ArchivDeutsches Ärzteblatt17/1999Nachruf auf die Kurzwelle

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Nachruf auf die Kurzwelle

Dtsch Arztebl 1999; 96(17): [52]

Fuchs, Udo

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LNSLNS Bei Gründung meiner Praxis vor 18 Jahren war ich der Meinung, daß in die Praxis eines Hausarztes unbedingt eine Kurzwelle gehört. Zwar konnte man auch zum damaligen Zeitpunkt mit einer Kurzwelle kein Geld verdienen, aber ich war der Ansicht, daß es einfach zum Patientenservice gehört.
Als junger Habenichts war ich daher sehr froh, daß ich eine ausrangierte Kurzwelle der Firma Siemens, Marke Ultratherm 603, unserer Klinik vor der Verschrottung bewahren konnte, die ich kostenlos erwerben konnte. Mein IQ reichte aus, sie wieder in funktionsfähigen Zustand zu versetzen, da lediglich die Mechanik in desolatem Zustand war, was ich leicht reparieren konnte.
Fürs erste war ich stolzer Besitzer einer funktionsfähigen Kurzwelle. Ich hoffte, daß sie die erste Durststrecke bis zum Einsetzen des großen Geldverdienens durchhalten würde. Danach würde ich mir, so hatte ich mir fest vorgenommen, eine neue Kurzwelle leisten.
Was ausblieb, war der große Geldregen, dafür funktionierte die Kurzwelle - dank des umsichtigen Umganges der Arzthelferinnen - mit dem Oldie völlig komplikationslos.
Vor drei Jahren war es dann soweit: Die Mechanik war unrettbar zerstört. Ohne mir Hoffnungen zu machen, schrieb ich damals an Siemens, ob zufällig noch das eingesandte völlig zerstörte Teil der Kurzwelle zu erwerben wäre.
Es war für mich wie ein Wunder: Während ich infolge Defekten bei meinen Computern bereits in der dritten Generation bin, wurde mir für die Uraltkurzwelle von Siemens problemlos das entsprechende Ersatzteil geliefert.
Letzte Woche ereilte die Kurzwelle das Schicksal. Irgendeine Kleinigkeit an der Elektronik ist defekt. Hier kann ich leider infolge mangelnder Kenntnisse keine Abhilfe leisten. Um die Kosten für fremde Hilfe abzuarbeiten, müßte die arme Kurzwelle sicher nochmals zehn Jahre weiterarbeiten. Das kann man der alten Dame nicht mehr zumuten.
Zwischenzeitlich habe ich eine andere Ultratherm vor der Verschrottung gerettet. Vielleicht läßt sich mit der Ersatzkurzwelle die alte Ultratherm reparieren, bis für meinen jüngeren Teilhaber und mich endlich der langersehnte Geldregen einsetzt. Man sollte als Hausarzt niemals die Hoffnung verlieren.
Dr. med. Udo Fuchs,
Hamburg
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