ArchivDeutsches Ärzteblatt PP4/2015Randnotiz: Kamelartige Fähigkeiten

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Randnotiz: Kamelartige Fähigkeiten

Klinkhammer, Gisela

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Angela Merkel hat von sich selbst einmal gesagt, sie habe kamelartige Fähigkeiten. Damit meinte sie, dass sie Schlaf tanken könne. Und diese Fähigkeit ist auch erforderlich, bei dem Mammutprogramm, das die Kanzlerin absolvieren muss. Sie reist um die halbe Welt und schläft kaum. Rekord waren da wohl vor kurzem die 17-stündigen Verhandlungen mit François Hollande, Wladimir Putin und Petro Poroschenko in Minsk.

Der Schlafforscher und Diplom-Psychologe Prof. Dr. rer. soc. Jürgen Zulley, Regensburg, bezeichnete es jetzt als mutig, dass sich Angela Merkel mit einem Kamel vergleicht. Dennoch hinke dieser Vergleich. „Man braucht eine gewisse Regelmäßigkeit, man braucht seine Auszeiten. Und den Begriff Vortanken finde ich falsch. Nach wenigen Tagen mit einer solchen Strategie braucht man eine längere Erholungspause“, sagte Zulley der Deutschen Presse-Agentur. Es gebe sicherlich Menschen, die 17 Stunden durcharbeiten könnten. „Ich glaube aber nicht, dass die Politiker bei dem Gipfel alle 17 Stunden voll dabei waren. Ich vermute mal, dass sie sich kurzfristig zurückziehen konnten und die Verhandlungen anderen überlassen haben. Ich nehme mal an, dass es dort auch ziemlich lebhaft zugeht, zumindest zeitweilig. Dadurch kann man besser mit der Müdigkeit umgehen.“

Zulley zufolge hat die Schlaflosigkeit der Politiker aber durchaus auch Vorteile: „Was eine große Rolle bei diesen langen Verhandlungen spielt, ist, dass mit der Zeit die Kompromissfähigkeit zunimmt. Je länger man verhandelt, desto eher ist man bereit, aufgrund des eigenen Befindens, der eigenen Müdigkeit zu sagen: Machen wir den Kompromiss. Ich glaube, das ist die gute Seite.“

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