ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2015Börsebius: Das Risiko wohnt mit

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Börsebius: Das Risiko wohnt mit

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Etliche Finanzvermittler und Geldberater halten für Leute, die sich derzeit in einem Anlagenotstand befinden (und wer ist das nicht in der aktuellen Zinslage), ein neues Spielzeug parat. Wer will, kann sich ein einzelnes Zimmer in einem bestehenden oder neu zu errichtenden Pflegeheim kaufen. Die rechtliche Grundlage dafür ist zunächst das Wohnungseigentumsgesetz (WEG). Das ermöglicht, ein ganzes Pflegeheim in mehrere kleine Einheiten aufzuteilen und diese dann gestückelt zu verscherbeln.

Dabei soll die Rendite nicht auf der Strecke bleiben. Manche Anbieter lassen es dabei richtig krachen. Anleger können sich auf ein „risikoarmes, wertbeständiges und investorenfreundliches Rundum-sorglos-Paket“ freuen, heißt es auf einem Portal und bei der Konkurrenz wird gedröhnt, dass der Wert der Kapitalanlage „mit großer Sicherheit“ steige. Vier bis 5,5 Prozent seien allemal drin und das wäre mehr als mit Wohnungen in Großstädten zu erzielen sei. Na ja, wenn es stimmte, wäre es durchaus attraktiv.

Es muss aber schon klar sein, dass solche mehrfach geteilten Objekte vermutlich nicht aus den besten Lagen kommen. Die teilen nämlich die Großen der Branche, Versicherungen und Pensionskassen, unter sich auf und überlassen nur weniger interessante Randlagen anderen Anbietern. Die Krux bei vielen einzelnen Pflegeapartments ist erst recht, dass das Gesamtobjekt nur als gesamte Betreiberimmobilie vermarktet werden kann und die Abstimmung zwischen Einzelapartments und dem Pflegemanagement sehr teuer werden kann.

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Und was ist, wenn ein Heim wegen Pflegemängeln geschlossen wird? Dann wird auch sehr schnell klar, dass die oftmals zu lesende Werbeaussage, die Miete wäre staatlich garantiert, nur eine leere Phrase ist. Natürlich springen Sozialkassen ein, wenn der Bewohner die Kosten nicht mehr tragen kann, aber das schützt weder vor einer drohenden Schließung bei Mängeln noch vor einer Pleite, wenn die Einheiten schlicht nicht rentabel sind.

Wer erinnert sich nicht mit Grausen an die Zeit der Bauherrenmodelle, als den Leuten Schrottimmobilien angedreht wurden, die sich am Ende nur in wunderbaren Hochglanzprospekten in blühenden Landschaften befanden. Am Ende blieben die ehemals stolzen Eigentümer aber auf ihrer Brache sitzen und sahen keineswegs die versprochenen Traumrenditen. Der Fiskus piesackte die armen Steuersparer obendrein mit garstigen Rückforderungen. Einer Reihe von Pflegeapartments droht ein ähnliches Schicksal. Drum prüfe, wer so lang sich bindet.

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