ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2015Chefärzte: Ein Angriff
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. . . Der Autor muss als Personalberater äußerst schlechte Erfahrungen mit Krankenhausärzten gemacht haben – anders lassen sich seine Worte im letzten Satz des ersten Abschnitts kaum erklären. Er spricht von 60-jährigen und älteren Chefärzten und vermittelt dadurch den Eindruck, es handele sich um „alte Säcke“ . . .

Weshalb wird ein Alter von 60 oder auch 65 Jahren bei deutlich gestiegener Lebenserwartung und besserem Körperbewusstsein zu solch einer Schreckenszahl stilisiert? Als Chirurg und Unfallchirurg habe ich Mitarbeiter gesehen, deren Konstitution, Motivation und vor allem Innovationsfreude mit 50 Jahren weitaus geringer waren als jene der „Älteren“. In Zukunft werden die Kollegen sogar bis 67 oder länger arbeiten müssen, da dem chirurgischen Fachbereich der Nachwuchs fehlt.

Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass mir die Zeit im OP bis zuletzt die liebste war – über Stunden dauernde Hüftprothesenwechsel genauso wie die Versorgung eines Unfallverletzten. Mein Arbeitsvertrag lief bis 65 Jahre plus zwei Monate, wie vom Gesetzgeber gefordert, und von „Durchkommen“ kann nun wirklich keine Rede sein. An meinem letzten Arbeitstag habe ich neben kleinen unfallchirurgischen Versorgungen noch eine Knie-Ersatzprothese gemacht – nicht bei einem Privatpatienten, sondern auf ausdrücklichen Wunsch hin. Danach habe ich die Sprechstunde wahrgenommen, mich anschließend von meinen Mitarbeitern verabschiedet und ihnen für die gute Zusammenarbeit gedankt.

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Die Ordensschwestern, bei denen ich arbeiten durfte, baten mich nach dem Ausscheiden meines Chefs, der noch die gesamte Chirurgie leitete, seine Nachfolge anzutreten, mit der Maßgabe, ich solle mir einen Viszeralchirurgen als Oberarzt suchen. Sowohl Geschäftsleitung als auch den Orden konnte ich jedoch überzeugen, dass es dringend notwendig sei, die Abteilung auf zwei Chefärzte aufzuteilen, um die Qualität der Versorgung zu verbessern. „Aber das wird uns doch viel zu teuer!“, war das Gegenargument, dem ich beigekommen bin. Die Teilung brachte letztlich einen deutlichen Anstieg der Patientenzahlen und der Erlöse. Uneinsichtigkeit herrscht somit nicht allerorten.

Mein „alter“ Chef stand im Übrigen ebenso bis zu seinem 65. Lebensjahr und seinem letzten Tag erfolgreich im OP. Niemand kam auf die Idee, hinter vorgehaltener Hand von einem Leistungsabfall zu flüstern; im Gegenteil wurde sein Ausscheiden sehr bedauert. Ich zitiere die Geschäftsleitung: „Können Sie nicht noch einige Jahre verlängern!“ Als eine „Bruchlandung“ kann man somit weder sein, noch mit Verlaub mein Berufsende bezeichnen. Beide haben wir gemeinsam mit der Geschäftsführung die Kandidaten der Nachfolge ausgesucht und eingeführt. Einen Belegungsschaden gab es nicht.

Insgesamt erscheint mir der Artikel als ein pauschalisierender Angriff auf die Chefarzt-Etage und die älteren Chefärzte . . .

Im Rahmen meiner Ausbildung habe ich an sechs verschiedenen Krankenhäusern gearbeitet und dort zahlreiche ältere Kollegen, auch Chefärzte erlebt; zudem stehe ich in Kontakt zu einigen Krankenhäusern in meiner Umgebung. Ich kann die Erkenntnisse des Autors absolut nicht bestätigen und nachvollziehen.

Dr. med. Ludwig Krätzig, 86633 Neuburg

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