ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2015Psychiatrie: Fehlende Vergütung
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Mit Erstaunen habe ich den Artikel gelesen. Demnach scheint es ganz einfach zu sein, die psychiatrischen Krankenhäuser, die mit dem geplanten Vergütungssystem (PEPP) nicht auskömmlich betrieben werden können, durch Querfinanzierungen aus dem ambulanten Versorgungsbereich zu erhalten. Eine intensive Diskussion über die Einführung des pauschalierten Entgeltsystems für psychiatrisch-psychotherapeutische und psychosomatische Krankenhäuser ist sicher sinnvoll und gewiss müssen hier weitere Anpassungen vorgenommen werden, jedoch stößt die Ansicht der Autoren, dass die ambulante Versorgung psychisch Kranker in Zukunft durch den eigentlich stationären Versorgungssektor erbracht werden soll, auf das Unverständnis und den Unmut der niedergelassenen Kollegen.

Gewiss haben die Liegezeiten in den Krankenhäusern abgenommen, und es gibt eine größere Anzahl psychiatrischer Patienten, die ambulant versorgt werden können. Liegt das aber nicht vor allem an den verbesserten Behandlungsmöglichkeiten in der Psychiatrie? Muss nicht die Schlussfolgerung sein, den kassenärztlichen Versorgungsbereich im Bereich der Psychiatrie auszubauen und zu stärken? Es handelt sich bei diesem Versorgungsbereich in Deutschland um einen Sektor, der über Jahrzehnte erfolgreich und auch kostensparend für die Patienten tätig war und ist. Hier sind gut ausgebildete Fachärzte tätig, die Patienten mit fast allen psychiatrischen Erkrankungen ausreichend und alltagsnah versorgen können. Nur sehr selten ist die stationäre Behandlung wirklich dringend indiziert.

Sehr treffend benennen die Autoren des Artikels die fehlenden Anreizsysteme im ambulanten Versorgungsbereich. Zwar existieren flächendeckend neben den Fachärzten für Psychiatrie und Psychotherapie sowie neben den Nervenärzten auch Versorger im sozialpsychiatrischen Bereich (ambulante psychiatrische Pflegedienste, Soziotherapeuten, Ergotherapeuten, Tagesstätten für psychisch Kranke, Werkstätten, sozialpsychiatrische Dienste), aber eine fruchtbare Zusammenarbeit im Sinne der Patienten ist durch die hier fehlende Vergütung von Teamkonferenzen etc. nicht häufig genug möglich. Letzteres ist für Kliniken und psychiatrische Institutsambulanzen Alltag . . .

Anzeige

Dr. med. Sabine Köhler, Fachärztin für Psychiatrie und
Psychotherapie, 07743 Jena

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Stellenangebote