ArchivDeutsches Ärzteblatt PP5/2015Psychoanalyse: Notwendigkeiten interdisziplinärer Forschung

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Psychoanalyse: Notwendigkeiten interdisziplinärer Forschung

Storck, Timo

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Der Band kann als Einführung in die von Cord Benecke, Lilli Gast und Marianne Leuzinger-Bohleber herausgegebene Buchreihe „Psychoanalyse im 21. Jahrhundert“ aufgefasst werden, welche rund 30 Bände umfassen soll. Bis Juni 2015 werden neun davon erschienen sein. Der Titel sowohl der Buchreihe als auch der dieses von Wolfgang Mertens verfassten Einleitungsbandes weist es als ein zentrales Anliegen aus, die Psychoanalyse nicht nur als Bestandteil der Geschichte der Psychotherapie aufzufassen, sondern ihre Aktualität in Klinik und (interdisziplinärer) Forschung aufzuzeigen.

Die große Herausforderung, einen einführenden Überblick zu geben, der fast 230 Seiten umfasst, besteht darin, zugleich ein breites Feld abzustecken und inhaltlich zu verdichten. Immerhin berührt Mertens mit Kapiteln zur Wissenschaftstheorie, zur Theorie des Bewusstseins oder zur Psychotherapieforschung Bereiche, denen gesondert noch ein jeweiliger Band der Reihe gewidmet sein wird. Er begegnet der Herausforderung im Ganzen produktiv, und es gelingt, einen Überblick über die Vielfalt psychoanalytischer Arbeit zu geben, wenn es auch ein solcher ist, der dem Leser vielfältige verdichtete Bezugnahmen auf unterschiedlichste Theoretiker präsentiert (wobei man beispielsweise Bion eher vermisst). So findet man sich zunächst wieder in einer konzisen Darstellung der psychoanalytischen Theorie, Methode und Praxis, weiter in Überlegungen zum aufklärerischen Anliegen der Psychoanalyse, in Erörterungen zum Trieb und zum Ich und schließlich, nach einer wissenschaftstheoretischen und forschungslogischen Einordnung, in Anwendungsfeldern psychoanalytischer Forschung: Bewusstseinspsychologie und Religionskritik.

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Dabei wird eines auf überzeugende Weise deutlich, nämlich die Notwendigkeiten und Möglichkeiten interdisziplinärer psychoanalytischer Forschung und Theoriebildung. Wenn beispielsweise der im Personenregister am zweithäufigsten (nach Sigmund Freud) genannte Name der des Neurobiologen Jaak Panksepp ist, dann ist damit ein deutliches Zeichen dafür gesetzt, dass sich die Psychoanalyse auch und besonders im 21. Jahrhundert in Felder einmischen kann und sollte, in denen ihr unverzichtbarer Beitrag ansonsten nicht gehört zu werden droht. Timo Storck

Wolfgang Mertens: Psychoanalyse im 21. Jahrhundert. Kohlhammer, Stuttgart 2014, 230 Seiten, kartoniert, 24,90 Euro

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