ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2015Karriere in der Inneren Medizin: Spezialisten händeringend gesucht

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Karriere in der Inneren Medizin: Spezialisten händeringend gesucht

Dtsch Arztebl 2015; 112(15): [16]

Spielberg, Petra

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Die Innere Medizin ist vielfältig: Die Schwerpunktweiterbildungen reichen von der Angiologie über die Kardiologie bis hin zur Diabetologie oder Onkologie. Foto: iStockphoto
Die Innere Medizin ist vielfältig: Die Schwer­punkt­weiter­bildungen reichen von der Angiologie über die Kardiologie bis hin zur Diabetologie oder Onkologie. Foto: iStockphoto

Die Innere Medizin bietet ein breites Spektrum an Schwerpunkten und Einsatzmöglichkeiten. Unter anderem deshalb erfreut sich die „Königsdisziplin“ beim ärztlichen Nachwuchs großer Beliebtheit. Die Chancen auf eine Stelle sind zugleich sehr groß.

Fachärzte für Innere Medizin wollen die Ärzteschaft dafür sensibilisieren, künftig verstärkt auf unnötige medizinische Leistungen zu verzichten. „Als Ärzte ist es nicht nur unsere Pflicht zu behandeln, sondern auch Behandlungen zu unterlassen, wenn sie dem Patienten nicht nützen oder ihm sogar schaden könnten“, erklärt der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM), Prof. Dr. med. Michael Hallek aus Köln. Um Überversorgung und Behandlungskosten zu vermeiden, hat die DGIM daher eine Task Force „Unnötige Leistungen“ gegründet. Die Initiative ist eines der zentralen berufspolitischen Themen des diesjährigen Internistenkongresses, der vom 18. bis 21. April erstmals in Mannheim stattfindet.

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Unnötige Leistungen benennen

Mit der Task Force erfinden die Internisten das Rad zwar nicht neu. In anderen Ländern gibt es bereits ähnliche Modelle, etwa die US-amerikanische Ärzteinitiative „Choosing wisely“ sowie eine Initiative Schweizer Ärzte, die Listen mit ärztlichen Leistungen veröffentlicht, die sich als wirkungslos oder sogar schädlich erwiesen haben. Dazu gehören beispielsweise die vorschnelle Verschreibung von Antibiotika bei Atemwegsinfekten, allzu häufige Darmspiegelungen oder das Osteoporose-Screening bei Frauen unter 65 Jahren ohne erhöhtes Risiko.

Aufgabe der von der DGIM initiierten Task Force soll es gleichwohl sein, entsprechende Empfehlungen für das deutsche Gesundheitssystem zu entwickeln, um die Diskussion innerhalb der Ärzteschaft über unnötige Leistungen voranzutreiben – sowohl im Interesse der Patienten als auch von Kosteneinsparungen im Gesundheitswesen. „Wir müssen ein Bewusstsein dafür schaffen, dass ein Zuviel an medizinischer Fürsorge ähnlichen Schaden anrichten kann, wie das Unterlassen einer notwendigen Leistung“, sagt DGIM-Vorstandsmitglied und Task-Force-Leiter Prof. Dr. med. Gerd Hasenfuß aus Göttingen.

Die DGIM beabsichtigt, die Initiative an Behandlungsleitlinien zu koppeln, um so die Versorgungsqualität verbessern und Reserven für Innovationen schaffen zu können. Denn Leitlinien enthielten in der Regel Indikationsempfehlungen, aber nur selten Empfehlungen, bestimmte diagnostische und therapeutische Maßnahmen nicht durchzuführen, verdeutlicht Hasenfuß.

Die Anwendung von evidenzbasiertem Wissen ist zwar auch aus Sicht von Dr. med. Matthias Raspe ein unverzichtbarer Bestandteil der Medizin. Für ebenso bedeutsam hält es der junge Internist, der an der Medizinischen Klinik der Charité mit Schwerpunkt Infektiologie und Pneumologie tätig ist, aber auch, langjährige klinische Erfahrungen in den Arbeitsalltag einfließen zu lassen. Gerade für angehende Fachärzte der Inneren Medizin sei es wichtig, unter der Anleitung und Supervision eines erfahrenen Vorgesetzten zu arbeiten, um sich umfassend weiterbilden zu können.

Vor allem die Innere Medizin zeichne sich durch ein nahezu grenzenloses Spektrum an Krankheitsbildern und somit auch möglichen Diagnosen und Therapien aus. „Wer diese Fachrichtung einschlägt, muss Spaß an Differenzialdiagnostik haben“, sagt Raspe. Den besonderen Reiz der Inneren Medizin macht für ihn zugleich aus, dass das Fach es Ärzten ermöglicht, den Patienten als gesamten Menschen mit seinem ganz individuellen Bild von medizinischen wie auch sozialen Problemen zu sehen. In Zeiten einer zunehmenden Spezialisierung der Medizin sei ein ganzheitlicher Behandlungsansatz von zentraler Bedeutung.

Als positiv wertet Raspe ferner den Zuwachs an Interventionsmöglichkeiten für Internisten in Diagnose und Therapie und dass die Innere Medizin in den letzten Jahren „handwerklicher“ geworden sei. „Der Ultraschall ist heute zum Beispiel fester Bestandteil der Weiter­bildungs­ordnung“, so der Internist. Das erleichtere die Arbeit und beschleunige die Diagnosestellung, ohne die Patienten zusätzlich zu belasten.

Vielfältigkeit ist reizvoll

Die Vielfalt an Spezialisierungen und Zusatzqualifikationen sowie die zentrale Stellung der Inneren Medizin im Medizinspektrum sind es offensichtlich auch, die das Fach für den Nachwuchs nach wie vor so interessant machen. Die Schwerpunktweiterbildungen in der Inneren Medizin reichen von der Angiologie über die Kardiologie, Rheumatologie, Endokrinologie und Diabetologie oder Hämatologie und Onkologie bis hin zu Zusatzbezeichnungen wie Intensivmedizin, um nur einige Beispiele zu nennen. Und fast alle eignen sich sowohl für eine Tätigkeit in der Niederlassung als auch im Krankenhaus, auch wenn junge Ärzte nach ihrer Facharztprüfung mehrheitlich im Krankenhaus bleiben wollen, wie eine repräsentative Mitgliederbefragung des Marburger Bundes vom Frühjahr 2014 ergab. Selbst in der Forschung, im Qualitätsmanagement und im Medizincontrolling, in der Pharmaindustrie, der Molekularbiologie oder als Fachjournalist können Internisten Karriere machen.

Die vielen Differenzierungsmöglichkeiten und Berufsaussichten sieht auch Priv.-Doz. Dr. med. Michael Denkinger als ein großes Plus der Inneren Medizin an. „Kein anderes Fach bietet eine solche Auswahl an Spezialisierungen und Zusatzqualifikationen“, macht der 39-Jährige deutlich. So könnten sich Internisten in zehn Schwerpunkten weiterbilden und 33 Zusatzqualifikationen erwerben. Wer wiederum „nur“ hausärztlich tätig werden wolle, könne sich auch als Internist ohne Schwerpunktbezeichnung niederlassen.

Denkinger selbst ist Facharzt für Innere Medizin mit Zusatzbezeichnung Geriatrie und arbeitet als Chefarzt und Ärztlicher Direktor bei der Agaplesion Bethesda Klinik Ulm. Gerade die Altersmedizin gewinnt aus seiner Sicht zunehmend an Bedeutung, da die Patienten im Schnitt immer älter würden. Speziell qualifizierte Geriater könnten dem umfassenden Versorgungsanspruch dieser Patientengruppe am besten gerecht werden.

Aber auch für andere Spezialisierungen gibt es einen hohen Bedarf an gut ausgebildeten Internisten. Sehr gute berufliche Chancen haben neben Spezialisten für Altersmedizin zum Beispiel auch Kardiologen und Gastroenterologen. „Beide Ausrichtungen sind nach wie vor die größten Subspezialisierungen der Inneren Medizin“, erklärt Raspe. „Die Nachfrage nach Internisten ist aber insgesamt extrem hoch. Vor allem kleine und mittlere Einrichtungen suchen händeringend kompetente Fachärzte für Innere Medizin“, ergänzt Denkinger. Entsprechend gut seien die Chancen auf eine Stelle.

Dabei bieten Krankenhäuser der Grund- und Regelversorgung oftmals ebenso gute Möglichkeiten zur Weiterbildung wie Einrichtungen der Maximalversorgung. „Bei uns wird sehr viel fachärztliche Medizin für ein vergleichsweise kleines Krankenhaus gemacht“, betonte beispielsweise Dr. med. Thomas Utrobicic, Chefarzt für Innere Medizin am Capio Mathilden-Hospital Büdingen, auf einer Podiumsdiskussion anlässlich des Bundeskongresses „Operation Karriere“ Anfang Dezember 2014 in Berlin. Berufseinsteigern werde ein breites internistisches Spektrum und eine strukturierte Weiterbildung geboten. Mit 36 Monaten stationärer Basisweiterbildung biete das Krankenhaus zudem die volle Weiterbildungszeit an – in der Inneren Medizin und auch in der Allgemeinmedizin.

Lan­des­ärz­te­kam­mern helfen

Raspe empfiehlt jungen Ärztinnen und Ärzten, sich frühzeitig Gedanken darüber zu machen, welche Schwerpunktqualifikation sie im Rahmen der Weiterbildung anstreben wollen und sich danach zu erkundigen, welche Häuser eine entsprechende Weiterbildungsberechtigung haben. „Die Lan­des­ärz­te­kam­mern helfen hier weiter“, so Raspe. Auch sei es sinnvoll, die Weiterbildung an verschiedenen Kliniken zu absolvieren, um Erfahrungen in unterschiedlichen Einrichtungen mit unterschiedlichen Schwerpunkten zu sammeln. Raspe würde es begrüßen, wenn das deutsche Weiterbildungssystem hier etwas flexibler wäre.

Mitunter sind es aber auch einfach Glück und Zufall, die einem zu einer Stelle verhelfen. „Banalitäten entscheiden manchmal, wo man landet“, weiß Dr. med. Nikos Stergiou, Chefarzt der Abteilung für Innere Medizin und Ärztlicher Direktor der Asklepios Klinik Seligenstadt, aus Erfahrung. Darüber hin-aus seien Engagement und Offenheit gefragt, um die eigenen Fähigkeiten für Förderer transparent zu machen. Auch sei es ratsam, sich frühzeitig über die eigenen Charakterzüge klar zu werden und sich
genügend Zeit für eine Bewerbung zu nehmen, so der Internist auf dem Berliner Karrierekongress des Deutschen Ärzte-Verlages.

Stergiou bestätigt zudem die Bedeutung einer konsequenten und guten Führung durch Vorgesetzte. „Es ist sehr wichtig, eine Mentorensituation vorzufinden. Man sollte effektiv geführt werden, beispielsweise auch an der Chefvisite teilnehmen. Das ist wichtiger als die Entscheidung, ob man an die Uniklinik geht, oder sich für die Grund- und Regelversorgung entscheidet.“

Petra Spielberg

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