ArchivDeutsches Ärzteblatt PP5/2015Therapeutische Beziehung: Gut recherchierte Erkenntnisse und Anregungen

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Therapeutische Beziehung: Gut recherchierte Erkenntnisse und Anregungen

Barley, Ingrid

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Alle anerkannten psychotherapeutischen Behandlungsverfahren gestehen der therapeutischen Beziehung eine zentrale Bedeutung für die Wirksamkeit einer Therapie zu. Es gibt zahlreiche Autoren, die sogar die Ansicht vertreten, dass Beziehungsfaktoren wichtiger sind als Technikfaktoren.

Der Autor stellt nun fest, dass es trotzdem keinen übereinstimmenden Konsens über das Konzept der therapeutischen Beziehung gibt und auch keine gesicherte Definition einer hilfreichen oder therapeutischen Allianz. Beziehung im Sinne von zwischenmenschlicher und therapeutischer Beziehung ist nach Erkenntnis des Autors „im wissenschaftlichen Sprachgebrauch der psychodynamisch orientierten psychosozialen Medizin zugleich von zentraler Bedeutung und oftmals überraschend unbestimmt und ungenau.“ Er hat sich deshalb das Ziel gesetzt, diesen Beziehungsbegriff genauer zu beschreiben und zu bestimmen, und gliedert das Buch in zwei Bereiche: Im klinisch-historischen und -empirischen Teil wird dargestellt, wie sich die Bedeutung von therapeutischer Beziehung seit Freud historisch verändert und entwickelt hat.

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Es folgt ein anthropologisch-systematischer Teil. Dabei stellt der Autor Hypothesen zur Diskussion, die er sehr umfassend und tiefgründig beleuchtet und bearbeitet. Er begründet, warum die intersubjektive Wende einer Ergänzung durch eine anthropologische Wende bedarf. Er betont, warum Beziehungserfahrungen immer auch Werterfahrungen sind. Beziehung sei „ein auf Gegenseitigkeit angewiesenes gemeinsames pathisches Geschehen, das heißt zugleich ein aktives Tun und ein Geschehen, das passiv widerfährt. Beziehung lässt sich auch in der therapeutischen Beziehung deshalb nicht einfach manualisieren noch in der Forschung als dekontextualisierter Wirkfaktor operationalisieren.“

Das Buch verlangt dem Leser viel Durchhaltevermögen ab. Inhaltliche Detailliertheit und eine komplizierte Sprache machen das Lesen anstrengend, was durch die zahlreichen Fußnoten zusätzlich erschwert wird. Das umfangreiche Verzeichnis umfasst mehr als 230 Literaturhinweise. Das Werk beeindruckt dennoch durch seine gut recherchierten Erkenntnisse und Anregungen zu einem zentralen Prozess im therapeutischen Geschehen. Ingrid Barley

Dirk von Boetticher: Die therapeutische Beziehung in der psychosozialen Medizin. Kohlhammer, Stuttgart 2014, 128 Seiten, kartoniert, 24,99 Euro

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