ArchivMedizin studieren1/2015Praktisches Jahr: Keine Zeit für Nebenjobs

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Praktisches Jahr: Keine Zeit für Nebenjobs

Hillienhof, Arne

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Einheitlich in ganz Deutschland sollte sie sein: die Aufwandsentschädigung im PJ.

Ende Januar protestierten rund 500 Medizinstudierende in Köln für höhere Aufwandsentschädigungen, aber auch für eine bessere Lehre im PJ. Fotos: bvmd
Ende Januar protestierten rund 500 Medizinstudierende in Köln für höhere Aufwandsentschädigungen, aber auch für eine bessere Lehre im PJ. Fotos: bvmd

Wieder einmal gärt es unter den Medizinstudierenden. Und wieder einmal geht es um die Aufwandsentschädigung im Praktischen Jahr (PJ). Zur Erinnerung: Schon 2012 und 2013 hatte die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland e. V. (bvmd) gefordert, dass PJler in ganz Deutschland eine einheitliche Aufwandsentschädigung erhalten sollten. Ausnahme: Auslandstertiale, weil das Leben im Ausland für PJler oft noch teurer ist als hierzulande.

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Aber trotz aller Appelle und Mühen ist Deutschland bei der PJ-Aufwandsentschädigung nach wie vor ein Flickenteppich: Einige Kliniken zahlen den Höchstsatz, andere dagegen weiterhin gar nichts. „Höchstsatz“ – das bedeutet 597 Euro. Diese krumme Zahl ergibt sich aus der Approbationsordnung: Seit 2013 deckelt sie Geld- und Sachleistungen für PJler – sie dürfen die im Paragrafen 13 des Bundesausbildungsförderungsgesetzes (BAföG) festgelegten Sätze nicht überschreiten.

Besonderen Unmut haben jetzt Pläne aus Köln ausgelöst, die Aufwandsentschädigung an einigen Lehrkrankenhäusern auf 300 Euro abzusenken. Bisher hatten die PJler dort den Höchstsatz von 597 Euro pro Monat erhalten. Ende Januar versammelten sich daher rund 500 Medizinstudierende in der Eingangshalle der Uniklinik und protestierten für höhere Aufwandsentschädigungen, aber auch für eine bessere Lehre im PJ. „Wir fordern die 597 Euro einheitlich für alle PJler in Köln deshalb, weil es sehr teuer ist, als Studierender hier zu leben“, erläutert der Vorsitzende der Fachschaft Medizin, Jan-Michael Werner. Er verweist dabei auf die aktuelle Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerkes. Danach kostet allein die Miete in Köln für Studierende durchschnittlich 359 Euro. „300 Euro Aufwandsentschädigung sind daher eindeutig zu wenig“, so die einhellige Meinung der Kölner Studierenden.

„PJ-Studierende sind 48 Wochen ganztägig auf Station anwesend und in den Stationsalltag integriert. Die hierbei vorgesehenen Ausbildungszeiten entsprechen einer vierzigstündigen Arbeitswoche“, erläutert die bvmd in ihrem Positionspapier aus dem Jahr 2013. „Es ist vielleicht nicht allen klar, dass PJ-Studierende in der Klinik so stark zeitlich eingebunden sind, dass sie nicht nebenher noch Geld verdienen können“, so Werner. Er warnt davor, dass es Patienten gefährden könne, wenn PJler übermüdet seien, weil sie zusätzliche Nachtdienste leisteten oder abends kellnern gingen. Außerdem gefährdeten Nebenjobs den Lernerfolg der Studierenden im PJ.

Die bvmd bringt einen weiteren Aspekt ins Feld. Sie befürchtet, dass die unterschiedlichen Aufwandsentschädigungen zu einer rein finanziellen Konkurrenz unter den Lehrkrankenhäusern führen. „Die Qualität der Lehre sollte als Kriterium für die Auswahl des Lehrkrankenhauses im Vordergrund stehen. Dies erfordert einen vereinheitlichten Satz der Aufwandsentschädigung im gesamten Raum der Bundesrepublik Deutschland“, fordert daher die Studierendenvertretung in ihrem Positionspapier.

„Es ist vielleicht nicht allen klar, dass PJStudierende in der Klinik so stark zeitlich eingebunden sind, dass sie nicht nebenher noch Geld verdienen können.“ Jan-Michael Werner, Vorsitzender der Fachschaft Medizin in Köln
„Es ist vielleicht nicht allen klar, dass PJStudierende in der Klinik so stark zeitlich eingebunden sind, dass sie nicht nebenher noch Geld verdienen können.“ Jan-Michael Werner, Vorsitzender der Fachschaft Medizin in Köln

Qualität der Lehre – das war auch ein Thema auf der Kölner Demo: „Es geht uns darum, dass der Studientag im PJ als freier Tag zum Lernen nicht unter den Tisch fällt und die Lehre im PJ insgesamt besser wird“, erläutert Werner von der Kölner Fachschaft. Eine öffentlich einsehbare Evaluation der PJ-Tertiale für Köln durch das Studiendekanat habe zum Teil Mängel an den Tag gelegt. Beispielsweise verrichteten PJler hier und da nur Hilfsdienste, bei denen sie nicht viel lernten. Andernorts fühlten sich die Studierenden dagegen überfordert und benötigten eine bessere Betreuung. „Ganz wichtig ist uns, dass wir den Studientag wirklich nehmen können und er nicht unter den Tisch fällt. Einige Kliniken sagen zum Beispiel: ‚Kein Studientag, geht dafür einfach jeden Tag 90 Minuten früher nach Hause‘“, berichtet Werner. Aber erstens funktioniere das im Alltag auf Station nicht und außerdem würden die Studierenden dann regelmäßig alle wichtigen Besprechungen, Lehrangebote und anderes am späteren Nachmittag verpassen. „Wir brauchen also einen freien Tag zum Lernen oder zumindest die freie Wahl, einen Studientag nehmen zu dürfen“, fordern die Kölner daher.

Die Proteste sind aber nicht auf die Domstadt begrenzt. Die Fachschaften der Medizinischen Fakultäten in Nordrhein-Westfalen haben jetzt eine Petition aufgesetzt, um eine einheitliche und angemessene Aufwandsentschädigung für Studierende im PJ an allen Unikliniken und all ihren akademischen Lehrkrankenhäusern zu erreichen. „Medizinstudierende, die für einen hohen Anteil ihres Lebensunterhalts aufkommen müssen, können dies durch die derzeitig uneinheitlich umgesetzte PJ-Aufwandsentschädigung nicht überall leisten und werden daher strukturell zu einer Einschränkung der PJ-Ortswahl gezwungen“, heißt es dort. „Wir würden uns über Protestaktionen an anderen Uniklinika freuen. Optimal wäre eine bundesweit einheitliche Regelung mit BaföG-Höchstsatz“, so Werner. Mit dieser Forderung steht er nicht allein: „Der 117. Deutsche Ärztetag 2014 fordert den Gesetzgeber und die für die Festsetzung der Aufwandsentschädigung im PJ verantwortlichen Ausbildungsstätten auf, endlich allen Medizinstudierenden im PJ eine monatliche Aufwandsentschädigung in Höhe von 597 Euro zu zahlen“, hatten die Delegierten des Ärztetages im vergangenen Jahr gefordert.

@Die Petition ist nachzulesen unter:
www.openpetition.de


wer zahlt was?

Die Klinikverwaltungen sind sehr sparsam mit Auskünften über die PJ-Vergütungen in ihren Häusern. 2013 hatte der Hartmannbund daher PJ-Studierende selbst befragt und aus ihren Angaben eine Liste mit den Ausbildungsvergütungen der Uniklinika und Lehrkrankenhäuser zusammengestellt. Sie kann zur ersten Orientierung dienen, zumal die Kliniken ihre Angaben in der Liste aktualisieren konnten und können.

Die Liste: www.hartmannbund.de/pj-liste

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