ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2015Medizinstudium: Unverhohlen
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. . . Auch wenn der Autor seinen Kommentar mit zahlreichen befürwortenden Sätzen garniert hat, liest man zwischen den Zeilen sehr klar, wie sehr er Reform- und Modulstudiengänge in der Medizin in der Sache ablehnt.

Unwissenschaftlich sei es, wie da gelernt werde, so meint man heraushören zu können, man lasse die Studierenden im Stich, die die Naturwissenschaften nicht sicher beherrschen.

Köhling hat recht, dass viele klinische Zusammenhänge sich nicht erschließen, wenn man die Natur und die Wissenschaft dahinter nicht verstanden hat. Aber faktisch haben es die Grundlagenwissenschaften, für die er so engagiert Partei ergreift, in mehreren Jahrzehnten konventionellen Medizinstudiums weitestgehend versäumt, ein modernes und dem Arztberuf angemessenes Curriculum zu entwickeln und als Standard zu etablieren. Am Ende sind es die Modellstudiengänge, die die eingefahrenen und überholten Lehrpläne nun bedrängen und eine andere Art Absolvent auf den Markt bringen: Vielleicht weniger strukturiert, aber sicherer in der Sache, näher am Menschen als an den Leitwerken. Und am Ende gehen eben deutlich mehr Absolventen in die Krankenversorgung und nicht in die Wissenschaft . . .

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Im letzten Absatz seines Textes fordert Köhling dann recht unverhohlen die Rückkehr zur klassischen Trennung von Klinik und Vorklinik – wahrscheinlich auch, damit sein Fach wieder die Dominanz bekommt, welche ihm in den Modellstudiengängen abhanden zu kommen drohte. Und mit dem Totschlagargument der fehlenden Wissenschaftlichkeit lassen sich bei Politik und Bildungselite Punkte machen . . .

Dabei wäre es jetzt die Chance gerade für die Physiologie, aus der Rolle des Getriebenen hinaus in die Rolle des Vorreiters zu gehen und noch ganz andere Barrieren aufzubrechen. Denn eskalierende Curri-cula und Modellstudiengänge sind eine kaum vorstellbare Herausforderung und Arbeitsleistung. Köhlings Fach hat das Potenzial, in dieser Entwicklung aktiv zu gestalten und damit mehr statt weniger Bedeutung im Studium und im Leben der jungen Kollegen wahrzunehmen. Aber vielleicht weiß Köhling um die Behäbigkeit und die überschaubare Innovationsfähigkeit der medizinischen Hochschullandschaft. Er täte gut daran, hier motivierend auf seine Kollegen einzuwirken . . .

Markus Wedemeyer, 27578 Bremerhaven

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