesserung der Prognose

Heinzl, Susanne

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Betablocker sind in europäischen und amerikanischen Leitlinien mit einer 1A-Empfehlung für die Behandlung von symptomatischen Patienten mit Herzinsuffizienz vorgesehen. Ihre Wirksamkeit bei bestimmten Patienten, zum Beispiel solchen mit gleichzeitigem Vorhofflimmern, bei Frauen und bei Älteren wird jedoch in Zweifel gezogen. In einer Metaanalyse, basierend auf individuellen Patientendaten von 18 254 Patienten, wurden Wirksamkeit und Sicherheit der Betablocker bei Patienten mit Herzinsuffizienz und Vorhofflimmern oder Sinusrhythmus untersucht (1). Voraussetzung war, dass Betablocker bei Patienten mit Herzinsuffizienz randomisiert mit Placebo verglichen wurden und die Sterblichkeit primärer Endpunkt waren. Die Studien mussten mindestens 300 Teilnehmer umfassen und mindestens 6 Monate dauern.

Primärer Endpunkt der Metaanalyse war die Gesamtsterblichkeit, zu den sekundären Endpunkten gehörten die kardiovaskuläre Letalität, kardiovaskulär bedingte Krankenhausaufnahmen und nichttödliche Schlaganfälle. Die nicht adjustierte Sterblichkeit betrug 21 % in der Gruppe mit Herzinsuffizienz und Vorhofflimmern sowie 16 % in der Gruppe mit Sinusrhythmus. Die Behandlung mit einem Betablocker senkte bei Patienten mit Herzinsuffizienz und Sinusrhythmus die Sterblichkeit im Vergleich zu Placebo signifikant (Hazard-Ratio [HR]: 0,73; p < 0,001), hatte jedoch bei Patienten mit gleichzeitigem Vorhofflimmern keinen Effekt (HR: 0,97; p = 0,73). Ebenso senkten Betablocker im Vergleich zu Placebo bei Herzinsuffizienz und Sinusrhythmus die kardiovaskulär bedingte Sterblichkeit (HR: 0,72; p < 0,001) sowie die Zahl kardiovaskulär bedingter Krankenhausaufnahmen (HR: 0,78, p < 0,001), kein Effekt wurde bei Patienten mit Vorhofflimmern gesehen (HR: 0,92; p = 0,35 bzw. HR 0,91, p = 0,15).

Kaplan-Meier-Kurven für Krankenhauseinweisung bei Patienten mit Sinusrhythmusstörung unter Betablockern oder Placebo
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Kaplan-Meier-Kurven für Krankenhauseinweisung bei Patienten mit Sinusrhythmusstörung unter Betablockern oder Placebo

Fazit: Betablocker sind nicht als Standardtherapie zur Prognoseverbesserung bei Patienten mit Herzinsuffizienz und Vorhofflimmern zu empfehlen. Prof. Dr. med. Axel Schlitt, Chefarzt am Paracelsus-Harz-Klinikum Bad Suderode in Quedlinburg, meint: „Es stellt sich die Frage, welche frequenzkontrollierende Medikation eine Alternative bei systolischer Herzinsuffizienz sein kann, weil Verapamil und Diltiazem kontraindiziert sind und Digoxin in dieser Situation von prognostisch zweifelhaftem Nutzen ist (2). Der behandelnde Arzt wird zur Frequenzkontrolle weiterhin Betablocker bei Herzinsuffizienz und Vorhofflimmern zur Symptomverbesserung verwenden müssen, trotz der Erkenntnis, dass eventuell keine Prognoseverbesserung zu erreichen ist.“ Dr. rer. nat. Susanne Heinzl

  1. Kotecha D, et al.: Efficacy of Betablockers in patients with heart failure plus atrial fibrillation: an individual-patient data meta-analysis. Lancet 2014; 384: 2235–43.
  2. Shah M, et al.: Relation of digoxin use in atrial fibrillation and the risk of all-cause mortality in patients ≥ 65 years of age with versus without heart failure. Am J Cardiol 2014; 114: 401–6.
Kaplan-Meier-Kurven für Krankenhauseinweisung bei Patienten mit Sinusrhythmusstörung unter Betablockern oder Placebo
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Kaplan-Meier-Kurven für Krankenhauseinweisung bei Patienten mit Sinusrhythmusstörung unter Betablockern oder Placebo

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