ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2015Hausärzte: Allgemeinmedizin besser fördern

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Hausärzte: Allgemeinmedizin besser fördern

Korzilius, Heike

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Der Deutsche Hausärzteverband hat erneut die zentrale Rolle der Hausärzte in der Gesundheitsversorgung bekräftigt und sich für eine bessere Förderung von Aus- und Weiterbildung ausgesprochen.

Lob zumindest für Teile der Politik, Strenge gegenüber den ärztlichen Körperschaften – für seine Rede zum Auftakt der Delegiertenversammlung des Deutschen Hausärzteverbandes am 24. April in Frankfurt am Main erntete dessen Bundesvorsitzender, Ulrich Weigeldt, viel Beifall. Eine älter werdende Gesellschaft mit immer mehr chronisch kranken und multimorbiden Menschen brauche die „ordnende Hand des Hausarztes“, der sich als erster Ansprechpartner bei gesundheitlichen Fragen um den therapeutischen Alltag seiner Patienten kümmere, formulierte Weigeldt zunächst das hausärztliche Selbstverständnis.

„Ordnende Hand des Hausarztes“ – der Verbandsvorsitzende Ulrich Weigeldt erklärte, dass die Hausärzte 80 Prozent der Patientenprobleme lösen. Foto: Georg J. Lopata
„Ordnende Hand des Hausarztes“ – der Verbandsvorsitzende Ulrich Weigeldt erklärte, dass die Hausärzte 80 Prozent der Patientenprobleme lösen. Foto: Georg J. Lopata
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Doch obwohl der Bedarf an Hausärztinnen und Hausärzten steige, würden jährlich nur knapp zehn Prozent der Facharztprüfungen in Allgemeinmedizin abgelegt, kritisierte Weigeldt. Seiner Ansicht nach gibt es dafür zwei Hauptursachen: die fortschreitende Spezialisierung und die mangelnde Nachwuchsförderung. Man müsse mit dem Trend brechen, immer mehr Fachärzte in immer mehr Fachgebieten zu produzieren, während den hausärztlichen Praxen der Nachwuchs ausgehe, verlangte der Hausärzte-Chef. Eine Mitschuld an dieser Misere gab er den Ärztekammern, die schließlich für die Gestaltung der ärztlichen Weiter­bildungs­ordnung verantwortlich seien.

Außerdem hätten noch immer nicht alle medizinischen Fakultäten Lehrstühle für Allgemeinmedizin eingerichtet, um schon die Medizinstudierenden an das Fach heranzuführen, kritisierte Weigeldt. Er sei daher froh, dass Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Hermann Gröhe (CDU) sich gemeinsam mit dem Hausärzteverband dafür einsetze, dass die Allgemeinmedizin in fünf Jahren an sämtlichen Fakultäten vertreten ist. Weigeldt erneuerte zudem die Forderung, ein Pflichtquartal Allgemeinmedizin im PJ einzuführen und das Fach verpflichtend im Staatsexamen zu prüfen.

Hausarztverträge steigern die Attraktivität des Berufs

Ausgebaut werden muss nach seiner Ansicht auch die Förderung der allgemeinmedizinischen Weiterbildung. Weigeldt kritisierte in diesem Zusammenhang den Kurs der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), die eine ambulante Pflichtweiterbildung für alle angehenden Fachärzte fordert. Dadurch könnten der Allgemeinmedizin Fördermittel verloren gehen und die Stärkung des Fachs werde ad absurdum geführt.

Teilen von KBV und Kassenärztlichen Vereinigungen warf Weigeldt zudem vor, die gesetzlich verankerte Gliederung der medizinischen Versorgung in eine haus- und eine fachärztliche infrage zu stellen, indem sie Hausärzte und bestimmte Facharztgruppen als „Grundversorger“ einer Versorgungsebene zuordneten. Ziel dieser Strategie sei es letztlich, die Honorartrennung von Haus- und Fachärzten auszuhebeln, vermutete Weigeldt. Dafür spreche auch, dass die KBV immer wieder darauf hinweise, dass grundversorgende Fachärzte, zum Beispiel Frauenärzte, einspringen könnten, wenn es nicht genügend Hausärzte gebe. Der Begriff „Grundversorger“ suggeriere darüber hinaus, dass „das bisschen Hausarzt eigentlich jeder machen kann“, bemängelte Weigeldt. Das werde der komplexen hausärztlichen Versorgung, in der weit über 80 Prozent der Patientenprobleme gelöst würden, nicht gerecht.

Als Erfolgsgeschichte lobte der Bundesvorsitzende die Einführung der hausarztzentrierten Versorgung (HZV). Sie trage unter anderem durch höhere Honorare erheblich zur Attraktivität des Berufs bei. Trotz heftiger Widerstände vonseiten einiger Krankenkassen, beteiligten sich inzwischen 3,7 Millionen Versicherte und 16 000 Hausärztinnen und Hausärzte an der HZV. Zentraler Punkt dieser Versorgungsalternative ist für den Hausärzteverband, dass sie völlig losgelöst vom KV-System stattfindet, auch bei der Honorarverteilung.

Heike Korzilius

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