ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2015Arzneimittel: Unverständlich
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Schon die Überschrift beklagt: „Viele Ärzte haben ein Wissensdefizit“ und der Artikel begründet dies vor allem damit, dass viele Ärzte Arzneimittel verordnen würden, denen der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) keinen Zusatznutzen attestiert hat. Der Beitrag suggeriert ferner, dies würde dem Ziel des AMNOG widersprechen, die Qualität der Arzneimittelversorgung zu verbessern.

Dies sind drei klare Aussagen, deren gemeinsames Problem darin besteht, dass sie nicht stimmen. Wie so oft nützt auch hier der Blick ins Gesetz. Dort (§ 130 b SGB V Abs. 3) steht unmissverständlich, dass bei Fällen ohne zugewiesenen Zusatznutzen „der Erstattungsbetrag nicht zu höheren Jahrestherapiekosten führen [darf] als die wirtschaftlichste Alternative“. Ganz offensichtlich ist also die Verordnung eines solchen Arzneimittels unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten kein Problem.

Doch was ist mit dem unterstellten Qualitätsproblem einer solchen Verordnung? Auch dieses gibt es nicht, denn die Zuweisung „keines Zusatznutzens“ nach

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AMNOG bedeutet, dass das Arzneimittel der Vergleichstherapie zumindest ebenbürtig ist; für unterlegene Produkte gibt es nämlich eine gesonderte Kategorie. Diese Vergleichstherapie wird übrigens vom G-BA festgelegt und in der Begründung zum AMNOG als „Therapiestandard“ umschrieben; eine gleichwertige neue Therapie kann also kaum ein Qualitätsproblem darstellen.

Zusammengefasst erscheint es höchst unverständlich, dass Sie ein Wissensdefizit der Ärzte daraus ableiten, dass diese Produkte verordnen, deren Qualität dem bisherigen Versorgungsstandard gegenüber zumindest ebenbürtig ist und deren Kosten maximal denen der wirtschaftlichsten Alternative entspricht. Ganz offenbar handeln diese Ärzte sehr rational . . .

Dr. Markus Frick, vfa – Die forschenden Pharma-Unternehmen, 10117 Berlin

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