ArchivDeutsches Ärzteblatt PP5/2015Randnotiz: Tod durch Erschießen

NACHRICHTEN

Randnotiz: Tod durch Erschießen

Korzilius, Heike

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Die Ankündigung klingt wie aus der Zeit gefallen: Im US-Bundesstaat Utah werden zum Tode verurteilte Straftäter künftig erschossen. Das hat das dortige Parlament im März beschlossen und zugleich eine Einschränkung verfügt: Die fünf vorgesehenen Todesschützen treten nur dann an, wenn eine Hinrichtung mittels tödlicher Injektion, der sogenannten Giftspritze, nicht möglich ist. Diese Methode wird seit den 1980er Jahren zunehmend eingesetzt. Sie gilt als „humaner“ als die üblichen Hinrichtungsarten: elektrischer Stuhl, Galgen, Gaskammer oder eben Erschießungen.

Doch die grundsätzliche Ablehnung der Todesstrafe, insbesondere in Europa, führt immer wieder zu Lieferengpässen bei den benötigten Medikamenten. Die Herstellerfirmen fürchten um ihr Image. Zudem mangelt es oft an medizinischem Personal, das dazu bereit wäre, bei Hinrichtungen zu assistieren. Für Ärztinnen und Ärzte bedeutet eine Beteiligung an der Vollstreckung der Todesstrafe nach Ansicht des Weltärztebundes ohnehin einen Verstoß gegen ihr Berufsethos. Sie seien dem Respekt vor dem Leben verpflichtet.

Wer jetzt hoffte, dass die Probleme mit der Giftspritze in den USA dazu führen würden, die Todesstrafe grundsätzlich infrage zu stellen, tat das vergeblich. Siehe Utah. So eine Erschießung sei zwar eine fiese Sache, zitiert die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung einen Richter. „Aber wenn wir mit Hinrichtungen fortfahren wollen, sollten wir uns nicht von der Realität abschirmen, dass wir menschliches Blut vergießen.“ Gemessen an der Zahl der Hinrichtungen liegen die USA auf Platz fünf hinter China, Iran, Saudi-Arabien und Irak, schreibt Amnesty International.

Anzeige

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.

Fachgebiet

Zum Artikel

Der klinische Schnappschuss

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote