ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSSUPPLEMENT: PRAXiS 2/2015Geschlossene Alternative Investmentfonds: Schleppender Neustart für die „geschlossenen Fonds“

SUPPLEMENT: PRAXiS

Geschlossene Alternative Investmentfonds: Schleppender Neustart für die „geschlossenen Fonds“

Dtsch Arztebl 2015; 112(15): [24]

Fischer, Leo

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Die rechtlichen Rahmenbedingungen für Sachwertanlagen in Immobilien, Flugzeugen oder Windkraft- und Solarkraftwerken haben sich grundlegend geändert. Das fängt schon beim Namen an: Geschlossene Fonds heißen jetzt geschlossene Alternative Investmentfonds. Die Anleger sind noch skeptisch.

Foto: Fotolia/chungking
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Die nackten Zahlen sind desillusionierend für die Anbieter von Sachwertanlagen, die früher als geschlossene Fonds auf den Markt kamen. Seit dem Inkrafttreten des Kapitalanlagegesetzbuches (KAGB) am 22. Juli 2013 heißen sie geschlossene Alternative Investmentfonds (AIF). Hinter der Namensänderung verbirgt sich aber eine grundlegende Neugestaltung der rechtlichen Rahmenbedingungen für Sachwertanlagen in Immobilien, Flugzeugen oder Windkraft- und Solarkraftwerken. Lediglich 81 Millionen Euro flossen im letzten Jahr in solche AIF. „Da fehlt keine Null“, erklärte Eric Romba, der Geschäftsführer des Bundesverbandes Sachwerte und Investmentvermögen (bsi), der früher VGF (Verband für geschlossene Fonds) hieß. Dieser Hinweis scheint berechtigt, immerhin konnten die Emissionshäuser in den Hochzeiten der geschlossenen Fonds rund zwölf Milliarden Euro jährlich platzieren.

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Die Übergangsregelung

Die 81 Millionen Euro für 2014 berücksichtigen allerdings ausschließlich die nach neuem Recht ausgegebenen AIF. Tatsächlich wurde aber von der Branche nach ernst zu nehmenden Schätzungen rund eine Milliarde platziert. Es waren nämlich noch zahlreiche Fonds auf dem Markt, die unter die Übergangsregelung fielen. Da diese Übergangsreglung befristet war, wurden zunächst die Altfonds platziert, zumal sowohl bei den Emissionshäusern als auch bei dem Bundesamt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) noch monatelang Unsicherheit herrschte, wie die neuen Regeln anzuwenden seien. Dementsprechend knapp war das Angebot an neuen, nach KAGB konzipierten Produkten. Teilweise mussten die Initiatoren sechs bis neun Monate warten, ehe sie die Vertriebsgenehmigung für ihre neuen Fonds erhielten und an den Markt gehen konnten. Vor allem so erklärt es sich, dass weniger als zehn neue Fonds nach dem KAGB-Recht emittiert wurden und dass der Absatz auf ein historisches Tief fiel.

Mit einer schnellen Erholung des Absatzes ist dennoch nicht zu rechnen, das Jahr 2015 wird auch im Zeichen der Konsolidierung stehen. Denn von den früher mehr als 300 Initiatoren werden wohl maximal 50 bis 60 übrig bleiben, die geschlossene AIF konzipieren und vertreiben. Auch viele Vermittler, die die Fonds an die Endkunden bringen, haben sich wegen der strengen Regulierung und der schwierigen Verkaufsbedingungen vom Markt zurückgezogen. Ein Grund ist sicherlich auch, dass geschlossene Fonds bei den Anlegern einen schlechten Ruf haben. Vor allem im Bereich Schiffe ist es zu zahlreichen Insolvenzen gekommen, die es den Vermittlern heute sehr schwer machen, Anleger von geschlossenen AIF zu überzeugen. Allerdings viele Missstände der Vergangenheit wurden durch die Regulierung beseitigt. Es gibt sogar Firmen, wie die Patrizia AG, die erst jetzt das Geschäft mit geschlossenen AIF beginnen, weil die Produkte jetzt reguliert sind und sich mit Investmentfonds, was die Sicherheit anbelangt, vergleichen lassen.

Gewiss hat es viele Flops unter den geschlossenen Fonds gegeben, aber viele Fonds haben auch Erfolgsgeschichten geschrieben. Efonds24 betreibt eine umfangreiche Datenbank zu geschlossenen Fonds, und hier sind aktuell 636 geschlossene Fonds erfasst, die in den letzten 20 Jahren aufgelegt wurden und bis heute den Anlegern mehr als den Einsatz zurückgebracht haben.

Die Flops sollten nicht bagatellisiert werden, sie sind auch darauf zurückzuführen, dass die Emissionshäuser bei ihren Erwartungen zu optimistisch waren. Das hat sich geändert. Bei den neuen Fonds sind die Prognosen deutlich zurückhaltender. Auch bei sehr vorsichtiger Prognose lässt sich sagen, dass Sachwertanlagen wie Immobilien, Flugzeuge und New Energy in der Phase extrem niedriger Zinsen mehr denn je ihre Existenzberechtigung haben. Immerhin prognostizieren Immobilien AIF bei sehr vorsichtiger Kalkulation jährliche Ausschüttungen von vier bis fünf Prozent. Früher waren es oft sechs und mehr Prozent, aber die waren, wie sich später zeigte, zu optimistisch. Eine Folge der strengeren Regeln scheint zu sein, dass heutzutage vorsichtiger kalkuliert wird. Im aktuellen Niedrigzinsumfeld können geschlossene AIF trotzdem attraktiv sein.

Mehr Absatz ab 2016

Dies gilt vor allem für die 2014 angebotenen Pflegeimmobilien, die im Vergleich zu den Büroimmobilien immer ein Nischendasein führten, aber 2014 durchaus für Furore sorgten. So konnten die beiden Spezialisten auf diesem Gebiet, INP und Immac, ihre Pflegeimmobilienfonds schnell platzieren. Diese konnten glaubwürdig 5,5 Prozent bis sechs Prozent jährliche Ausschüttung prognostizieren. Denn beide Unternehmen haben auch in der Vergangenheit ihre Ausschüttungsprognosen voll erfüllen können. Beide Initiatoren haben auch für das laufende Jahr wieder Pflegeimmobilienfonds für Privatanleger angekündigt.

Neu war 2014, dass sich institutionelle Anleger den geschlossenen AIF als Investitionsobjekt zuwandten. Gerade die Versicherungen sind im Niedrigzinsumfeld auf der Suche nach attraktiven Alternativen zu Festzinsanlagen. Oft haben die Initiatoren auch Immobilienobjekte in Spezialfonds investiert, weil die Genehmigungen kurzfristig zu bekommen waren und die Fonds schneller platziert werden konnten. Aber im laufenden Jahr wollen die Emissionshäuser wieder verstärkt Fonds für Privatanleger auflegen, der eigentlichen Zielgruppe der geschlossenen Fonds. Für das laufende Jahr ist mit einem wieder umfangreicheren Geschäft mit Privatanlegern zu rechnen. Aber auch 2015 dürfte ein Jahr des Übergangs sein, bevor es im nächsten Jahr zu einer spürbaren Belebung des Absatzes kommen wird. Dr. Leo Fischer

Mit einer schnellen Erholung des Absatzes ist dennoch nicht zu rechnen,
das Jahr 2015 wird auch im Zeichen der Konsolidierung stehen.

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mikesta
am Freitag, 23. Oktober 2015, 11:01

Es kommt auf die Qualität des Managements an

Der Artikel trifft den Nagel auf den Kopf und zu recht werden hier IMMAC und INP im Segment der Pflegeimmobilienfonds genannt. Aber auch Immobilien, Flugzeuge und alternative Energien können attraktive Investments sein, ein Bekannter der sich damit auskennt meinte dass das die Regulierung tatsächlich die Anleger schützt. Wer "auf der sicheren Seite" sein will, der muss einfach auf darauf achten bei welchem Anbieter man einen geschlossenen Fonds kaufen kann, wenn das dahinterstehende Management sein Handwerk versteht, ist das Risiko vergleichsweise gering. Ein Jamestown Immobilienfonds beispielsweise hat dank seines Managements Renditen im 2-stelligen Bereich erzielt.
Also auf die erfahrenen Anbieter setzen die einen positiven Tracking-Record vorweisen können und ihren guten Ruf nicht verlieren wollen. Hier findet man tatsächlich ein Vermittlungsservice der die Spreu vom Weizen trennt: http://www.hansetrust.de
Wenn man sich die Volatilität an den Aktienmärkten anschaut und am Beispiel von VW sieht was mit dem Geld von einen auf den anderen Tag passieren kann, und auf der anderen Seite hat man das enorme Niedrigzinsniveau, da kann ein geschlossener Fonds schon eine sinnvolle Investition sein. Ich würde allerdings nicht ausschließlich darauf setzen sondern diese nutzen um zu diversifizieren und das Risiko allgemein zu streuen.

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