ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2015Antidepressivum Vortioxetin: Multimodale Aktivitäten

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Antidepressivum Vortioxetin: Multimodale Aktivitäten

Dtsch Arztebl 2015; 112(17): A-792

Stoschek, Jürgen

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Der selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer beeinflusst fünf Rezeptorsubtypen. Dies führt zu Verbesserungen von Kognition, Lernen und Gedächtnis.

Ein wichtiges Ziel bei der Behandlung von Patienten mit Depression ist nach Angaben von Prof. Dr. med. Friedel Reischies eine möglichst vollständige Wiederherstellung der Funktionsfähigkeit. Das betrifft insbesondere auch die kognitive Dysfunktion, die zusammen mit Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen zu den häufigsten Symptomen depressiver Patienten zählen.

Nach aktuellen Zahlen der Krankenkassen sind inzwischen fast 15 Prozent aller Arbeitsunfähigkeitstage auf psychische Erkrankungen wie etwa Depression zurückzuführen, erinnerte Reischies, Ärztlicher Direktor der Friedrich von Bodelschwingh Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Berlin, bei einer Fachpressekonferenz in München. Nicht berücksichtigt sei dabei die Zahl der Betroffenen, die trotz Konzentrationsschwierigkeiten sowie eingeschränkter Leistungs- und Entscheidungsfähigkeit täglich zur Arbeit gehen.

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Ein neues multimodal wirksames Antidepressivum zur Behandlung von Episoden einer Major Depression bei Erwachsenen, das nicht nur die affektive Symptomatik, sondern zusätzlich auch kognitive Funktionen im Rahmen einer Depression verbessern soll, steht ab dem 4. Mai unter dem Handelsnamen Brintellix® (Vortioxetin) auch in Deutschland zur Verfügung.

Sein Wirkmechanismus hängt mit der direkten Modulation der serotonergen Rezeptoraktivität und Hemmung des Serotonin-(5-HT-)Transporters zusammen. Präklinische Daten zeigen, dass Vortioxetin antagonistisch an 5-HT1D-, 5-HT3- und 5-HT7-Rezeptoren, partialagonistisch an 5-HT1B- sowie agonistisch an 5-HT1A-Rezeptoren wirkt. Das führt zur Modulation der Neurotransmission in verschiedenen Systemen, die vorrangig das Serotonin-, wahrscheinlich aber auch das Norepinephrin-, Dopamin-, Histamin-, Acetycholin- sowie das GABAerge- und Glutamaterge-System umfassen.

Wirksamkeit und Sicherheit von Vortioxetin wurden in mehreren klinischen Studien untersucht, berichtete Prof. Dr. med. Tillmann Krüger von der Medizinischen Hochschule Hannover. Dabei habe sich gezeigt, dass Vortioxetin kognitive Funktionen wie Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen, Gedächtnisprobleme und Planungsschwierigkeiten bessert. Auch gebe es bisher keine Hinweise für eine signifikante Beeinträchtigung des Schlafes durch Vortioxetin, so Krüger.

Als häufigste Nebenwirkungen traten in den Studien Übelkeit, Hyperhidrosis und Erbrechen (vor allem in der 10-mg-Gruppe) sowie Durchfall und Obstipation auf. Aus Verträglichkeitsgründen könne man mit 5 mg Vortioxetin starten und nach einer bis zwei Wochen auf die Zieldosis 10 mg erhöhen, empfahl der Psychiater und Neurologe. Die Erhaltungstherapie dauere mindestens sechs bis zwölf Monate, bei Patienten, die bereits depressive Episoden erlitten haben, noch länger.

Jürgen Stoschek

Quelle: Einführungspressekonferenz Brintellix®, Lundbeck GmbH, München

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