ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2015Extremkostenbericht: Unikliniken sind unterbezahlt

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Extremkostenbericht: Unikliniken sind unterbezahlt

Dtsch Arztebl 2015; 112(17): A-757 / B-639 / C-619

Osterloh, Falk

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Erstmals wurde untersucht, ob im DRG-System besonders teure Leistungen im Krankenhaus ausreichend finanziert werden. Ergebnis: Nein. Doch nicht die hochspezialisierten Leistungen sind betroffen.

Foto: Fotolia/Sudok
Foto: Fotolia/Sudok

Seit Jahren weisen insbesondere die Universitätskliniken darauf hin, dass sie für besonders aufwendige Leistungen zu wenig Geld aus dem DRG-System erhalten. Vor zwei Jahren hat die schwarz-gelbe Koalition deshalb das Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK) damit beauftragt, die Ursachen für die sogenannten Kostenausreißer zu analysieren. Ende März nun hat das InEK seinen ersten Extremkostenbericht vorgelegt. Das Ergebnis: „In den großen Krankenhäusern gibt es eine sehr starke Unterdeckung bei den Regelleistungen“, erklärte der Geschäftsführer des InEK, Dr. med. Frank Heimig, auf dem 14. Nationalen DRG-Forum in Berlin. Konkret gebe es bei allgemeinen Versorgungsleistungen in Unikliniken und bei Maximalversorgern eine Unterdeckung von –8,3 Prozent, wohingegen diese Leistungen in anderen Krankenhäusern mit einer Unterdeckung von –0,1 Prozent praktisch ausfinanziert seien.

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„Ein erstaunliches Ergebnis“

Bei den spezialisierten Leistungen gibt es in den großen Häusern hingegen eine Überdeckung der Fallpauschalen in Höhe von +2,3 Prozent. Bei den kleineren Krankenhäusern liegt die Überdeckung sogar bei +14 Prozent. Dieses Ergebnis sei deshalb erstaunlich, resümierte Heimig, weil das Problem gar nicht, wie angenommen, im hochspezialisierten Bereich liege, sondern bei den Regel- und Standardleistungen.

Für den Extremkostenbericht hat das InEK allgemeine und spezielle Versorgungsleistungen definiert. Erstere repräsentieren die 20 fallzahlstärksten DRGs in Deutschland sowie DRGs, die in mindestens 80 Prozent der deutschen Krankenhäuser erbracht werden – das sind insgesamt 47 der 1 149 analysierten Fallpauschalen. Die speziellen Versorgungsleistungen umfassen 178 häufig in Universitätskliniken und von Maximalversorgern erbrachte Leistungen. Zudem hat das InEK die Krankenhäuser in zwei Gruppen unterteilt: 17 Universitätskliniken und Maximalversorger sowie 230 andere Krankenhäuser.

„Die Ursachen für die Kostenüber- und -unterdeckungen sind vielfältig und lassen sich nicht auf einfache Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge reduzieren“, heißt es in dem Extremkostenbericht. Zudem seien Kostenunter- beziehungsweise -überdeckungen durch Ausreißer auf DRG-Ebene und auf Hausebene stark unterschiedlich zwischen den Krankenhäusern verteilt. So gebe die Bettenzahl oder die Versorgungsstufe allein keinen eindeutigen Hinweis auf die zu erwartende Belastung mit Kostenausreißern. Im Durchschnitt zeige in jedem Fall die Gruppe der Universitätskliniken und Maximalversorger eine signifikant erhöhte Belastung durch Kostenausreißer.

In absoluten Zahlen habe die Unterdeckung, allgemeine und spezielle Leistungen zusammengenommen, im Jahr 2013 bei minus 34 Millionen Euro gelegen, erklärte Heimig. Bis 2015 sei dieser Wert auf minus 30 Millionen Euro gesunken. Insofern habe die neue DRG-Klassifikation 2015 bereits zu einer besseren Abbildung der Extremkostenfälle geführt. Heimig ist zuversichtlich, dass der Extremkostenbericht die Weiterentwicklung des Systems deutlich voranbringen wird.

Pauschale Zuschläge

Auch der Verband der Universitätsklinika Deutschlands (VUD) ist mit dem Ergebnis des Extremkostenberichts zufrieden. Denn dieser bestätige, „dass Uniklinika besonders von Extremkostenfällen betroffen sind“. Änderungen im Fallpauschalen-Katalog seien ein denkbarer Weg, um dem Problem zu begegnen, befand VUD-Generalsekretär Ralf Heyder. „Sollte eine Lösung alleine über den Katalog nicht gelingen, dann dürfen pauschale Extremkostenzuschläge als Belastungsausgleich kein Tabu sein.“

Künftig wird das InEK einmal pro Jahr einen Extremkostenbericht veröffentlichen.

Falk Osterloh

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