ArchivDeutsches Ärzteblatt PP4/2015Ausbildung: Keine Garantie für die Zukunft
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Herr Singer will den Leser glauben machen, dass eine Unwahrheit nur oft genug wiederholt werden muss, damit sie zur Wahrheit wird. Seine Behauptungen, dass der Beschluss des 25. Deutschen Psychotherapeutentages (DPT) für eine sogenannte Direktausbildung Psychotherapie dazu diene, „eine qualitativ hochwertige Ausbildung auch in Zukunft“ zu garantieren, trifft bei Kenntnis aller Planungs- und Modellvorschläge nicht zu – das Gegenteil wird der Fall sein, insbesondere im Bereich der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie. Der Beschluss des 25. DPT wurde von einer Mehrheit der Erwachsenenpsychotherapeuten gefällt entgegen der Fachexpertise des Forschungsgutachtens und entgegen grundsätzlicher Einwände der psychoanalytischen Berufs- und Fachverbände (mit Ausnahme der VAKJP). Obwohl sich der mit dem Psychotherapeutengesetz 1999 als neuer Heilberuf geschaffene approbierte Beruf des Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten in den vergangenen 15 Jahren zu einem hoch qualifizierten und geschätzten Beruf entwickelt hat, meint Herr Singer „die bisher ungelösten Probleme der Ausbildung“ durch ein völlig verändertes Ausbildungssystem und damit Abschaffung des eigenständigen Heilberufs lösen zu können. Dass diese Position von einem Vorstand des Berufsverbandes der Analytischen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten vertreten wird, mutet an, als wenn der Vorstand der Eisenbahnergewerkschaft den Beruf des Lokführers abschaffen will zugunsten eines zukünftigen allgemeinen Schienenfahrzeugführers. Mit einem Studium der Psychotherapie-Wissenschaft (und anderes ist an den Universitäten gar nicht leistbar) ist die Erteilung einer Approbation (also Heilbehandlungserlaubnis) unverantwortlich, denn Psychotherapie ist eine lernbare Behandlungsmethode nur auf der Basis der Integration von Theorie, Selbsterfahrung, Praxis und Supervision. Diese praxisrelevante und patientenorientierte Kompetenz hat sich über Jahrzehnte im Bereich der hoch qualifizierten analytischen, tiefenpsychologisch fundierten und verhaltenstherapeutischen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie an den etablierten Ausbildungs-
instituten entwickelt. Die fachspezifische Kompetenz kann und wird sich in einer Weiterbildung nicht mehr aufrechterhalten lassen – den Schaden werden die künftig psychisch erkrankten Kinder und Jugendlichen haben.

Dipl.-Päd. Günther Molitor, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut, 14163 Berlin

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