ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2015Psychiatrie: Was noch unklar ist
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Bezüglich des Artikels des Alternativkonzepts zum PEPP möchte ich festhalten, dass es diese Budgets – obgleich auch im Versuchsstadium – sowohl für die Erwachsenen- als auch für die Kinder- und Jugendpsychiatrie bereits gibt. Für beide Sachgebiete wurden die Vor- und Nachteile dieses sogenannten regionalen Psychiatriebudgets als Alternativkonzept in einer entsprechenden Begleitforschung herausgearbeitet. Vorreiter für die Erwachsenenpsychiatrie war die Klinik in Itzehoe, wo – allerdings unter Aussparung möglicher zwischenzeitlicher demografischer Veränderungen – der tagesgleiche Pflegesatz mit dem regionalen Psychiatriebudget in ein und derselben Klinik verglichen wurde. In der Kinder- und Jugendpsychiatrie wurden im selben Zeitraum bezüglich Größe ähnliche Kliniken miteinander verglichen. Als Vorteil des regionalen Psychiatriebudgets stellte sich die höhere Flexibilität und grundsätzliche Ambulantisierung heraus, als hauptsächlicher Nachteil die rasche Fluktuation durch die oftmaligen Settingwechsel. Hauptproblem ist jedoch, dass sich dieses Alternativkonzept nur auf die Krankenhäuser in einem Versorgungsgebiet beschränkt und nicht niedergelassene Fachärzte und Psychotherapeuten miteinbezieht. Diese werden zusätzlich zum regionalen Psychiatriebudget finanziert. Somit bildet das regionale Psychiatriebudget nicht die wahren Kosten einer flächendeckenden Versorgung in einem Gebiet ab. Außerdem ist ungeklärt, wie mit denjenigen Patienten, die eine psychiatrische Leistung im Gebiet des Alternativkonzepts im Kalenderjahr konsumieren und im selben Jahr eine vor allem teilstationäre oder stationäre psychiatrische Leistung in einem Gebiet mit tagesgleichen Pflegesatz in Anspruch nehmen, zu verfahren ist. Bemerkenswert ist allerdings, dass sich das Alternativkonzept vom tagesgleichen Pflegesatz bezüglich Zufriedenheit seitens der Patienten, Eltern, Ärzte und der Therapeuten doch unterschied und zwar in der Weise, dass die Zufriedenheit beim Alternativkonzept etwas höher war . . .

Prim. Dipl.-Psych. Dr. phil. Dr. med. Helmut Niederhofer, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie,
-psychosomatik und -psychotherapie, Bezirkskrankenhaus Bayreuth, 95445 Bayreuth

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