ArchivDeutsches Ärzteblatt PP5/201526. Deutscher Psychotherapeutentag: Dietrich Munz ist neuer Präsident

POLITIK

26. Deutscher Psychotherapeutentag: Dietrich Munz ist neuer Präsident

Bühring, Petra

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Vorstandswahlen standen im Mittelpunkt des Deutschen Psychotherapeutentages in Berlin. Die Reform der Ausbildung geht in eine entscheidende Phase: Das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium beginnt mit den Arbeiten an einem Gesetzentwurf.

Der neue Vorstand der BPtK: Wolfgang Schreck, Andrea Benecke, Peter Lehndorfer, Dietrich Munz und Nicolaus Melcop. Fotos: Bundes­psycho­therapeuten­kammer
Der neue Vorstand der BPtK: Wolfgang Schreck, Andrea Benecke, Peter Lehndorfer, Dietrich Munz und Nicolaus Melcop. Fotos: Bundes­psycho­therapeuten­kammer

Ganz im Zeichen von Abschied und Neuanfang stand der 26. Deutsche Psychotherapeutentag (DPT) am 25. April in Berlin. Nach zehnjähriger Präsidentschaft im Dienste der Bundes­psycho­therapeuten­kammer schied Prof. Dr. phil. Rainer Richter mit 68 Jahren aus dem Amt. Mit ihm ging auch der Vorstand der Kammer, sodass Neuwahlen den Tag dominierten. „Es ist Ihnen zu verdanken, dass wir als Psychotherapeuten heute auf Bundesebene anerkannt werden“, betonte beispielsweise Rudi Bittner, Delegierter aus Bayern. „Sie haben unsere Anliegen weit vorangebracht und ich kann mir einen DPT ohne Sie noch gar nicht vorstellen“, ergänzte Susanne Walz-Pawlita, Hessen. Richter bedankte sich für die gute Kooperation in all den Jahren und auch die Arbeit aller Mitarbeiter der Geschäftsstelle. „Ich scheide mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, sagte er.

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Doch bevor der scheidende Präsident den Staffelstab an den neuen Vorstand übergab, trug er in bewährter souveräner Manier den Vorstandsbericht vor. Richter zeigte sich beunruhigt darüber, „wie schnell Werte wie Schweigepflicht und Datenschutz unter die Räder geraten können“.

Die Schweigepflicht nicht antasten

Dem Absturz der Germanwings-Maschine am 21. März, der von dem psychisch kranken Co-Piloten nach Erkenntnissen absichtlich verursacht worden war, seien polemische Forderungen nach Aufhebung der Schweigepflicht und auch nach einem Berufsverbot für Menschen mit Depressionen in Risikoberufen gefolgt. „Wir wissen nicht, ob die psychische Erkrankung ursächlich für den Absturz war. Wie kann es sein, dass jahrzehntelange Bemühungen um die Entstigmatisierung mit einem Schlag in Frage gestellt werden?“, sagte Richter. Sechs Millionen Menschen würden so unter Generalverdacht gestellt. Die Schweigepflicht sei in § 8, Absatz 4 Musterberufsordnung eindeutig geregelt. Sowohl dort als auch im Strafrecht seien Ausnahmen von der Schweigepflicht vorgesehen, um Patienten davor bewahren zu können, sich selbst oder andere zu gefährden. Die Abwägung darüber, ob dies es rechtfertigt, Informationen an andere weiterzugeben, müsse jedoch eine Entscheidung des behandelnden Psychotherapeuten bleiben. Mit einer Resolution verwahrt sich der 26. DPT daher gegen alle Überlegungen der Politik, die Schweigepflicht auszuhöhlen (Kasten).

Eindeutig für eine Direktausbildung: Dr. Dietrich Munz, neuer Präsident der BPtK, und Karin Knufmann-Happe, Ministerialdirektorin im Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium
Eindeutig für eine Direktausbildung: Dr. Dietrich Munz, neuer Präsident der BPtK, und Karin Knufmann-Happe, Ministerialdirektorin im Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium

„Das Thema Bedarfsplanung hat mich in den ganzen zehn Jahren meiner Präsidentschaft nicht losgelassen“, leitete Richter den nächsten Punkt ein. Erreicht worden sei, dass nur noch ganz wenige sagen, dass Deutschland mit Psychotherapeuten überversorgt ist. „Das war vor zehn Jahren noch ganz anders.“ Erreicht worden sei auch eine Mindestquotenregelung für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten und eine bessere Versorgung mit Psychotherapie in ländlichen Region. Sorge bereitet Richter die im GKV-Versorgungsstärkungsgesetz angekündigte Soll-Regelung zum Aufkauf von Praxissitzen in überversorgten Gebieten, die zum Abbau von bis zu 7 500 Psychotherapeutensitzen führen könnte (siehe auch Editorial in diesem Heft). „Es wird zwar immer gesagt, dass die Zulassungsausschüsse gar nicht zwangsaufkaufen werden. Aber dann ist die Regelung entweder ein bürokratisches Monster oder ein Schildbürgerstreich“, erklärte Richter. Die Arztgruppe der Psychotherapeuten sollte von der Aufkaufsregelung ausgenommen werden, forderte er und die Delegiertenversammlung verabschiedete hierzu eine Resolution (Kasten). Sollte dies nicht durchsetzbar sein, müsse die Grenze für vermeintlich überversorgte Gebiete, ab der aufgekauft werden dürfe, von jetzt 110 Prozent auf 200 Prozent angehoben werden. „Die Diskussion um die Bedarfsplanung wird weitergehen“, prophezeite er.

Hinsichtlich der Rahmenbedingungen für psychotherapeutische Sprechstunden, die im GKV-Versorgungsstärkungsgesetz (VStG) vorgesehen sind, erhofft sich Richter weitere Präzisierungen im Gesetz sowie pragmatische Vorgaben des Gemeinsamen Bundes­aus­schuss hierzu. Die Einführung von Sprechstunden hält er für dringend erforderlich: schon jetzt würden 38,5 Prozent der Patienten ausschließlich probatorische Sitzungen in Anspruch nehmen und keine Richtlinienpsychotherapie. Eine weitere Forderung aus dem VStG, die Förderung der Kurzzeittherapie, hält Richter dagegen für nicht nötig, denn die meisten Therapien dauerten sowieso weniger als 50 Stunden. „Wohin soll das führen: zu einer Kurzkurztherapie?“ Dies sei wenig sinnvoll.

Weitere Herausforderungen für die Zukunft sieht der scheidende Präsident in der Organisation einer sektorenübergreifenden Versorgung sowie hier vor allem in der Versorgung von Menschen mit schweren chronischen psychischen Erkrankungen. „Die Politik will dazu Konzepte von uns haben – wir sind gefordert.“

Die größte Baustelle und Herausforderung für die Psychotherapeuten, zusammen mit dem Gesetzgeber, ist die Reform der Ausbildung. Der 25. Deutsche Psychotherapeutentag im November 2014 hatte klar für die Direktausbildung votiert: eine Reform, die eine Approbation nach einem wissenschaftlichen Hochschulstudium der Psychotherapie auf Masterniveau mit anschließender Weiterbildung vorsieht. „Wir sind dankbar für das klare Votum der Profession und nehmen die Arbeiten am Gesetzentwurf jetzt auf“, sagte Karin Knufmann-Happe, Ministerialdirektorin des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG), die eingeladen war, von den Vorstellungen des Gesetzgebers zu berichten. „Wir wollen diesen Weg mit der Profession gehen und wir wollen das hohe Ausbildungsniveau sichern“, stellte sie klar. Das Studium der Psychotherapie solle mit Staatsexamen und Approbation abschließen. Die jetzigen Ausbildungsinstitute sollten in die Weiterbildung eingebunden werden. „Das sind Herausforderungen, aber auch Chancen und wir brauchen Ihre Unterstützung“, appellierte Knufmann-Happe. Die Nachfrage nach qualifizierten Psychotherapeuten werde noch weiter wachsen und auch das Interesse an dem Beruf sei ungebrochen. Auch deshalb sei es wichtig, dass „das Fach näher dran ist an den Strukturen der anderen Heilberufe“.

Wie das Ministerium denn sicherstellen wolle, dass alle Verfahren in die Aus- und Weiterbildung einbezogen würden, auch die systemische Therapie und die humanistischen Therapien, die zwar größtenteils wissenschaftlich anerkannt, aber nicht zur kassenärztlichen Versorgung zugelassen sind, fragte Anni Michelmann, Delegierte aus Nordrhein-Westfalen. „Es ist wichtig, dass alle Verfahren in der Ausbildung vertreten sind“, stellte die Ministerialdirektorin klar. Für die anschließende Weiterbildung sei der Gesetzgeber nicht zuständig, sondern die Landespsychotherapeutenkammern. Bedenken, dass durch die Reform der Beruf des Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten auf der Strecke bleiben könnte, setzte Knufmann-Happe entgegen: „Wir werden alle Professionen, auch die Pädagogen und Heilpädagogen, in die Diskussion miteinbeziehen. Wir wollen keinesfalls ein Psychologiestudium einfach in ein Psychotherapiestudium umetikettieren.“

Die Vorstandswahlen standen als nächster Tagesordnungspunkt auf dem Programm. Diese versprachen durchaus spannend zu werden, weil nicht einfach ein Tableau gewählt werden sollte, sondern es für jeden Posten mehrere Kandidaten gab. Prof. Richter machte zunächst noch einmal deutlich, dass es im Laufe seiner Präsidentschaft immer mal wieder auch Interessenskonflikte gegeben habe: als Hochschullehrer, als Verbandsangehöriger, als Psychodynamiker. „Wichtig ist immer, die Kammerperspektive an erste Stelle zu stellen“, betonte er.

„Wichtig ist immer, die Kammerperspektive an erste Stelle zu stellen“, betonte Rainer Richter in Bezug auf mögliche Interessenskonflikte
„Wichtig ist immer, die Kammerperspektive an erste Stelle zu stellen“, betonte Rainer Richter in Bezug auf mögliche Interessenskonflikte

Für den Posten des Präsidenten der Bundes­psycho­therapeuten­kammer stellten sich zwei Kandidaten zur Verfügung: Dr. phil. Nikolaus Melcop, Präsident der Landespsychotherapeutenkammer Bayern, und Dr. rer. nat. Dietrich Munz, Präsident der Landespsychotherapeutenkammer Baden-Württemberg und bisheriger Vizepräsident der BPtK. Der 55-jährige Nikolaus Melcop ist niedergelassener Verhaltenstherapeut in Landshut und Mitglied der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung. Er warb unter anderem damit, dass er die Honorarpolitik, wenn nötig, auch als Kammeraufgabe verstehe. Die Breite der Verfahren zu unterstützen, auch und gerade im Hinblick auf den Beschluss des 25. DPT zur Direktausbildung, sei ihm ein wichtiges Anliegen. „Ich stehe eindeutig hinter dem Beschluss und sehe ihn als entscheidende Grundlage für die Kammerarbeit“, sagte er. Als Präsident der Bayerischen Landeskammer bringe er vielfältige Erfahrungen auch für die Arbeit auf Bundesebene mit.

Der 63-jährige Psychotherapeut und Psychoanalytiker Dietrich Munz ist Abteilungsleiter an der psychosomatisch orientierten Sonnenberg-Klinik in Stuttgart und beschäftigt sich dort im Schwerpunkt mit Essstörungen. Der Diplom-Physiker und Diplom-Psychologe ist zudem Betriebsratsvorsitzender der Klinik. Gleichzeitig ist er im Rahmen der Ermächtigung auch ambulant tätig. Munz ist Mitglied im Bundesvorstand der Deutschen Gesellschaft für Psychoanalyse, Psychosomatik und Tiefenpsychologie (DGPT) und stellvertretender Vorsitzender des Psychoanalytischen Instituts Stuttgarter Gruppe e.V. Neben der Kammerarbeit bringe er Erfahrungen als Delegierter der Ver­tre­ter­ver­samm­lung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung aus früheren Jahren mit, betonte er. Munz erklärte, dass er im Falle seiner Wahl die Mitgliedschaft in der DGPT niederlegen wolle, um mögliche Interessenskonflikte zu vermeiden. Als „klaren Auftrag“ versteht auch er den Beschluss zur Direktausbildung. „Das Amt des Präsidenten ist eine große Ehre, aber auch eine große Herausforderung“, sagte Munz.

Mit 77 Stimmen zu 54 Stimmen wurde Munz von den Delegierten zum neuen Präsidenten gewählt. Melcop kandidierte in einer anschließenden Wahl als Vizepräsident und erhielt dabei 102 Stimmen.

Für das Amt des zweiten Vizepräsidenten kandidierten Dr. phil. Andrea Benecke, Vizepräsidentin der Landespsychotherapeutenkammer Rheinland-Pfalz, und Peter Lehendorfer, Vize der Bayrischen Landeskammer und seit zwölf Jahren im Vorstand der BPtK. Benecke ist am Psychologischen Institut der Universität Mainz angestellt und leitet dort den Weiterbildungsstudiengang Psychologische Psychotherapie. Sie ist Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Psychologie und hat Weiterbildungen in systemischer Therapie, Gesprächstherapie und Neuropsychologie.

Die Auswertung der Wahlzettel beanspruchte die Mitarbeiter der BPtK an diesem Tag sehr.
Die Auswertung der Wahlzettel beanspruchte die Mitarbeiter der BPtK an diesem Tag sehr.

Peter Lehndorfer, niedergelassener Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut in Gräfelfing bei München, ist Mitglied in der Vereinigung Analytischer Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten. Im Hinblick auf die Ausbildungsreform sei ihm wichtig, „dass wir ein Beruf werden“, sagte Lehndorfer in Bezug auf die Ausbildungsreform, die einen Beruf Psychotherapeut mit unterschiedlicher Schwerpunktsetzung anstrebt. „Im Falle meiner Wahl werde ich das dienstälteste Mitglied des Vorstands sein“, fügte er hinzu. Lehdorfer erhielt eine große Mehrheit von 97 zu 34 Stimmen.

Andrea Benecke gewann die anschließende Wahl für das Amt des ersten Beisitzers gegen Marion Schwarz, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin aus Mainz, mit 92 zu 33 Stimmen. Das Amt des zweiten Beisitzers ging an Wolfgang Schreck, Mitglied des Vorstandes der Psychotherapeutenkammer NRW und seit Gründung der BPtK Mitglied der Versammlungsleitung der Deutschen Psychotherapeutentage. Schreck ist zudem Abteilungsleiter beim Jugendamt Gelsenkirchen.

Damit haben die Delegierten des 26. DPT in Berlin einen Vorstand mit viel Erfahrung gewählt, in dem die wichtigsten Verfahren vertreten sind, die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten einen bewährten Vertreter haben und auch die Belange der angestellten Psychotherapeuten auf Sachverstand treffen. Einzig der Frauenanteil hätte nach Ansicht einiger Delegierter höher sein können. Die neue Besetzung wird sich beim 27. Deutschen Psychotherapeutentag am 14. November in Stuttgart aktiv präsentieren.

Petra Bühring

Resolutionen*

Schweigepflicht darf nicht angetastet werden

Eine wirksame Psychotherapie gründet auf einer vertrauensvollen Beziehung zwischen Patient und Psychotherapeut. Patienten müssen sicher sein, dass ihr Therapeut zum Schweigen über alle Umstände und Inhalte der Behandlung verpflichtet ist. Die gesetzlich und berufsrechtlich geregelte Schweigepflicht schützt die Individualsphäre. Das Vertrauensverhältnis bietet auch die Chance von einer Selbst- und Fremdgefährdung zu erfahren und Hilfe zu ermöglichen.

Die Schweigepflicht ist kein absolutes Gebot. Sowohl im Strafrecht als auch in der Berufsordnung sind Ausnahmen vorgesehen, um Patienten davor zu bewahren, sich selbst oder andere zu gefährden. Die Abwägung darüber, ob dies es rechtfertigt, Informationen an andere weiterzugeben, muss jedoch eine Entscheidung des behandelnden Psychotherapeuten im Einzelfall bleiben, fordert der DPT.

Angemessene psychotherapeutische Versorgung von Flüchtlingen

Viele Flüchtlinge sind häufig schwer und mehrfach traumatisiert. Die psychotherapeutische Versorgung ist aber selbst für schwer psychisch erkrankte Flüchtlinge und Asylsuchende in Deutschland nicht sichergestellt. Die Hauptgründe liegen in langwierigen und intransparenten Bewilligungsverfahren, die dazu führen, dass die Behandlungen gar nicht oder viel zu spät beginnen. Über einen Anspruch auf Psychotherapie wird im Einzelfall durch Amtsärzte oder auch Sachbearbeiter der kommunalen Behörden entschieden. Der 26. DPT fordert deshalb, dass die notwendigen Behandlungen bei psychischen Erkrankungen analog den Leistungen der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung erfolgen; die bürokratischen Hürden für die Beantragung gesenkt werden; die Entscheidung einer Behandlungsbedürftigkeit nicht fachunkundigen Personen überlassen wird; eine ausreichende Anzahl an psychotherapeutischen Versorgungseinrichtungen für Flüchtlinge bundesweit entsteht.

Dolmetscher für Patienten mit Migrationshintergrund in der Psychotherapie ermöglichen

Nach dem zehnten Ausländerbericht der Bundesregierung sprechen rund 20 Prozent der Migranten nicht ausreichend Deutsch, um in einer psychotherapeutischen Behandlung ihre Beschwerden adäquat mitteilen zu können und von therapeutischen Interventionen zu profitieren. Sie sind angewiesen auf muttersprachliche Therapeuten oder Dolmetscher. Bislang verweigern die Krankenkassen die Finanzierung der Dolmetscherleistungen. Dabei ist die Finanzierung von Dolmetschern durchaus im SGB V verankert, nämlich für Menschen mit Hörbehinderung.

Der DPT fordert deshalb, dass die Landessozialministerien und die gesetzliche Kran­ken­ver­siche­rung für Migranten die Finanzierung von Dolmetschern übernimmt, soweit kein zeit- und ortsnaher Behandlungsplatz bei einem muttersprachlichen Psychotherapeuten zur Verfügung steht.

Verschlechterung der Versorgung durch das GKV-Versorgungsstärkungsgesetz ist nicht akzeptabel

Die vorgesehene Änderung (Praxisaufkauf bei Überversorgung über 110 Prozent) in § 103, Absatz 3 a, SGB V des Versorgungsstärkungsgesetzes kann mittelfristig bundesweit zum Abbau von circa 7 400 Vertragspsychotherapeutensitzen führen. Für die Versorgung psychisch kranker Menschen wäre das katastrophal. Die derzeitige Bedarfsplanung aus den frühen neunziger Jahren ist in fehlerhafter Weise auf den Psychotherapiebereich übertragen worden und führt dort zu viel zu niedrigen Verhältniszahlen, die den Bedarf an ambulanter Psychotherapie nicht abbilden. Die erheblichen Wartezeiten auf einen Therapieplatz dokumentieren dies eindrucksvoll. Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen schlägt in seinem Jahresgutachten 2014 vor, die Fachgruppe der Psychotherapeuten deshalb von der Regelung in § 103 auszunehmen. Die Psychotherapeuten schließen sich dem an.

*alle Resolutionen in von der Redaktion gekürzter Fassung

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