ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2015Notfallmedizin: Beispiel Niederlande
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Zunächst einmal möchte ich dem Autor danken für den sicher wichtigen Denkanstoß und sein Plädoyer für eine evidenzbasierte Notfallmedizin. Der Annahme, dass die hohe Rekrutierungsrate bei der im NEJM veröffentlichten Mr.-Clean-Studie motiviert war durch eine bessere Aussicht auf finanzielle Vergütung bei positivem Abschluss der Studie, möchte ich mit der nötigen Einsicht in das niederländische Notfallsystem an dieser Stelle jedoch widersprechen. Die hohe Rekrutierungsrate ist vielmehr durch andere Aspekte zu erklären:

Der niederländische Rettungsdienst entspricht im weitestgehenden Sinne dem vom Autor geforderten leitlinienorientierten Notfallsystem. So wird die präklinische Notfallversorgung ausschließlich auf Basis von landesweit einheitlichen Protokollen ausgeführt, dem sogenannten „Landelijk protocol ambulanzezorg“, das seit Ende 2014 in der achten Revision vorliegt.

Die präklinische (und in zunehmendem Maße auch die klinische) Notfallmedizin kennzeichnen sich hinsichtlich Schulung und Ausrüstung durch einen hohen Grad an Standardisierung auf einem hohen Niveau.

Anzeige

Durch Zentralisierung von bestimmten Patientenkategorien (zum Beispiel STEMI, Stroke) sind Prozesse zwischen Präklinik und Klinik optimal aufeinander abgestimmt. Bei der Ausführung von Studien kann damit auf eine ohnehin bestehende intakte Infrastruktur aufgebaut werden.

Nicht außer Acht zu lassen sind sicher auch die optimaleren Studienbedingungen aufgrund von öffentlicher Förderung und Stellenwert von klinischer Forschung innerhalb der akademischen Tätigkeit.

Was die Durchführung der Mr.-Clean-Studie betrifft, kann ich zumindest für das Rettungsgebiet „Hollands-Midden“ und die Universitätsklinik Leiden als partizipierendes Zentrum die hohe Rekrutierungsrate eher zurückführen auf eine optimale Zusammenarbeit zwischen Rettungsdienst, interdisziplinären Notfallmedizinern und durchführenden Spezialisten (Neurologie, Radiologie). Ich kann daher die Forderung des Autors nach einer Anerkennung des Fachgebietes Notfall- und Akutmedizin als wichtiges Bindeglied zwischen präklinischem Rettungsdienst und allen an der notfallmedizinschen Versorgung beteiligten Disziplinen nur unterstützen.

Literatur beim Verfasser

Dr. med. Christian Heringhaus, Abteilung für Interdisziplinäre Notfallmedizin, Universitätsklinik Leiden,
NL-2333 ZA Leiden

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Stellenangebote