ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2015Intrakranielles Aneurysma: Coiling hat langfristig Vorteile vor Clipping

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Intrakranielles Aneurysma: Coiling hat langfristig Vorteile vor Clipping

Vetter, Christine

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Ob das endovaskuläre Coiling oder das neurochirurgische Clipping eines rupturierten intrakraniellen Aneurysmas bessere Langzeitergebnisse erzielt, wurde in der ISAT-Studie (International Subarachnoid Aneurysma Trial) bei 1 644 Patienten, die zwischen 1994 und 2002 in Großbritannien behandelt wurden, untersucht. 10 Jahre nach dem Eingriff lebten noch 83 % der 809 mittels Coiling behandelten Patienten und 79 % der 835 Patienten nach Clipping (Odds Ratio [OR]: 1,35, 95-%-Konfidenzintervall [KI]: 1,06–1,73). Von 1 003 Patienten, die nach 10 Jahren einen Fragebogen zur funktionellen Abhängigkeit ausfüllten, lebten 82 % nach Coiling und 78 % nach Clipping unabhängig (modifizierte Ranking-Skala: 0–2; OR: 1,25; 95-%-KI: 0,92–1,71). Die Wahrscheinlichkeit, nach 10 Jahren unabhängig zu leben, war somit nach einem endovaskulären Coiling höher als nach einem neurochirurgischen Clipping (OR: 1,34; 95-%-KI: 1,07–1,67). 33 Patienten erlebten eine erneute intrakranielle Blutung später als ein Jahr nach dem Eingriff, wobei bei 17 Patienten (13 nach Coiling, 4 nach Clipping) die Region des ursprünglichen Aneurysmas betroffen war.

Kaplan-Meier-Kurven für kumulative Mortalität ab einem Jahr nach Intervention
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Kaplan-Meier-Kurven für kumulative Mortalität ab einem Jahr nach Intervention

Fazit: Nach den hochsignifikanten Einjahresdaten gibt es mit der aktuellen Studie nun auch Langzeitdaten über 10 Jahre, die eindeutige Vorteile des endovaskulären Coilings für den Endpunkt „unabhängiges Überleben“ belegen. Die Ergebnisse unterstreichen die herausragende Bedeutung der endovaskulären Aneurysmaversorgung bei Patienten mit rupturierten intrakraniellen Aneurysmen, die grundsätzlich sowohl für eine OP als auch das Coiling in Betracht kommen – so das Fazit von Prof. Dr. med. Martin Bendszus, Ärztlicher Direktor der Neurologischen Klinik des Universitätsklinikums Heidelberg. Die Daten dokumentieren aus seiner Sicht einen unmittelbaren Nutzen des Verfahrens für den Patienten im Sinne einer höheren Wahrscheinlichkeit des Überlebens ohne wesentliche Behinderung. „Erstaunlicherweise konnten diese guten klinischen Ergebnisse im endovaskulären Arm mit Platincoils der ersten Generation erzielt werden. Technische Innovationen in den vergangenen 20 Jahren haben diese Behandlungsoption noch einmal deutlich effektiver und sicherer werden lassen, so dass mit den mittlerweile verwendeten Materialien nochmals verbesserte klinische Ergebnisse erwarten werden dürfen“, kommentiert Bendszus. Christine Vetter

Molyneux AJ, et al.: The durability of endovascular coiling versus neurosurgical clipping of ruptured cerebral aneurysms: 18 year follow-up of the UK cohort of the International Subarachnoid Aneurysm Trial (ISAT). Lancet 2015; 385: 691–7.

Kaplan-Meier-Kurven für kumulative Mortalität ab einem Jahr nach Intervention
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