ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2015Frage der Woche an . . . Prof. Dr. Tanja Fehm, Direktorin der Universitätsfrauenklinik Düsseldorf

ÄRZTESTELLEN: Frage der Woche

Frage der Woche an . . . Prof. Dr. Tanja Fehm, Direktorin der Universitätsfrauenklinik Düsseldorf

Sie halten eine innovative Arbeitsplatzgestaltung für dringend erforderlich, um den ärztlichen Nachwuchs im Fach zu halten. Was bedeutet dies konkret?

Glöser, Sabine

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Sie halten eine innovative Arbeitsplatzgestaltung für dringend erforderlich, um den ärztlichen Nachwuchs im Fach zu halten. Was bedeutet dies konkret?

Fehm: Wir haben mittlerweile ein großes Nachwuchsproblem, insbesondere in den operativen Fächern. Daher ist eine innovative Arbeitsplatzgestaltung zur Nachwuchssicherung und Karriereförderung essenziell, um junge Ärzte und Ärztinnen nicht für das Fach zu verlieren.

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Ein wichtiger Punkt ist die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Wir müssen Arbeitszeitmodelle entwickeln, die es Ärztinnen und Ärzten ermöglichen, beides besser zu kombinieren und auch eine zeitnahe Rückkehr von jungen Müttern und Vätern in den Beruf zu erleichtern. Viele Kliniken etablieren hierzu Teilzeitmodelle, wobei Ganztagesmodelle in Teams besser umgesetzt werden können. Eine andere Möglichkeit ist, dass sich zwei oder drei Kollegen eine Arztstelle teilen und innerhalb des Teams ihre Arbeitszeit miteinander abstimmen mit dem Auftrag, dass die Funktion besetzt sein muss (Job-Sharing). Darüber hinaus kann in manchen Bereichen, wie in einer Spezialambulanz, ein späterer Arbeitszeitbeginn implementiert werden, so dass Eltern ihre Kinder auch noch im Kindergarten abgeben können. In bestimmten Fächern wie Radiologie und Pathologie ist sicher mit Hilfe der Telemedizin auch ein Home-Office partiell umsetzbar.

Das sind Maßnahmen, die in der Regel die Klinikdirektoren initiieren können. Natürlich ist essenziell, dass die Krankenhausträger entsprechende Maßnahmen umsetzen. Dazu gehören vor allem betriebseigene Kindertagesstätten, deren Öffnungszeiten an die Arbeitszeiten angepasst sind (zum Beispiel 6 bis 18 Uhr). Hilfreich ist zudem, eine Betreuung in den Ferien oder nach der Schulzeit anzubieten. Auch ist es in großen Kliniken durchaus üblich, Notfallbetten bereitzuhalten, wenn Kinder plötzlich erkranken. Das gewährleistet, dass sie während der Arbeitszeit betreut werden.

Um Motivation und Arbeitszufriedenheit zu erhöhen, müssten Arbeitsplätze den Bedürfnissen der neuen Ärzte-Generation (Generation Y) angepasst werden. Hierzu gehören beispielsweise verbindliche Arbeitszeiten, eine klar strukturierte Ausbildung und die Entlastung von nicht-ärztlichen Arbeiten durch entsprechend qualifiziertes Personal. Auch wünscht sich der ärztliche Nachwuchs ein gutes Mentoring sowie adäquate Feedback-Strukturen, um sich optimal weiterentwickeln zu können. In Zukunft werden nur diejenigen Häuser die besten Arbeitskräfte rekrutieren können, die sich der Herausforderung einer innovativen Arbeitsplatzgestaltung stellen. sg

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