ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2015Randnotiz: Keine Vorschriften

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Randnotiz: Keine Vorschriften

Dtsch Arztebl 2015; 112(17): A-753

Gerst, Thomas

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Da schrillten bei einigen Lesern des Deutschen Ärzteblattes (DÄ) sogleich die Alarmglocken. Mit Verweis darauf, dass es keinen verbindlichen Verhaltenskodex gebe, der die medizinische Versorgung enger Angehöriger regele, waren sie im DÄ gebeten worden, der Redaktion ihre Meinung zu diesem Thema mitzuteilen.

Ob die Redaktion nichts Besseres zu tun habe, als sich mit diesem Thema zu befassen, fragte ein Leser. Aufgrund ihrer langjährigen Aus-, Weiter- und Fortbildung seien Ärzte doch wohl in der Lage, sich individuell und fallweise mit der Angelegenheit auseinanderzusetzen. Ein anderer mutmaßte, das DÄ favorisiere eine Regelung, die Ärzten untersagen würde, die eigenen Familienmitglieder zu operieren. Ein weiterer Leser empfand schon allein die Behandlung des Themas als unangebracht und sah die ärztliche Kompetenz und Therapiefreiheit in Gefahr.

Viele Zuschriften zeigten jedoch, dass es für Ärzte oft gar nicht so einfach ist, die Behandlung der Familie gerade bei schweren und chronischen Erkrankungen selbst durchzuführen. Über die Versorgung von Bagatellerkrankungen waren sie allmählich in Situationen hineingerutscht, die nicht mehr ohne weiteres zu handhaben waren und sie vor schwierige Entscheidungen und Rollenkonflikte stellten. Der Beitrag „Wenn die Familie Patient ist“ in diesem Heft (Seite A-768) will keine bindende Kodifizierung, sondern den Ärzten die Gelegenheit geben, ihr eigenes Handeln zu überprüfen, bevor sie an einem Punkt angelangt sind, an dem es ohnehin zu spät ist. Frühzeitig auf mögliche Fallstricke aufmerksam zu machen, sollte als Hilfestellung, nicht als Reglementierung aufgefasst werden.

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