ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2015Notfallmedizin: Unangemessen
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. . . Als Beispiel einer mangelnden Akzeptanz evidenzbasierter Notfallmedizin führt der Autor unter anderem das Scheitern einer eigenen geplanten Studie an. Während wir das Scheitern seiner Studie mit einer wichtigen und spannenden Fragestellung ebenfalls bedauern, können aber die in diesem Zusammenhang gemachten Aussagen nicht unkommentiert bleiben:

Die präklinische notfallmedizinische Versorgung in Deutschland ist seit vielen Jahren geprägt von nationalen und internationalen Leitlinien und Therapieempfehlungen zum bestmöglichen notfallmedizinischen Vorgehen, die AGNN (Arbeitsgemeinschaft in Norddeutschland tätiger Notärzte e.V.) hat seit über 15 Jahren wesentlichen Anteil an der Formulierung solcher Therapieempfehlungen für die Notfallmedizin – die Aussage des Autors, dass in Deutschland vor allem das individualisierte Vorgehen des Notarztes als Richtschnur der Versorgung gelte, erscheint in diesem Licht von Unwissen geprägt zu sein. Ebenso absurd erscheint die These, dass Ärztinnen und Ärzte in Deutschland englischsprachige Publikationen nicht lesen könnten, wie der Autor glauben machen will. Dass der Autor mit seiner Studie gescheitert ist, bedauern wir sehr, wissen wir doch aus dem von uns geprägten Wissenschaftsausschuss in der AGNN und den jährlich dargestellten wissenschaftlichen Untersuchungsergebnissen auf den Wissenschaftlichen Arbeitstagen Notfallmedizin (WATN) in Kiel, wie aufwendig solche Untersuchungen sind und wie viel Engagement zur Durchführung ebendieser Untersuchungen erforderlich ist. Für das Scheitern einer Studie aber global die tätigen Notärztinnen und Notärzte verantwortlich zu machen, erscheint uns gänzlich unangemessen.

Als Arbeitsgemeinschaft in Norddeutschland tätiger Notärzte e.V. (AGNN) vertreten wir mehr als 1 500 Kolleginnen und Kollegen in den Bundesländern Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein, die sich im Rettungsdienst engagieren. Wir sind uns sicher, dass die Kolleginnen und Kollegen sich zum Wohle ihrer Patienten nach aktueller Evidenz und den bestehenden Leitlinien richten. Hilfreich für die Zusammenarbeit klinischer und präklinischer Notfallversorgung ist bei uns neben einem wertschätzenden Umgang eben die gegenseitige Befruchtung aus den in den unterschiedlichen Versorgungsabschnitten gewonnenen, auch wissenschaftlichen Erkenntnissen.

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Die AGNN ist bestrebt, eine hochwertige, an aktuellen Erkenntnissen orientierte Versorgung unserer Patienten in einem notarztgestützten Rettungswesen zu sichern und weiter zu fördern, . . . unter anderem im Wissenschaftsausschuss der AGNN, dessen Ziel explizit die Beschäftigung mit aktuellen wissenschaftlichen Fragestellungen mit Bezug zur Notfallmedizin ist. Der Wissenschaftsausschuss versteht sich hierbei als Bindeglied zwischen den in der notfallmedizinischen Forschung tätigen Wissenschaftlern, Institutionen und den in der Patientenversorgung aktiven Kollegen . . .

Dr. med. Sebastian Wirtz, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft in Norddeutschland tätiger Notärzte e.V. (AGNN),
Asklepios Klinik Barmbek, 22291 Hamburg

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