ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2015White Paper „Selbstdatenschutz“: Staat muss seinen Schutzpflichten nachkommen

MEDIEN

White Paper „Selbstdatenschutz“: Staat muss seinen Schutzpflichten nachkommen

Krüger-Brand, Heike E.

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Der vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) koordinierte Forschungsverbund „Forum Privatheit und selbstbestimmtes Leben in der digitalen Welt“ (https://www.forum-privatheit.de) hat das White Paper zum Selbstdatenschutz in zweiter Auflage veröffentlicht (siehe auf der Website unter Texte, Themenpapiere). Darin werden die gesellschaftlichen, rechtlichen und technischen Rahmenbedingungen des Selbstdatenschutzes analysiert. Darüber hinaus erläutern die Autoren, welche allgemeinen Schutzmaßnahmen es gibt, wie etwa die Verschlüsselung von Daten, E-Mails und Kurznachrichten, die Nutzung von Anti-Tracking-Verfahren und Anonymisierungstools sowie die Verwendung gängiger Verschlüsselungsprotokolle.

Foto: iStockphoto
Foto: iStockphoto

Bis heute dominiere die Vorstellung, dass es vor allem in der persönlichen Verantwortung des mündigen Bürgers liege, für den Schutz seiner persönlichen Daten und seiner Privatsphäre zu sorgen, stellen die Autoren fest. Die gängigen Verfahren und technischen Werkzeuge hierfür würden allerdings bis heute kaum genutzt.

Anzeige

Die Gründe hierfür sind den Autoren zufolge vielfältig: Auf den digitalen Märkten gebe es einen erheblichen Unterschied zwischen den Kenntnissen und Fähigkeiten der Bürger auf der einen und denen der Geheimdienste und Unternehmen auf der anderen Seite. Dies führe dazu, dass Datensammlungen und Überwachung für die meisten Bürger in der Regel kaum erkennbar seien und auch deshalb systematisch unterschätzt würden. Auch setze ein umfassender Selbstschutz zu viele spezielle Kenntnisse voraus, über die die meisten Computernutzer nicht verfügten.

Vor dem Hintergrund der fortschreitenden Digitalisierung und dem Wirken der Geheimdienste müssten die Bürger daher umfassend über Möglichkeiten und Grenzen des Selbstschutzes informiert und die Nutzbarkeit und Leistungsfähigkeit der Werkzeuge verbessert werden.

Gleichzeitig hebt das White Paper hervor, dass die Verlagerung staatlicher Schutzpflichten auf das Individuum der gesellschaftlichen Bedeutung des Grundrechts auf informationelle Selbstbestimmung nicht gerecht werden kann. Informationelle Privatheit sei keine Frage individueller Vorlieben, sondern wichtig für ein freiheitlich-demokratisches Gemeinwesen. Deshalb müsse der Staat wieder stärker seinem in der Verfassung verankerten Auftrag, die Bevölkerung vor unverhältnismäßiger Überwachung zu schützen, nachkommen, fordern die Autoren. KBr

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Deutsches Ärzteblatt plus
zum Thema

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote