SCHLUSSPUNKT

Körperbilder: Marlene Dumas (*1953) – Die weibliche Bürde

Dtsch Arztebl 2015; 112(15): [64]

Schuchart, Sabine

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Nach dem Amsterdamer Stedelijk Museum zeigen aktuell die Tate Modern London und anschließend die Fondation Beyeler in Basel die bisher umfassendste Retrospektive der südafrikanisch-niederländischen Künstlerin Marlene Dumas, deren Bilder weltweit zu Höchstpreisen gehandelt werden. Ein Gemälde von 1993 „The Image as Burden – Das Bild als Bürde“ gab der Ausstellung ihren Namen: In gewohnt mehrdeutiger Manier thematisiert die zweifache Documenta-Teilnehmerin darin das komplexe Verhältnis zwischen Mann und Frau, Schwäche und Stärke, Verletzung und Einsamkeit. Der ernst blickende Mann trägt die Frau, der etwas Geisterhaftes anhaftet. Ist sie Geliebte oder Opfer, ohnmächtig oder tot? Es ist eine Szene wie aus einem Hollywood-Film und gleichzeitig beschwört sie Bilder aus Kriegs- und Krisengebieten herauf. Und verweist auf die in unserer Kultur omnipräsente weibliche Zurschaustellung, die für beide Geschlechter zur Bürde geworden ist.

Marlene Dumas: „The Image as Burden“, 1993, Öl auf Leinwand, 40 × 50 cm: Fürsorglich hält ein Mann eine Frau in den Armen. Im Gegensatz zu ihrem Gesicht, das durch den pastosen Farbauftrag gequält-maskenhaft wirkt, wird ihr Körper lediglich durch eine unbemalte Fläche auf der Leinwand repräsentiert. © Marlene Dumas; Photo: Peter Cox/Private collection, Belgium
Marlene Dumas: „The Image as Burden“, 1993, Öl auf Leinwand, 40 × 50 cm: Fürsorglich hält ein Mann eine Frau in den Armen. Im Gegensatz zu ihrem Gesicht, das durch den pastosen Farbauftrag gequält-maskenhaft wirkt, wird ihr Körper lediglich durch eine unbemalte Fläche auf der Leinwand repräsentiert. © Marlene Dumas; Photo: Peter Cox/Private collection, Belgium

In „The Image as Burden erforscht Dumas die Körpersprache als Form der Kommunikation“, so die Kunstkritikerin Jolie van Leeuven in dem sehr informativen Katalog. Mit dem Titel knüpfe die Malerin, die Text oft metaphorisch verwende, zugleich „eine humorvolle Verbindung zwischen einem Bild, auf dem ein Mann eine Person auf den Armen trägt, und dem Künstler, der sich mit Bildern abmüht“, was wiederum eine Distanz zwischen Bild und Betrachter schaffe. Um all diese verschiedenen Ebenen geht es der 61-Jährigen, die in Südafrika in einer weißen Farmerfamilie aufwuchs, aber seit 1976 in Amsterdam lebt und neben Kunst auch Psychologie studierte. Ihr Werk, ein Kosmos von Gesichtern und Körpern, in dem sie „Blöße statt Nacktheit“ (Dumas) darstellen will, kreist um das Unergründliche menschlicher Beziehungen. Dennoch meidet sie in ihrer Arbeit den direkten Kontakt, malt nicht mit Modellen, sondern nach Fotos oder Filmstills, da sie nur mit dieser Distanz seelische Zustände in Gesichtern oder Körpern extrahieren könne. Ihre Inspiration für „The Image as Burden“: die Todesszene in George Cukors Filmklassiker „Die Kameliendame“, in der der starke, dunkle Armand (Robert Taylor) die leichenblasse, kranke Marguerite (Greta Garbo) in seinen Armen hält. Sabine Schuchart

Ausstellung
„Marlene Dumas. The Image as Burden“

Tate Modern, Bankside, London; www.tate.org.uk/

So.–Do. 10–18 Uhr, Fr./Sa. 10–22 Uhr; bis 1. Mai 2015

Fondation Beyeler,
Baselstr. 101,
Riehen/Basel;
www.fondation-beyeler.ch/

tgl. 10–18 Uhr, Mi. 10–20 Uhr
30. Mai bis 13. September 2015

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„Marlene Dumas: The Image as Burden“, Katalog zur Ausstellung, broschiert, Sprache: Deutsch, 196 Seiten, Hatje Cantz 2014; 38 Euro

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