SCHLUSSPUNKT

Schach: Parkinson in Schach halten

Dtsch Arztebl 2015; 112(16): [60]

Pfleger, Helmut

Foto: Dagobert Kohlmeyer
Foto: Dagobert Kohlmeyer

So lautet eine Kapitelüberschrift in Dr. med. Helmut Schröders Buch im TRIAS-Verlag Leben mit Parkinson mit dem Untertitel Achterbahn für Fortgeschrittene. Bei der Überschriftsmetapher zielt er allerdings nicht auf geschickte Schachzüge hin, mit denen sich die Krankheit aufhalten ließe, sondern erklärt leicht verständlich, für Ärzte und Laien gleichermaßen, die Wirkmechanismen der verschiedenen Medikamente. Dies gelingt ihm auch deswegen überzeugend, weil er, als Psychiater und Psychotherapeut, mit 49 Jahren selbst an Parkinson erkrankte und sich plötzlich auf der „falschen Seite“ wiederfand. In offenherzigen Schilderungen schildert er seine „Patientennöte“ mit Panikattacken und teils schweren „Off-Zuständen“, die seit 17 Jahren sein Leben beeinträchtigen, aber in ihrer Annahme und der Eröffnung neuer Möglichkeiten auch bereichern können – so entdeckte er bei einem Kranken­haus­auf­enthalt die Malerei für sich, was er sich früher nie hätte vorstellen können – und nicht zuletzt die ohnehin stets enge Beziehung zu seiner Frau sogar noch festigten. Seine Frau Tamara kommt auch immer wieder zu Wort, um aus ihrer Sicht die vielen alltäglichen Probleme zu schildern, die sie, ihn und sie beide zusammen, des öfteren an die Grenze der Belastbarkeit brachten. Das Buch ist alles andere als eine medizinische Fachsimpelei, sondern auch voller praktischer Ratschläge für Parkinsonpatienten, wie zum Beispiel nie ohne Handy aus dem Haus zu gehen, um sich beim Herannahen eines Offs noch rechtzeitig bemerkbar machen zu können.

Viele Jahre nahm Dr. Schröder auch am deutschen Ärzteschachturnier teil, immer begleitet von seiner Frau. Er schreibt mir: „Nach der Anlage einer tiefen Hirnstimulation geht es mir gottlob viel besser und ich bin seit einem halben Jahr wieder völlig selbstständig. In den letzten Jahren konnte ich nicht mehr an den Schachturnieren teilnehmen. Aber, welche große Freude für mich, in diesem Jahr bin ich in Bad Neuenahr wieder dabei!!“

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Geben wir das letzte (Schach-)Wort Frau Tamara: „Helmut und ich spielen sehr gern und fast täglich Schach … An warmen Abenden spielen wir auf unserem Balkon und genießen dabei die warme Sommerluft und das Zwitschern der Vögel. Das ist die reinste Idylle.“

Genießen Sie jetzt bitte die herrliche Mattkombination, die ihr in einer freien Partie beim Ärzteschachturnier vor 15 Jahren gegen ihren Mann gelang und die ich damals schon im Deutschen Ärzteblatt brachte. Als Weiße hatte sie schon einen potenziellen „Sargnagel“ auf g6 in die Königsstellung ihres Gatten getrieben; dieser hoffte jedoch, mit seinem Turmangriff auf die weiße Dame noch mit heiler Haut davonzukommen – so folgt auf 1.Dh2 (mit der Mattdrohung auf h8) einfach 1...Dxg6, und besagter Sargnagel ist futsch. Wie setzte Frau Schröder dennoch in wenigen Zügen matt?

Lösung:

Das Turmopfer 1. Th8+! gewann das entscheidende Tempo, um die Dame in Stellung gegen den schwarzen König zu bringen. Auf die erzwungene Opferannahme durch 1. . . . Kxh8 folgte 2. Dh2+ Kg8 3. Dh7 matt.

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