ArchivDeutsches Ärzteblatt22/1996Medizinische Assisstenzberufe: Arzthelferinnen fordern Reform der Ausbildung

POLITIK: Aktuell

Medizinische Assisstenzberufe: Arzthelferinnen fordern Reform der Ausbildung

Glöser, Sabine

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LNSLNS Daß der "Traumberuf der meisten jungen Frauen" reformbedürftig ist, war der einhellige Tenor auf der Bundeshauptversammlung des Berufsverbandes der Arzt-, Zahnarzt- und Tierarzthelferinnen (BdA) in Frankfurt. Nach der Ausbildung warteten weder Karriere noch gutes Auskommen. Der BdA verabschiedete daher eine Resolution zur Verbesserung der Erstausbildung und Ausweitung der anerkannten Weiterbildung für Arzthelferinnen. Darin werden Bundesregierung, Arbeitgeber und Sozialpartner aufgefordert, sowohl Inhalte der Aus- und Weiterbildung von Arzthelferinnen als auch die Berufsbezeichnungen zu reformieren.


Erwerb neuer Kompetenzen
Ausbildungsinhalte müßten zeitgemäß angepaßt oder erweitert werde. Dies sei vor allem in den Bereichen Kommunikation, elektronische Datenverarbeitung, Prophylaxe/ Prä-vention sowie Hygiene/Entsorgung notwendig, heißt es in der Resolution. Darüber hinaus sollen die Weiterbildungen so konzipiert werden, daß Arzthelferinnen neue Kompetenzen erwerben, die sowohl den Praxen zugute kommen könnten als auch horizontale und vertikale Durch- und Aufstiegschancen im gesamten Gesundheitswesen ermöglichen.
So würden die Arzthelferinnen durch ihre hohe fachliche Kompetenz im medizinischen, aber auch im verwaltenden Bereich zunehmend von Kliniken, der Pharmaindustrie, Versicherungen und Krankenkassen "entdeckt", meinte Ilse Oppermann, im Bundesvorstand zuständig für die Aus- und Weiterbildung. Dadurch ergäben sich neue Berufsperspektiven. Oppermann forderte daher, die Arzthelfe-rinnen "durch ein auf den Arbeitsmarkt zugeschnittenes Ausbildungs- und Weiterbildungskonzept aus der immer deutlicher werdenden beruflichen Sackgasse herauszuführen."
Zudem hält der BdA die Berufsbezeichnungen für unzeitgemäß. Die Berufe seien einem "rasanten Wandel in Technik und Medizin unterworfen". Die inzwischen erreichte Qualität und das erforderliche Leistungsspektrum würden nicht mehr deutlich, unterstrich Oppermann. Daher schlägt der Verband in seiner Resolution die folgenden Änderungsmodelle vor: Die Bezeichnungen "Medizinische/Zahnmedizinische Kaufmännische Angestellte", "Medikantin/Dentalmedikantin" sowie "Medizinische/Zahnmedizinische/Veterinärmedizinische Praxisassistentin" sollen die herkömmliche "Arzthelferin" ersetzen. Eine weitere Forderung in Frankfurt war die Zulassung zum Medizin-, Zahnmedizin- oder Tiermedizinstudium. Sie müsse mit qualifizierter, abgeschlossener Berufsausbildung möglich sein.
Durch die wirtschaftlichen Probleme vieler Praxen und das gegenwärtig diskutierte Sparpaket der Bonner Koalition verschärfe sich die Situation noch, kommentierte die Vorstandsvorsitzende Bärbel Keim-Meermann. Die Arzthelferinnen seien zum einen als abhängig Beschäftigte und Beitragszahler betroffen. Zum anderen bedrohten die weitreichenden Sparmaßnahmen aber auch die Arbeitsplätze im ambulanten Gesundheitswesen.
Dr. Sabine Glöser

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