ArchivDeutsches Ärzteblatt22/1996Anthroposophie: Qualität der Religionskriege

SPEKTRUM: Leserbriefe

Anthroposophie: Qualität der Religionskriege

Lunau, Georg; Lunau, Barbara

Zu dem Beitrag "Anthroposophie und Naturwissenschaft: Die Mistel im Spagat" von Prof. Dr. rer. nat. Hans-Joachim Gabius und Dr. med. Sigrun Gabius in Heft 13/1996
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LNSLNSLNSLNS . . . Was im Kommentar als "wissenschaftliche Grundsätze", "gängige Kriterien der wissenschaftlichen Forschung" und "rationale Gesichtspunkte" so eingängig benannt ist, hat seine Macht und Wirkung durch Ausgrenzung all der Bereiche des Daseins erlangt, die dieser Denkart nicht gemäß sind. "Naturwissenschaft", wie sie heute üblich ist, kann somit auch nichts anderes sein als eben eine mögliche Art der Weltanschauung.
Bei einer redlichen Umgangsweise müßte die prinzipielle Achtung des andersgearteten Denkansatzes Priorität haben. Der Kommentar gibt deutlich den Alleinvertretungsanspruch der gängigen wissenschaftlichen Forschung wieder. Dieses wäre nicht weiter bemerkenswert, wenn nicht weitgehende Eingriffe in die Autonomie eines anderen Denkansatzes daraus resultierten. Wenn der Weg vom Umgang mit dem Gesamtextrakt der Mistel zur Beherrschung der Einzelkomponenten begrüßt und die Unumkehrbarkeit dieses Weges betont wird, so zeigt es die Freude darüber, daß man eben schon immer so gedacht und recht behalten hat. Wenn man jetzt aber den Kerninhalt des anthroposophisch-medizinischen Forschungsansatzes damit gleich eliminieren will und diskreditiert, dann ist es unredlich und falsch.
Dies hat die Qualität der Religionskriege, wo man aus der Überzeugung, den einzig rechten Weg zu Gott gefunden zu haben, das Recht ableitet, Andersdenkende totzuschlagen.
Die Wissenschaftspluralität im Arzneimittelgesetz ist gewollt. Drum: Die "naturwissenschaftliche Forschung" möge die Mistel zergliedern. Laßt den Anthroposophen das Ganze der Mistelpflanze! Gebt Gedankenfreiheit!
Georg Lunau, Dr. med. Barbara Lunau, Grindelhof 77, 20146 Hamburg
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