ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2015Hodgkin-Lymphome: Fusionsprotein verlängert progressionsfreies Überleben

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Hodgkin-Lymphome: Fusionsprotein verlängert progressionsfreies Überleben

Siegmund-Schultze, Nicola

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Die Inzidenz des Hodgkin-Lymphoms hat einen Peak im jungen Erwachsenenalter. Bei 15–30 % der Patienten lässt sich keine anhaltende Remission erzielen. Eine Induktionstherapie, gefolgt von Hochdosischemotherapie und autologer Stammzelltransplantation, ist Standard im ersten Rezidiv. Die Chemotherapie weiter zu intensivieren, gilt als wenig sinnvoll.

Kaplan-Meier-Kurven für das progressionsfreie Überleben von Patienten mit Hodgkin- Lymphom mit und ohne Konsolidierungstherapie (Brentuximab Vedotin)
Grafik
Kaplan-Meier-Kurven für das progressionsfreie Überleben von Patienten mit Hodgkin- Lymphom mit und ohne Konsolidierungstherapie (Brentuximab Vedotin)

Zu den innovativen medikamentösen Therapien gehört das Antikörper-Zytostatikum-Konjugat Brentuximab Vedotin: Es bindet an CD30, vor allem auf Hodgkin- und Sternberg-Reed-Zellen. In der AETHERA-Studie wurde Brentuximab als Konsolidierungstherapie geprüft. An der Studie nahmen an 87 Behandlungszentren in den USA und Europa 329 Patienten teil. Voraussetzung für die Teilnahme war ein hohes Risiko für ein Rezidiv oder eine Progression der Erkrankung nach autologer Stammzelltransplantation. 165 Patienten (median 33 Jahre alt) erhielten alle 3 Wochen Brentuximab (1,8 mg/kg KG i. v. für 16 Zyklen), beginnend 30–45 Tage nach Stammzelltransplantation, 164 Patienten (median 32 Jahre alt) bekamen Placebo. Primärer Endpunkt war das progressionsfreie Überleben (PFS), beurteilt durch unabhängige Untersucher.

Nach median 30 Monaten betrug die Hazard Ratio für einen Progress in der Verumgruppe in Relation zu Placebo 0,57 (95-%-Konfidenzintervall: 0,40–0,81; p = 0,0013). Unter Brentuximab betrug das mediane PFS 42,9 Monate, unter Placebo 24,1 Monate. Zu den Nebenwirkungen gehörten periphere sensorische Neuropathien (Verum vs. Placebo: 56 vs. 16 %), Neutropenie (35 vs. 12 %) und periphere motorische Neuropathien (23 vs. 2 %). Im Allgemeinen sei Brentuximab aber gut verträglich, so die Autoren.

Fazit: „Eine früh auf eine autologe Stammzelltransplantation folgende Konsolidierung mit Brentuximab verlängert bei Hodgkin-Lymphom das progressionsfreie Überleben signifikant und verbessert die Chance auf Heilung, so die Studiengruppe. Eine Konsolidierungstherapie nach autologer Stammzelltransplantation ist eine neue vielversprechende Form der Behandlung beim klassischen Hodgkin-Lymphom“, kommentiert Prof. Dr. med. Andreas Engert von der Universitätsklinik Köln, Leiter der German Hodgkin Study Group. „Aber Risikofaktoren und Risikograd als Voraussetzung für die Anwendung sollten gut evaluiert sein.“ Die in der AETHERA-Studie zum Beispiel angewandte Diagnose einer extranodalen Erkrankung als Kriterium für ein erhöhtes Progressionsrisiko habe auch bei Experten eine Fehlerquote von 50 %. Es gelte, die für eine Konsolidierungstherapie infrage kommenden Patienten besser zu definieren.

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

Moskowitz CH, Nademanee A, Masszi T, et al.: Brentuximab vedotin as consolidation therapy after autologous stem-cell transplantation in patients with Hodgkin’s lymphoma at risk of relapse or progression (AETHERA): a randomised, doube-blind, placebo-controlled phase 3 trial. Lancet 2015; http://dx.doi.org/10.1016/
S0140-6736(15)60165-9.

Kaplan-Meier-Kurven für das progressionsfreie Überleben von Patienten mit Hodgkin- Lymphom mit und ohne Konsolidierungstherapie (Brentuximab Vedotin)
Grafik
Kaplan-Meier-Kurven für das progressionsfreie Überleben von Patienten mit Hodgkin- Lymphom mit und ohne Konsolidierungstherapie (Brentuximab Vedotin)

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Themen:

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote