ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2015Fortgeschrittenes Ovarialkarzinom: Tumorausdehnung bleibt trotz R0-Resektion relevant

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Fortgeschrittenes Ovarialkarzinom: Tumorausdehnung bleibt trotz R0-Resektion relevant

Dtsch Arztebl 2015; 112(19): A-873 / B-735 / C-711

Gulden, Josef

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Die primäre Therapie des Ovarialkarzinoms ist die möglichst vollständige Resektion, gefolgt von einer Chemotherapie. Unklar ist, wie genau die Prognose vom Ausmaß der Erkrankung und der Radikalität des chirurgischen Vorgehens abhängt. Nun hat die US-amerikanische Gynecologic Oncology Group (GOG) retrospektiv Daten einer Studie mit 2 655 Patientinnen ausgewertet (FIGO-Stadien III/IV), die randomisiert eines von 5 verschiedenen platin- und taxanhaltigen Regimes erhalten hatten.

Zwischen diesen Protokollen gab es keine signifikanten Unterschiede beim progressionsfreien (PFS) oder Gesamtüberleben (OS), wohl aber zwischen den Patientinnen mit R0-Resektion und Tumorresten von < 1 cm: Eine komplette Resektion hatte beide Parameter beinahe verdoppelt (medianes PFS 29 vs. 15 Monate, OS 77 vs. 41 Monate; p < 0,01 für beide Vergleiche). Auch die Krankheitsausdehnung vor Operation (gering: Becken und retroperitoneal; moderat: zusätzlich unteres Abdomen; hoch: bis in das obere Abdomen mit Beteiligung von Zwerchfell, Milz, Leber oder Pankreas) spielte eine Rolle beim progressionsfreien (median 34 vs. 23 vs. 15 Monate; p < 0,01) und Gesamtüberleben (median 86 vs. 71 vs. 40 Monate; p < 0,01). Die Abhängigkeit von der präoperativen Krankheitslast fand sich auch in der Subgruppe, bei der eine R0-Resektion gelungen war (medianes PFS 33,2 vs. 18,3 Monate bei niedriger vs. moderater Krankheitslast, OS 82,8 vs. 50.1 Monate; jeweils p < 0,001). Die Komplexität der Operation, ermittelt mit einem etablierten Verfahren, hatte in einer multivariaten Analyse, in der initiale Krankheitsausdehnung, postoperative Resterkrankung, Performancestatus, Alter und histologischer Subtyp mit berücksichtigt wurden, keinen Einfluss auf die Überlebensparameter.

Gesamtüberleben (OS) bei Patientinnen mit Ovarialkarzinom und unterschiedlicher Krankheitsausdehnung (DS)
Gesamtüberleben (OS) bei Patientinnen mit Ovarialkarzinom und unterschiedlicher Krankheitsausdehnung (DS)
Grafik
Gesamtüberleben (OS) bei Patientinnen mit Ovarialkarzinom und unterschiedlicher Krankheitsausdehnung (DS)

Fazit: Auch bei einer R0-Resektion bleibt die initiale Ausdehnung eines epithelialen Ovarialkarzinoms ein prognostischer Risikofaktor. Werden Faktoren wie die Resterkrankung berücksichtigt, scheint auch die sehr aggressive Operationstechnik daran nichts zu ändern.

„In der Studie wurden Analysen wiederholt, die bereits in der Prä-Taxan-Ära von der GOG und später bei vergleichbaren Studienkollektiven der AGO-Studiengruppe in Deutschland vorgelegt wurden“, kommentiert Prof. Dr. med. Andreas du Bois, Essen. „In allen drei Studien wurde gezeigt, dass sowohl die präoperative Tumorlast als auch das operative Ergebnis, also der Tumorrest, einen signifikanten Einfluss auf die Prognose haben. Die Radikaloperation verbessert bei kompletter Resektion die Prognose unabhängig von der Ausgangslage, das heißt bei kleiner wie auch bei großer Tumorlast, sie kann aber den Einfluss der Tumorbiologie nicht vollkommen ,korrigieren’. Bei vergleichbarem Tumorrest haben auch bei Komplettresektion diejenigen Patientinnen eine bessere Prognose, die zuvor weniger Tumorlast hatten. Sowohl der nicht veränderbare Prognosefaktor Tumorlast als auch der beeinflussbare Prognosefaktor ,postoperativer Tumorrest’ bestimmen also die Prognose.“     Josef Gulden

Horowitz NS, et al.: Does aggressive surgery improve outcomes? Interaction between preoperative disease burden and complex surgery in patients with advanced-stage ovarian cancer: An analysis of GOG 182. J Clin Oncol 2015; 33: 937–43.

Gesamtüberleben (OS) bei Patientinnen mit Ovarialkarzinom und unterschiedlicher Krankheitsausdehnung (DS)
Gesamtüberleben (OS) bei Patientinnen mit Ovarialkarzinom und unterschiedlicher Krankheitsausdehnung (DS)
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Gesamtüberleben (OS) bei Patientinnen mit Ovarialkarzinom und unterschiedlicher Krankheitsausdehnung (DS)

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