ArchivDeutsches Ärzteblatt PP5/2015Ambulante spezialfachärztliche Versorgung: Ver­tre­ter­ver­samm­lung positioniert sich

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Ambulante spezialfachärztliche Versorgung: Ver­tre­ter­ver­samm­lung positioniert sich

Rieser, Sabine

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Zu bürokratisch, schwer umsetzbar, von Nachteil für Patienten wie Vertragsärzte: Die Kritik an der ASV fiel deutlich aus. Mit Hilfe eines ganzen Katalogs von Forderungen will die KBV-Ver­tre­ter­ver­samm­lung die Vorgaben für diese Versorgungsform nachgebessert haben.

Manchmal hilft es, wenn man vor einer Grundsatzdiskussion wichtige Fakten zusammengestellt und eingeordnet bekommt. Die Ver­tre­ter­ver­samm­lung (VV) der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), die sich am 23. April traf, legte darauf keinen so großen Wert. Ihre Mitglieder wollten dem Vernehmen nach ausreichend Zeit haben, um über die Weiterentwicklung der ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung (ASV) zu diskutieren. Deshalb entschieden sie, dass der Vortrag eines KBV-Mitarbeiters abgekürzt werden solle. So blieb Zeit fürs Formulieren einer ganzen Reihe von Forderungen in Richtung Gesetzgeber, Gemeinsamer Bundes­aus­schuss (G-BA) und Krankenkassen.

„Schwerer Verlauf“ bleibt

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In einem mit großer Mehrheit verabschiedeten Beschluss hat es die VV abgelehnt, die Vorlage einer „schweren Verlaufsform“ als ASV-Kriterium zu streichen. Es habe sich gezeigt, dass dies „ein wichtiges Kriterium für die Vertragsärzte ist“, sagte der KBV-Vorstandsvorsitzende Dr. med. Andreas Gassen im Anschluss an die Sitzung. In dem Beschluss fordert die VV „eine Rückbesinnung auf die ursprüngliche Intention der ASV: ein Zusammenrücken und -arbeiten der Sektoren, um die Behandlung der Patienten mit seltenen Erkrankungen und schweren Verlaufsformen von Krankheiten mit besonderen Krankheitsverläufen zu verbessern“. Hinzu kam die Aufforderung an die Koalition, der im GKV-Versorgungsstärkungsgesetz (VSG) vorgesehene Bestandsschutz für Altverträge von Krankenhäusern nach § 116 b Sozialgesetzbuch V müsse entfallen.

Die nicht-öffentliche Ver­tre­ter­ver­samm­lung war außerplanmäßig einberufen worden. Anlass waren Diskussionen über die zukünftige Gestaltung der ASV. KBV-Vorstand Gassen hatte Ende März, kurz vor der Anhörung zum VSG, gemeinsam mit dem Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft einen Kompromiss in die Diskussion eingebracht: Für die Altverträge solle es bei der bisherigen Befristung bleiben – so, wie es jetzt der VV-Beschluss vorsieht. Im Gegenzug könne die ambulante spezialfachärztliche Versorgung nach § 116 b neu nicht auf „schwere Verlaufsformen“ bestimmter Erkrankungen eingegrenzt werden.

Gassen hatte seinen Vorstoß im Vorfeld der VV damit begründet, dass dieses Kriterium die Umsetzung der ASV erschwere. Hierbei gehe es grundsätzlich schon um schwere, komplexe Erkrankungen. Die Beratungen im G-BA hätten gezeigt, dass die zusätzliche Berücksichtigung von schweren Verlaufsformen häufig „kein praktikables Kriterium“ sei. Er sei aber „nach wie vor der Meinung, dass die Mehrheit der Patienten auch mit schweren Erkrankungen im ambulanten Bereich hervorragend aufgehoben ist“, hatte Gassen ergänzt.

Seine Vorstandskollegin Dipl.-Med. Regina Feldmann hatte gefordert, die ASV „klar abzugrenzen“ und sie nur für schwere und seltene Krankheiten vorzusehen. Den Verzicht auf die Einschränkung auf „schwere Verlaufsformen“ hielt sie für problematisch. Bei der Herzinsuffizienz beispielsweise könne dies dazu führen, dass mehr und mehr Patienten aus der ambulanten Versorgung in die ASV eingeschrieben würden.

Wie kompliziert und folgenreich viele ASV-Regelungen sind, verdeutlichte Feldmann anhand eines weiteren Aspekts: Wenn irgendwann zahlreiche ASV-Leistungen erbracht, aber nicht über die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) abgerechnet werden, sondern über externe Dienstleister, müssen die KVen ihre Verwaltungsumlage erhöhen, um ihre Aufgaben zu finanzieren. Dann würde infolge der ASV das Einkommen von sogenannten Grundversorgern sinken, die nach Meinung vieler ohnehin unzureichend vergütet werden.

Abrechnung nur über die KV

Die Ver­tre­ter­ver­samm­lung verlange deshalb, dass der Gesetzgeber Änderungen vornimmt. Sowohl die Abrechnung von ASV-Leistungen als auch die arztbezogene Aufteilung der Vergütung für das Team müssten über die KV erfolgen – auch für die Krankenhausärzte. Die ASV solle zudem auf tagesklinisch und kurzstationär erbrachte Behandlungen ausgeweitet werden, die bei gleicher Qualität ambulant erbracht werden könnten, wobei die Budgets der Krankenhäuser entsprechend zu bereinigen seien.

Vom G-BA erwartete die VV, dass der Facharztstatus für die gesamte ASV-Behandlung vorgeschrieben wird. Vertragsärzte mit Zulassung in einem Schwerpunkt und entsprechender Genehmigung der KV sollten in Bezug auf die Teilnahme an der ASV zudem den Kollegen mit entsprechender weiterbildungsrechtlicher Qualifikation der Bundes­ärzte­kammer gleichgestellt werden. Und für die Verhandlungen von KVen und regionalen Krankenkassen soll künftig gelten: „Keine Bereinigung zulasten der nicht an der ASV teilnehmenden Vertragsärzte.“

Sabine Rieser

@Alle KBV-Beschlüsse zur ASV im
Detail: www.aerzteblatt.de/15806

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