ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2015Medizinstudium: Kurz vor dem Kollaps
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Gefordert werden mehr Studienplätze in der Humanmedizin. Leider wird aber möglicherweise das Gegenteil passieren. Die Erklärung liefert ein Artikel in der gleichen Ausgabe auf Seite A 383. In diesem Artikel wird an einem Fallbeispiel eindrucksvoll die alte Weisheit bestätigt, dass zu hohe Entnahmen für den privaten Verbrauch aus dem Betriebsvermögen zum Kollaps des Geschäftsmodells führen können. Genau dies tut die Klinikärzteschaft derzeit. Durch die im Vergleich zu anderen Berufssparten deutlich höheren Steigerungen in den MB-Gehaltstarifen der Ärztinnen und Ärzte in den Kliniken, ob nun gerechtfertigt oder nicht, ist die Krankenhausfinanzierung in Bedrängnis geraten. Tatsache ist jedenfalls, dass dem System eine Refinanz0ierung dieser Steigerungen nicht gelungen ist. Die Folge ist, dass dadurch der Forschung und der Lehre an den medizinischen Fakultäten Finanzmittel entzogen werden, die diese Bereiche in Not bringen. Zu den Folgen gehört auch die Gefahr, dass die Zahl der Medizinstudienplätze wegen Finanznot in der Lehre reduziert werden muss. Denn wenn die derzeitige Generation dem System zu viel Kapital entzieht, muss die nachfolgende Generation konsequenterweise darunter leiden. Ein Gegenmittel wäre eine Solidaritätsabgabe für die medizinische Forschung und Lehre durch diejenigen, die von den stark gestiegenen MB-Tarifen profitieren.

Prof. Dr. med. Sigurd Lenzen, Institut für Klinische Biochemie, Medizinische Hochschule Hannover, 30625 Hannover

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