ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2015Aktionsbündnis Patientensicherheit: Vorreiter wird Dauerbrenner

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Aktionsbündnis Patientensicherheit: Vorreiter wird Dauerbrenner

Dtsch Arztebl 2015; 112(17): A-764 / B-645 / C-625

Richter-Kuhlmann, Eva

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Das Aktionsbündnis Patientensicherheit feiert diesen Monat sein zehnjähriges Bestehen. Beim Ausbau des Risikomanagements kann es auf viele Erfolge verweisen. Gesetzlich fest verankerte öffentliche Gelder fehlen jedoch noch immer.

Foto: mauritius-images
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Davon, dass in Deutschland bereits eine Patientensicherheitskultur etabliert ist, will das seit mittlerweile zehn Jahren bestehende Aktionsbündnis Patientensicherheit (APS) noch nicht sprechen. Jedoch: Die Sicherheit der Patienten ist seit 2013 ein nationales Gesundheitsziel und schon seit einigen Jahren ein zentrales Qualitätsmerkmal der Versorgung in Krankenhäusern, Praxen und Pflegeeinrichtungen. „Einiges haben wir schon erreicht“, sagte Hedwig François-Kettner, Vorsitzende des APS, anlässlich der APS-Jahrestagung am 16. und 17. April in Berlin. Immer mehr Krankenhäuser, Praxen und Pflegeeinrichtungen setzten die Handlungsempfehlungen für eine sichere Versorgung der Patienten um. Risikomanagement sei inzwischen überall ein Dauerthema.

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Die APS-Vorsitzende verwies dabei auf die 2008 gestartete und von der Welt­gesund­heits­organi­sation ausgezeichnete Aktion „Saubere Hände“. An ihr beteiligen sich inzwischen 1 700 Einrichtungen. Auch der vom APS finanzierte, deutschlandweit erste Lehrstuhl für Patientensicherheit an der Universität Bonn steuere mit seinen systematischen Erhebungen wertvolle Informationen zur Verbesserung der Situation bei. Ebenso sei man mit dem Patientenrechtegesetz, das auch auf Initiative des APS verabschiedet worden sei, einen Schritt weiter. Insgesamt sei es gelungen, das Aktionsbündnis, zu dem sich im April 2005 Ärzteschaft, Vertreter der Gesundheitsberufe, Verbände, Krankenkassen und Patientenorganisationen zusammenschlossen, als anerkannte Einrichtung zu etablieren, betonte die Vorsitzende. Belege hierfür seien die Schirmherrschaft des Bundesgesundministers Hermann Gröhe und die Empfehlung der Ge­sund­heits­minis­ter­kon­fe­renz, die Arbeit des APS zu unterstützen.

Trotz der vielen Fortschritte gebe es in Deutschland noch Reserven beim Ausbau des Risikomanagements im ambulanten wie im stationären Bereich. „Die vielen positiven Ansätze dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass nach wie vor zu viele Menschen unnötig leiden oder sogar sterben müssen“, betonte François-Kettner. Zudem erlebten auch die Verursacher von Fehlern sowie die beteiligten Angehörigen emotionales Leid, das es zu reduzieren gelte. Das APS will deshalb künftig vermehrt Querschnittsthemen bearbeiten, den Erfolg bestehender Maßnahmen auswerten und weitere Empfehlungen geben. Wie bisher will es lösungsorientiert arbeiten: „Statt Einzelne für Fehler zu verurteilen, zeigen wir systembedingte Ursachen auf. Sachlichkeit geht bei uns vor Skandalisierung“, betont die Vorsitzende.

Für seine Arbeit fordert das APS aber auch eine verlässliche Basisfinanzierung. „Wir müssen erkennen, dass ein gemeinnütziger Verein Grenzen hat“, sagte François-Kettner. Der Geschäftsführer des APS, Hardy Müller, bedauerte, dass die Bundesregierung dem Vorstoß des Bundesrates nicht folgen wolle, der Anfang Februar gefordert hatte, dass die gesetzlichen Krankenkassen Einrichtungen zur Verbesserung der Patientensicherheit künftig mit insgesamt bis zu 500 000 Euro jährlich fördern sollen. „Dies ist sicher nicht viel, aber es wäre ein erster Schritt gewesen“, sagte Müller. Die von den Ländern vorgeschlagene Summe hätte eine Verdoppelung der Mittel dargestellt, die heute dem APS zur Verfügung stehen. Allein mit befristeten Verträgen oder temporären Förderzusagen ließen sich notwendige Strukturen nicht nachhaltig und ausreichend sicher finanzieren. „Eine öffentliche Basisfinanzierung für Grundanliegen der Patientensicherheit ist dringend notwendig“, betonte Müller.

Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann

Preise 2015

Mit dem ersten Preis für Patientensicherheit 2015 zeichnete das Aktionsbündnis Patientensicherheit das Risikomanagement zum Schutz vor Wundliegen und Sturz der Charité – Universitätsmedizin Berlin aus. Durch individuelle Vorbeugungsstrategien und ein besonders geschultes Pflegefachpersonal konnte dort Dekubitus Grad 4 seit 2013 auf null reduziert werden.

Der zweite Preis ging an die Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus an der TU Dresden, die typische Komplikationen bei Frühgeborenen durch ein videogestützes Fehlermanagement minimiert.

Vergeben wurden in diesem Jahr zudem zwei dritte Plätze: Den einen erhielt das IT-basierte Fehlermeldesystem zur Risikominimierung der Asklepios Kliniken GmbH; den anderen simparteam®, ein Simulationstraining für geburtshilfliche Notfallteams, das von einem multiprofessionellen Team des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen in Bayern erarbeitet wurde.

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