ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2015Chronische Hepatitis C: Interferonfreies Therapieregime aus drei antiviralen Substanzen

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Chronische Hepatitis C: Interferonfreies Therapieregime aus drei antiviralen Substanzen

Warpakowski, Andrea

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Die neue Kombination zeigt hohe Heilungs- bei gleichzeitig geringen Abbruchraten. Es ist eine Option auch für Patienten mit kompensierter Leberzirrhose.

Seit Anfang des Jahres ist das erste rein orale, interferonfreie Therapieregime für die Behandlung von Patienten mit einer chronischen Hepatitis C zugelassen, das aus drei direkt antiviral gegen das Hepatitis-C-Virus (HCV) wirkenden Substanzen (direct acting antivirals, DAAs) und einem pharmakologischen Booster besteht. Das Therapieregime setzt sich zusammen aus der Fixkombination des NS5A-Inhibitors Ombitasvir, des NS3/4A-Protease-Inhibitors Paritaprevir und des niedrig dosierten pharmakologischen Boosters Ritonavir (r) (einmal täglich 12,5/75/50 mg; VIEKIRAX®) sowie dem nicht-nukleosidischen NS5B-Polymerase-Inhibitor Dasabuvir (zweimal täglich 250 mg; Exviera®).

Ombitasvir/Paritaprevir/r und Dasabuvir mit oder ohne RBV sind zugelassen für die Behandlung von HCV-Patienten mit Genotyp 1, Ombitasvir/Paritaprevir/r mit Ribavirin zusätzlich für die Therapie von HCV-Patienten mit Genotyp 4 (1, 2). Die Behandlung dauert bei Patienten ohne Zirrhose mit den Genotypen 1a, 1b und 4 nur zwölf Wochen. Liegt bereits eine Zirrhose vor, beträgt die Therapiedauer beim Genotyp 1b ebenfalls zwölf Wochen, beim Genotyp 1a und 4 dagegen 24 Wochen.

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Studienprogramm mit mehr als 3 000 Patienten

Mit dieser rein oralen, interferonfreien Therapieoption gelinge es bei den meisten – unvorbehandelten und vorbehandelten – Patienten, die chronische Hepatitis-C-Infektion Genotyp 1 und 4 zu heilen, berichtete Prof. Dr. med. Stefan Zeuzem, Universitätsklinikum Frankfurt. Er verwies auf das große Studienprogramm mit mehr als 3 000 Patienten, das auch eine Erhebung nur mit Zirrhose-Patienten umfasst.

In den zulassungsrelevanten Phase-III-Studien zeigten 97 Prozent (n = 1 052/1 833) der Patienten zwölf Wochen nach Ende der Therapie ein anhaltendes virologisches Ansprechen (sustained virological response, SVR12), das als Heilung gilt (17).

Die SVR12-Rate für Patienten mir dem Genotyp 1b betrug 99 Prozent (n = 368/369) und für Patienten mit kompensierter Zirrhose 96 Prozent (n = 182/189). Laut der gepoolten Auswertung der Phase-III-Studien hatten 1,3 Prozent der Patienten einen Relapse entwickelt. Bei nur 0,5 Prozent versagte die Therapie virologisch.

Im Phase-II-Programm für den Genotyp 1 erzielte das neue HCV-Therapieregime bei HIV/HCV-koinfizierten Patienten (n = 63), lebertransplantierten Patienten mit einer HCV-Reinfektion (n = 34) und opioidabhängigen Patienten unter Substitutionstherapie (n = 38) ebenfalls hohe SVR12-Raten von 90,6 Prozent bis 97,4 Prozent (89).

Zurzeit laufen zwei Studien (MALACHIT I und II), die Ombitasvir/Paritaprevir/r plus Dasabuvir mit und ohne Ribavirin gegen Telaprevir plus PegInterferon/Ribavirin bei unvorbehandelten und mit PegInterferon/Ribavirin-vorbehandelten Patienten vergleichen. Diese Studien sind laut Zeuzem für die zukünftige Nutzenbewertung des neuen HCV-Regimes durch das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) mit der Telaprevir-Tripletherapie als zweckmäßiger Vergleichstherapie sehr wichtig.

Die Abbruchraten aufgrund von Nebenwirkungen in den Phase-II- und Phase-III-Studien seien mit 0,2 Prozent (n = 5/2 044) sehr gering gewesen, so Zeuzem. Eine gepoolte Sicherheits-Analyse aus den Daten der Phase-II- und Phase-III-Studien mit mehr als 2 600 Patienten ergab als sehr häufige Nebenwirkungen von Ombitasvir/Paritaprevir/r plus Dasabuvir und Ribavirin (n = 2 044) Erschöpfung, Asthenie, Schlaflosigkeit, Übelkeit und Pruritus und als häufige Nebenwirkung Anämie, die jedoch auf Ribavirin zurückzuführen ist (1, 2).

Auf Interaktionen mit der Begleitmedikation achten

Die Ribavirin-Dosis musste bei 8,5 Prozent der Patienten wegen einer Anämie angepasst werden, allerdings ohne Einfluss auf die SVR12-Rate. Zeuzem machte darauf aufmerksam, dass Ombitasvir/Paritaprevir/r plus Dasabuvir und Ribavirin Substrate von Cytochromenzymen (CYP3A4 und CYP2C8) und Transporterproteinen sind und deshalb unbedingt Interaktionen mit der Begleitmedikation beachtet werden müssen.

Eine zwölfwöchige Therapie mit Ombitasvir/Paritaprevir/r plus Dasabuvir kostet nach Abzug des Herstellerrabatts 52 763,70 Euro.

Andrea Warpakowski

Quelle: Pressekonferenz „Gemeinsam für ein Leben ohne Hepatitis C – Viekirax® du Exviera® stellen sich vor“ in Frankfurt, Veranstalter AbbVie

@ Literatur im Internet:
www.aerzteblatt.de/lit1515
oder über QR-Code

1.
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2.
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