ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2015Altersabhängige Makuladegeneration: Nutzen der Antioxidantien vom Genotyp abhängig

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Altersabhängige Makuladegeneration: Nutzen der Antioxidantien vom Genotyp abhängig

Gerste, Ronald D.

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Die altersabhängige Makuladegeneration (AMD) ist die häufigste Ursache für Erblindung und hochgradigen Sehverlust im Seniorenalter, die trockene (atrophische) Variante ist im Gegensatz zu der selteneren feuchten (exsudativen, neovaskulären) Form mit heutigen Mitteln nicht therapierbar. Um die Progression aufzuhalten, wird unter anderem die Zufuhr von Antioxidantien versucht – die am intensivsten getestete Mischung AREDS besteht aus einer Kombination von Beta-Karotin, Vitamin C und E sowie Zink. Unter dieser Substitution konnte über 5 Jahre die Progression von einem mittelgradigen zu einem fortgeschrittenen Befund der AMD um 25 % reduziert werden.

Wie ein Studienteam aus Nashville (Tennessee) und Kanada nun darlegt, ist dieser positive Effekt der Antioxidantien individuell unterschiedlich und hängt vom Genotyp des Patienten ab. Eine entscheidende Rolle kommt dem Vorliegen von zwei Risikoallelen, CFH (Komplementfaktor H) und ARMS2 (age-related maculopathy sensitivity 2), zu. Diese Allele können in 9 Kombinationen auftreten, 4 sind bei AMD-Patienten häufig genug nachweisbar, um statistisch „gepowerte“ Aussagen machen zu können. Bei der Untersuchung von 989 Patienten mit fortgeschrittener AMD, die entweder Placebo, Antioxidantien (AF = AREDS formulation), Zink oder eine Kombination von AF und Zink erhielten, zeigte sich, dass vor allem die Patienten mit geringem CFH- und hohem ARMS2-Risiko (35 % der Studienpopulation) sowohl von der antioxidativen Mischung wie von Zink profitieren. Das relative Progressionsrisiko im Vergleich zu Placebo betrug für diese Patienten unter AF- 0,56 und unter Zink-Supplementierung 0,51. Während sich der Befund bei 43,3 % der Patienten mit diesem genetischen Profil verschlechterte, waren es unter AF nur 27,3 %. Für Patienten mit hohem CFH-Risiko und ohne ARMS2-Allel war Zink eher schädlich. Die Gruppe mit hohem CFH- und ARMS2-Risiko hatte keinerlei Nutzen von der Substitution. Die Kosten und potenziellen Risiken – Beta-Karotin z. B. kann bei Rauchern das Lungenkrebsrisiko erhöhen – ließen sich vermeiden.

Fazit: Die AREDS-Supplementation kann nach Einschätzung von Carl Awh zu „dramatisch unterschiedlichen Reaktionen“ bei spezifischen Genotypgruppen unter an AMD leidenden Populationen führen. Es mache Sinn, je nach Genotyp (so dieser bekannt ist) nicht nur auf eine Empfehlung zu verzichten, sondern Patienten mit 2 CFH und 0 ARMS regelrecht vor der Antioxidantienaufnahme zu warnen.

Dr. med. Ronald D. Gerste

Awh CC, et al.: Treatment response to antioxidants and zinc based on CFH and ARMS2 genetic risk allele number in the age-related eye disease study. Ophthalmology 2015; 122: 162–9.

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