ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2015Kasuistik: Chance nicht vorenthalten
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Das DÄ hat jetzt den Fall einer 68-jährigen bis dato gesunden Frau mit embolischem Verschluss der A. basilaris bei absoluter Arrhythmie fatalerweise unter der Rubrik „Umgang mit Sterben“ veröffentlicht . . .

Die Patientin wurde komatös, aber noch spontan atmend stationär aufgenommen. Eine CT-Angiographie ergab den Basilarisverschluss. Über Veränderungen des Hirngewebes wird nicht berichtet. Bereits in der Akutsituation sei eine „sehr ungünstige Prognose“ erkennbar gewesen. Es bleibt offen, worauf sich die Ärzte hier berufen. In einer Serie von 51 Patienten mit Basilarisverschluss zeigten Brandt et al., dass sich mit einer Rekanalisation die Letalität von 92 Prozent auf 46 Prozent senken lässt und die Überlebenden im Langzeitverlauf eine durchaus akzeptable Prognose haben. Was hat die behandelnden Ärzte davon abgehalten, sofort mit einer systemischen Thrombolyse zu beginnen? Nach einer systematischen Analyse liegen die Chancen für einen Verlauf ohne wesentliche Behinderung nach i.v.-Lyse bei 22 Prozent. Die mögliche Behandlung mit einem Thrombolytikum wird nicht einmal erwähnt. Stattdessen wird behauptet, „Eine mechanische Rekanalisation sofort zu Beginn der Behandlung hätte gegebenenfalls eine minimale Chance geboten, den Thrombus zu entfernen.“ Diese Einstellung demonstriert angesichts von Rekanalisationsraten von über 70 Prozent in den letzten Studien folgenreiche Unkenntnis.

Die Patientin hatte eine Chance, mit sofortiger Therapie den embolischen Verschluss der A. basilaris ohne neurologische Defizite zu überleben. Die „erweiterte Diagnostik“ einen Tag später zeigte leider das, was man hätte verhindern können. Notfallmedizin darf keine Palliativmedizin sein. Nur Fachärzte sollten hier Entscheidungen fällen, in diesem Fall Neurologen zusammen mit interventionell erfahrenen Neuroradiologen. Die Einschätzung der Prognose bei akuten ausgedehnten zerebralen Durchblutungsstörungen ist oft schwer, sollte jedoch nie dazu führen, Patienten reelle Chancen vorzuenthalten. Die Schwere des Syndroms sollte nicht mit einer schon erfolgten Manifestation verwechselt werden. Die tatsächliche Schädigung wird am besten mit der Magnetresonanztomographie erfasst.

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Literatur beim Verfasser

Prof. Dr. med. Rüdiger von Kummer, Institut für
Diagnostische und Interventionelle Neuroradiologie,
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, 01307 Dresden

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