ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2015Krankenhaushygiene: Unkontrollierte Gabe von Antibiotika abstellen

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Krankenhaushygiene: Unkontrollierte Gabe von Antibiotika abstellen

Dtsch Arztebl 2015; 112(17): A-785

Bayer, Karlheinz

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Nahezu die Hälfte der Belegschaft eines hiesigen Altersheims klagt über Interdigitalmykosen und einige über Nagelbettentzündungen mit Staphylococcus aureus.

Das „Verhaltensproblem“, wie es Karl-Josef Laumann unterstellt, wenn man sich der Aktion „Saubere Hände“ verweigert, hat sich als einzig dauerhafte Therapie bei diesen Patienten erwiesen. Sprich, keine Handdesinfektion und weitgehender Verzicht auf Seifewaschungen. Die Angst vor multiresistenten Erregern mag man mit der Aktion „Saubere Hände“ vielleicht noch kleinreden können, die multiresistenten Erreger jedoch wird der Aktionismus eher fördern.

Häufiges Waschen der Hände und die andauernde Nutzung von Desinfektionslösungen sind ungeeignet, Problemkeime zu vernichten, aber sie reduzieren die protektive Hautflora auf ein geradezu pathologisches Niveau, was alle operativ tätigen Kollegen im Laufe ihres Berufslebens wissen. Und auf einer Haut, die kaum abwehrgeeignete Keime hat, siedeln sich ganz natürlich auch schmarotzende Parasiten an. Es hilft nur eines: Die unnötige, unkontrollierte und nicht fachmännische Anwendung von Antibiotika abstellen. „Sicherheitshalber“ solle nach Entfernung eines Katheters für zwei Tage ein Antibiotikum gegeben werden, steht in einem Krankenhausentlassbrief und in einem anderen, dass man „versuchsweise“ bei einem Ileitispatienten ein Antibiotikum probieren könnte – zwei Beispiele von vielen.

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Dr. med. Karlheinz Bayer, 77740 Bad Peterstal

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klausenwächter
am Freitag, 24. April 2015, 10:43

Im schwarzen Talar operieren

"Häufiges Waschen der Hände und die andauernde Nutzung von Desinfektionslösungen sind ungeeignet, Problemkeime zu vernichten, aber sie reduzieren die protektive Hautflora ..." - Man kann auch in die Ära von Friedrich von Esmarch zurückkehren und im schwarzen Talar operieren. Ich habe noch Chirurgen kennengelernt, die es als ihr Vorrecht ansahen sich mit Schlips einzuschleusen. - Ich glaube kaum, daß der Autor älter ist als ich.

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