ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2015Therapie des Typ-2-Diabetes: Überlegene Fixkombination

PHARMA

Therapie des Typ-2-Diabetes: Überlegene Fixkombination

Spielberg, Petra

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Seit kurzem steht eine neue Therapieform für die Behandlung von erwachsenen Typ-2-Diabetikern zur Verfügung. Da nur eine Gabe einmal täglich nötig ist, sollen sich Zielwerte leichter erreichen lassen.

Seit Anfang Mai steht Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 in Deutschland eine neue Therapieoption zur besseren glykämischen Kontrolle zur Verfügung. Bei dem vom dänischen Hersteller Novo Nordisk entwickelten Blutzuckersenker Xultophy® (IDegLira) handelt es sich um eine Fixkombination aus einem Basalinsulin Tresiba® (Insulin degludec) und dem unter dem Handelsnamen Victoza® bereits bekannten GLP-1-Analogon Liraglutid.

Der Vorteil von Xultophy: Die Injektionslösung muss nur einmal täglich verabreicht werden. Der Pen enthält 100 Einheiten Insulin degludec/ml plus 3,6 mg/mL Liraglutid. Die Dosierung ist in Einerschritten bis zu maximal 50 Einheiten Insulin degludec plus 1,8 mg Liraglutid pro Injektion möglich. Das gentechnisch hergestellte Insulin degludec hat die gleiche pharmakologische Wirkung wie Humaninsulin, während Liraglutid die glukoseabhängige Insulinsekretion verbessert und die Glucagonfreisetzung hemmt. Die blutzuckersenkende Wirkung von Xultophy liegt überdies über 42 Stunden hinaus im therapeutischen Dosierungsbereich.

Anzeige

Die europaweit zugelassene Fixkombination darf für die Behandlung von erwachsenen Typ-2-Diabetikern eingesetzt werden, die mit oralen blutzuckersenkenden Arzneimitteln allein oder in Kombination mit Basalinsulin ihren Blutzuckerspiegel nicht ausreichend senken können.

„In der Praxis erreichen Studienergebnissen zufolge bisher weniger als die Hälfte aller Deutschen mit Typ-2-Diabetes unter einer Basalinsulintherapie einen HbA1c-Wert von unter sieben Prozent“, erklärte Dr. med. Andreas Liebl, Chefarzt des Diabetes- und Stoffwechselzentrums sowie der Abteilung für Innere Medizin an der m&i-Fachklinik Bad Heilbrunn, auf einer Pressekonferenz in Frankfurt anlässlich der Markteinführung von Xultophy. Damit schneide Deutschland bei der insulingestützten Therapie von Typ-2-Diabetikern im europäischen Vergleich sehr schlecht ab. Die mangelnde glykämische Kontrolle erhöhe zwangsläufig das Risiko für Folgeerkranknungen wie Erblindung und Nierenschäden.

Auch Gewichtszunahme bei Diabetespatienten gefürchtet

Interessant sei in diesem Zusammenhang, dass Studien zufolge zahlreiche Diabetespatienten schwere Hypoglykämien und eine Gewichtszunahme ebenso fürchteten wie makro- und mikrovaskuläre Folgeerkrankungen, so Liebl. Befragungen von Patientinnen mit Typ-1-Diabetes hätten ergeben, dass jede Dritte eigenmächtig auf Insulingaben verzichtet, um zum Beispiel eine Gewichtszunahme zu verhindern. Auch Ärzte würden oft aus Angst vor Unterzuckerungen des Patienten nicht ausreichend „aggressiv“ therapieren. „Die Sorge vor einer Gewichtszunahme sowie das potenziell erhöhte Risiko für Hypoglykämien sind häufig eine Hürde für die erforderliche Intensivierung einer Diabetestherapie“, betonte Liebl. Xultophy habe indes das Potenzial, diese Zielkonflikte zu verhindern und eine bessere Therapieadhärenz zu erreichen.

Die Wirksamkeit und Sicherheit von Xultophy wurde in mehreren multinationalen Phase-3-Studien mit über 2 000 teilnehmenden Typ-2-Diabetikern untersucht. Als Vergleich diente eine Therapie mit Insulin degludec (20 bis 40 Einheiten) einmal täglich in Kombination mit Metformin sowie mit oder ohne Sulfonylharnstoff/Glinde. Die Teilnehmer hatten im Mittel einen Body-Mass-Index von 33 und mehr, einen HbA1c von neun Prozent und waren bereits seit über zehn Jahren Diabetiker.

Die Studien belegten, dass der HbA1c-Wert bei Injektion der Fixkombination als Zusatztherapie zum oralen Antidiabetikum Metformin bei Typ-2-Diabetikern mit unzureichender Blutzuckereinstellung im Schnitt um 1,9 Prozent gegenüber dem Ausgangswert sank.

„Unter IDegLira erreichten 60 Prozent der Patienten einen HbA1c-Wert unter sieben Prozent, unter Insulin degludec mit einer maximalen Dosis von 50 Einheiten waren es lediglich 30 Prozent“, kommentierte Prof. Dr. med. Michael Nauck, Leiter Klinische Forschung der Abteilung Diabetologie/Medizinische Klinik II des St. Josef Hospitals der Ruhr-Universität Bochum, die Studienergebnisse.

Die Anwender der Fixkombination erzielten gleichzeitig eine deutliche Gewichtsabnahme. So reduzierte sich das Körpergewicht der Studienteilnehmer unter IDegLira um durchschnittlich 2,7 Kilogramm, während es bei Insulin degludec zu keiner Verringerung des Gewichts kam. Das Risiko einer Hypoglykämie erwies sich mit 24 Prozent als vergleichbar mit dem unter der Gabe des Basalinsulins degludec allein (25 Prozent). Die Inzidenz gastrointestinaler Nebenwirkungen wie Übelkeit und Diarrhoe war unter Xultophy dagegen leicht erhöht (6,5 Prozent unter IDegLira und 3,5 Prozent unter Insulin degludec).

Petra Spielberg

Quelle: Pressekonferenz „Xultophy®: Neue Option in der Therapie des Typ-2-Diabetes“, Veranstalter: Novo Nordisk Pharma GmbH in Frankfurt

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote