ArchivDeutsches Ärzteblatt PP5/2015Kognitive Verhaltenstherapie: Neubewertung der Wahrnehmung

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Kognitive Verhaltenstherapie: Neubewertung der Wahrnehmung

Koch, Joachim

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Das übergeordnete Ziel der kognitiven Verhaltenstherapie der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) besteht in der Veränderung der Bedeutung des Traumas und seiner Konsequenzen. Die Spätfolgen und nicht das Trauma an sich sind Gegenstand der Therapie. Angestrebt wird die Neubewertung der Wahrnehmung, dass das Trauma keine katastrophalen Konsequenzen für das Leben der Person und das Zusammenleben mit anderen Personen hat. Das Trauma soll in den biografischen Kontext der Person eingebettet werden. Weil dies bisher nicht geschehen war, behielt das Trauma seine negative aktuelle Bedeutung. Die intrusiven Erinnerungen mit den schlimmsten Bedeutungen, den sogenannten Hot-spots, sollen eine „Damals-und-Dort-Qualität“ erhalten. Im Zentrum der Therapie steht die Löschung der Furchtstruktur durch Konfrontation.

Dazu wird dem Patienten ein Erklärungsmodell der PTBS vermittelt. Dann wird ein Veränderungsmodell der PTBS erarbeitet, und einzelne Schritte für die Therapie daraus abgeleitet. Anhand von vier Fallbeispielen zeigt die Autorin ausführlich, wie Informationen systematisiert werden können, die an der Aufrechterhaltung der Störung beteiligt sind. Mit Hilfe von Traumagrafiken wird ein vertieftes Verständnis über das idiosynkratische Bedingungsgefüge der PTBS erlangt. In einzelnen Kapiteln werden der Umgang mit Schuldgefühlen sowie Schamgefühlen in der Therapie behandelt. Bei dem Thema Schuldgefühle wird in einem Fallbeispiel eindrucksvoll gezeigt, wie ein Schuldgedanke während der Konfrontation modifiziert wird. In einem weiteren Kapitel zeigt die Autorin, wie mit traumabedingten Ekelgefühlen umgegangen werden kann. Des Weiteren wird der Einsatz imaginativer Methoden bei der Traumakonfrontation erläutert. Hier wird auch das Verfahren der Imagery Rescripting and Reprocessing Therapy (IRRT) mit einem fünfstufigen Phasenablauf beschrieben, das für erwachsene Opfer sexuellen oder körperlichen Missbrauchs in der Kindheit entwickelt wurde. Mit einem Fallbeispiel wird eine Sitzung aus einer IRRT- Therapie geschildert. In den letzten beiden Kapiteln geht die Autorin auf die Bedeutung von dissoziativen Symptomen und Störungen bei der Posttraumatischen Belastungsverarbeitung ein und führt Möglichkeiten auf, um Sicherheits- und Vermeidungsverhalten abzubauen.

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Im Anhang des Buchs werden als Kopiervorlagen wichtige Arbeitsblätter sowie der Test „Impact of Event Scale“ (IES-R) und der Fragebogen zu Gedanken nach traumatischen Erlebnissen (PTCI) samt Auswertungen zur Verfügung gestellt. Joachim Koch

Anne Boos: Kognitive Verhaltenstherapie nach chronischer Traumatisierung. 2. Auflage, Hogrefe, Göttingen 2014, 243 Seiten, kartoniert, 44,95 Euro

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