ArchivDeutsches Ärzteblatt PP4/2015Trauer: Heilsamer Prozess
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Tod und Trauer werden nach wie vor weitgehend in unserer Gesellschaft tabuisiert, das führt zu Berührungsängsten und Abwehrreaktionen. Trauernde erleben neben dem Verlust eines geliebten Menschen, der gestorben ist, auch den Verlust von Freunden/-innen und Bekannten, die sich zurückziehen. Eine soziale Unterstützung fehlt. Darüber hinaus müssen sich Trauernde für ihr Erleben immer wieder rechtfertigen – eine zusätzliche Belastung. Deshalb brauchen Trauernde einen geschützten Raum, in dem sie sich gesehen und angenommen fühlen; das fördert selbstheilende Kräfte.

Der Umgang unserer Gesellschaft mit trauernden Menschen ist nicht „gesund“. Die Forderung, alleine zurechtzukommen, wird trauernden Menschen nicht gerecht. Neuere Trauerforschung ist bisher wenig bekannt – und gibt eine klare Orientierung für den Verlauf von Trauerprozessen und für eine konstruktive Begleitung. Aus meiner Sicht könnte eine hilfreiche Antwort auf eine Therapieanfrage lauten: Ich verstehe Ihren Unterstützungsbedarf, eine Psychotherapie ist nicht der stimmige Rahmen bei einer Trauer unter „normalen“ Bedingungen. Es gibt eine professionelle Trauerbegleitung – und eventuell die Weitergabe konkreter Kontaktdaten. Das bedeutet, die Trauer des Einzelnen zu würdigen, sich abzugrenzen und auf eine alternative Unterstützung hinzuweisen. Letztlich ist Trauer ein heilsamer Prozess, in dessen Verlauf sich Menschen neue Fähigkeiten und Möglichkeiten aneignen.

Dorothee Karle, Trauerbegleitung, 12161 Berlin

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